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Klimaschutz

In der Sonne steckt viel Potenzial

Der Landkreis Amberg-Sulzbach ist schon auf einem guten Weg. Die Anstrengungen müssen aber intensiviert werden.
Von Gerd Spies

Beim Ausbau von Solaranlagen sieht der Umweltschutzkoordinator Joachim Scheid noch Nachholbedarf im Landkreis Amberg-Sulzbach. Foto: Gerd Spies
Beim Ausbau von Solaranlagen sieht der Umweltschutzkoordinator Joachim Scheid noch Nachholbedarf im Landkreis Amberg-Sulzbach. Foto: Gerd Spies

Amberg.Auf der Tagesordnung des Umwelt- und Energieausschusses des Landkreises standen zwar nur zwei Punkte. Einer davon sorgte dann doch für eine längere Diskussion. Seit dem 1. Juli 2017 ist Joachim Scheid der Klimaschutzkoordinator des Landkreises. Von Katharina List hatte er damals diese Förderstelle übernommen. Im Juni 2020 wird diese durch das Umweltministerium geförderte Stelle auslaufen. Der Klimaschutzkoordinator sitzt in der Geschäftsstelle des ZEN in Ensdorf, dem Zentrum für Erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit. Vor dem Ausschuss gab Scheid jetzt seinen Rechenschaftsbericht.

Noch viel Potenzial stecke im Ausbau der Solarenergie im Landkreis Amberg-Sulzbach, lautet das Resümee des Klimaschutzkoordinators. 18 Prozent machte 2011 der Anteil des Stroms am Gesamtenergieverbrauch im Landkreis aus, aber für 30 Prozent der CO2-Emissionen war die Stromproduktion verantwortlich. Im Gegensatz dazu umfasst die Wärmeenergie (Heizungen) fast die Hälfte der Gesamtenergie (46 Prozent), produziert aber nur rund ein Drittel der CO2-Emissionen (36 Prozent).

Anteil der Solarenergie steigt

Aber seit 2011 hat sich bei der Stromerzeugung schon einiges getan. Während damals noch gerade mal 27 Prozent des Strombedarfs im Amberg-Sulzbacher Land aus erneuerbaren Energien erzeugt wurden, machen PV-Anlagen, Wasserkraftwerke, Windanlagen und Biogasanlagen Ende 2017 86 Prozent aus. „Wir brauchen aber den weiteren Ausbau der Solarenergie, weil der Ausbau der anderen erneuerbaren Energien in der Region stagniert“, erklärte Scheid. Sowohl bei Biogas als auch bei Wasserkraft sei kein Wachstum mehr zu verzeichnen. Und bei der Windenergie habe die H10-Regelung praktisch zum Stillstand des Ausbaus geführt.

Das ZEN in Ensdorf

  • Vorstand:

    Der ehemalige Kümmersbrucker Bürgermeister und Bezirksrat Richard Gaßner führt seit zwei Jahren den gemeinnützigen Verein, der sich die Förderung des Umwelt- und Klimaschutzes zur Aufgabe gemacht hat.

  • Klimaschutzkoordinator:

    Der Diplom-Geograf Joachim Scheid (51) aus der Hallertau hat 2017 diese Förderstelle übernommen. Der Landwirt arbeitete vorher in Entwicklungsprojekten in Lateinamerika und Afrika.

  • Grüne Hausnummer:

    Auch in diesem Jahr möchte das ZEN wieder die sogenannte „Grüne Hausnummer“ vergeben. Damit sollen Hausbesitzer gewürdigt werden, die umweltfreundlich gebaut oder saniert haben.

Um den Ausbau der PV-Anlagen zu unterstützen, richtet jetzt das ZEN einen sogenannten Solarpotenzialkataster ein, kündigt Scheid an. Mit im Boot bei diesem Projekt ist auch die Stadt Amberg, die im kommenden Monat ebenfalls die Förderstelle einer Klimaschutz-Managerin einrichtet. „Mit Hilfe dieses Katasters kann dann jeder Hausbesitzer seine potenzielle Solarenergie für sein Hausdach abfragen“, erklärte Scheid. Von „gut geeignet“ über „bedingt geeignet“ bis hin zu „nicht geeignet“ wird in diesem Kataster für jedes Gebäude das Solarpotenzial für Photovoltaikanlagen eingestuft. Am 13. Mai 2019, dem Beginn der Klimaschutzwoche, wird dieser Solarpotenzialkataster der Öffentlichkeit vorgestellt, informierte Scheid.

„Wir brauchen weiter den Ausbau der erneuerbaren Energien im Kreis.“

Joachim Scheid, Umweltschutzkoordinator

Eine Woche lang, vom 13. bis 19. Mai 2019, veranstaltet das ZEN Ensdorf wieder diese Klimaschutzwoche, die unter dem Motto „Nachhaltigkeit und Klimawandel“ stehen wird. Viele Vorträge zu Energie und Umwelt-Themen, mehrere Wanderungen, Führungen bzw. Rundfahrten werden wieder auf dem Programm stehen, kündigte Scheid schon mal an. Auch die Stadt Amberg beteiligt sich heuer an dem Programm. Das ZEN wird rechtzeitig vor der Klimaschutzwoche öffentlich informieren.

Als dann Scheid in seinem Rechenschaftsbericht ankündigte, dass im Rahmen des Solarpotenzialkatasters auch freie Flächen des Landkreises hinsichtlich ihrer Eignung für Stromerzeugung mittels PV-Anlagen überprüft werden sollen, entstand eine lebhafte Diskussion.

Repair-Cafés in den Gemeinden

„Das kann ein Schuss sein, der nach hinten losgeht“, meinte Kümmersbrucks Bürgermeister Roland Strehl. Er warnte davor, eigene Planungen ohne enge Abstimmung mit den Kommunen zu machen. Strehl widersprach auch der Behauptung, Solarflächen würden der Landwirtschaft wertvolle Nutzflächen wegnehmen. „Das Gegenteil ist der Fall, die Landwirte wollen die Flächen zur Verfügung stellen“, betonte der Kümmersbrucker Bürgermeister. Widerstand käme aus anderen Teilen der Bevölkerung. Der ZEN-Vorsitzende und Bezirksrat Richard Gaßner machte zur Beruhigung der Kommunalvertreter klar: „Das ZEN wird nichts unternehmen, was nicht im Sinne der Gemeinden ist!“

Ein neues Projekt des ZEN stellte Scheid ebenfalls vor. In den Gemeinden sollen sogenannte Repair-Cafés entstehen, zu denen etwa alle acht Wochen Elektrogeräte, Kleidung oder andere Alltagsgegenstände zur Reparatur gebracht werden können. Acht Gemeinden planen bereits diese Einrichtung, in Sulzbach-Rosenberg läuft dieses Projekt schon seit zwei Jahren erfolgreich.

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