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Tagung

Junge Leute teilhaben lassen

Die Kommunen fürchten um ihre Jugendlichen. In Amberg wurde nun diskutiert, wie jugendgerechte Politik aussehen könnte.

Junge Leute möchten sich vor Ort in ihren Kommunen einbringen und mitbestimmen können. Foto: Archiv/Endlein
Junge Leute möchten sich vor Ort in ihren Kommunen einbringen und mitbestimmen können. Foto: Archiv/Endlein

Amberg.Junge Leute müssen gerade auf kommunaler Ebene von den Verantwortlichen in den Blickwinkel genommen werden. Gerade hier würden Kinder und Jugendliche ihre Lebensumwelt mitgestalten wollen. Diese Botschaft vermittelten die Referenten, darunter zahlreiche Bürgermeister aus der gesamten Oberpfalz, bei der Bezirkskonferenz „Kommunalen Jugendpolitik“. Die politisch Verantwortlichen hätten es in der Hand, ob sich junge Leute vor Ort in der Oberpfalz wohlfühlen. Gerade in der heutigen Zeit sei dies wichtiger denn je: Bedingt durch den demografischen Wandel verlieren viele Gemeinden einen großen Anteil ihrer jungen Bevölkerung.

Zur Konferenz geladen hatten Bezirksjugendring, der Bezirk und der Gemeindetag. Foto: ph
Zur Konferenz geladen hatten Bezirksjugendring, der Bezirk und der Gemeindetag. Foto: ph

Doch dem gelte es mit einer gezielten Jugendpolitik entgegenzutreten. Junge Menschen müssten sich in den Kommunen der Oberpfalz wohlfühlen und gute Bedingungen in ihren Heimatkommunen vorfinden, betonte Bezirkstagspräsident Franz Löffler. Es gehe um die Gleichwertigkeit der Lebensbedingungen. „Wir haben in Europa das Phänomen, das immer mehr Menschen in die Großstädte ziehen.“ Junge Menschen wollen Lebensräume vorfinden, die mindestens gleichwertig mit dem Angebot der Großstädte seien. Hier gehe es um weiche Standortfaktoren, wie die Mobilität oder eine gute Ausbildung vor Ort.

„Jungen Leuten darf nichts übergestülpt werden.“

Werner Fischer, Stellvertretender Bezirksvorsitzender Gemeindetag

Der stellvertretende Bezirksvorsitzende des Gemeindetages, der Bernhardswalder Bürgermeister Werner Fischer, sprach von Themen, „die heute die Kommunen mehr denn je beschäftigen“.Junge Leute würden nach ihrer Ausbildung, wenn sie dazu ihren Heimatort verlassen mussten, auch zurückkommen. Doch dafür müssten vor Ort dann auch die Rahmenbedingungen stimmen. Und: „Jungen Leuten darf nichts übergestülpt werden.“ Sie müssten sich selbstbestimmt einbringen können.

Attraktive Perspektiven bieten

Stellvertretender Landrat Hans Kummert begrüßte die hochkarätigen Gäste. Foto: ph
Stellvertretender Landrat Hans Kummert begrüßte die hochkarätigen Gäste. Foto: ph

Gerade vor Ort seien Auswirkungen für junge Leute am unmittelbarsten spürbar, sagte auch Bezirksjugendring-Vorsitzender Philipp Seitz. Er forderte die Kommunen zu einer gerechten Teilhabe junger Menschen vor Ort auf. Jugendgerecht seien Kommunen mit guten Chancen, Teilhabemöglichkeiten und attraktiven Perspektiven für junge Menschen. „Das sind Zukunftskommunen.“ Diese Botschaft vermittelte auch Referent Winfried Pletzer vom Bayerischen Jugendring. Eine gute kommunale Jugendpolitik sei ein Standortfaktor für Kommunen. „Erfolgreiche Jugendpolitik ist Zukunftspolitik.“

„Erfolgreiche Jugendpolitik ist Zukunftspolitik.“

Winfried Pletzer, Bayerischer Jugendring

Er bat die Bürgermeister, nicht nur über Jugendliche zu sprechen, wenn es gerade Ärger gegeben habe. „Aktives jugendpolitisches Handeln erfordert mehr, als nur in solchen Situationen über junge Menschen zu sprechen.“ Einige Gemeinden würden in den nächsten 15 Jahren bis zu einem Drittel ihrer Jugendlichen verlieren. „Wenn wir durch die Demografie so viele Jugendliche verlieren, dann müssen wir versuchen, sie in der Heimat vor Ort zu halten.“

Im Jahr 2035 werden in der Oberpfalz 1000 Babys weniger geboren als 2017. Die Anzahl der jungen Menschen nimmt ab:

So altert die Oberpfalz

Studien würden zu dem Ergebnis kommen, dass junge Leute bereit seien, in ihrer Heimatkommune zu bleiben und dafür auch längere Strecken täglich zu pendeln. Doch dafür müssten verschiedene Faktoren erfüllt sein: Ein schneller Internetanschluss, Mobilität, eine lebendige Jugendkultur oder Räume und Plätze, die den Bedürfnissen der Jugendlichen nach Erholung in der Freizeit gerecht werden. Bezirkstagspräsident Franz Löffler brachte es auf den Punkt: „Die jungen Leute wollen spüren und sehen, dass sich die Kommunen für sie und ihre Anliegen auch einsetzen.“

In Entscheidungen einbinden

Genau darauf setzt etwa die Stadt Tirschenreuth. Hier gibt es einen Jugendrat, der jährlich die Pflicht hat, im Stadtrat einen Bericht abzugeben. Tirschenreuths Bürgermeister Franz Stahl sagte: „Wenn die Jugendlichen kommunale Unterstützung bekommen, dann sind sie mit Begeisterung dabei.“ Der Jugendrat sei vor Ort „politisches Schwergewicht“ - und das werde vom Stadtrat auch so akzeptiert.

Politische Akteure aus der gesamten Oberpfalz kamen zu der Bezirkskonferenz. Foto: ph
Politische Akteure aus der gesamten Oberpfalz kamen zu der Bezirkskonferenz. Foto: ph

Auch in Dietfurt (Lkr. Neumarkt) tagt regelmäßig ein Jugendparlament. Es gelinge so immer wieder, die Jugend auch für Projekte zu begeistern, betonte Bürgermeisterin Carolin Braun. Gerade liege etwa ein Antrag des Jugendparlaments auf den Bau eines neuen Bushäuschens auf ihrem Schreibtisch.

Der zweite Bürgermeister der Gemeinde Schwarzenfeld und Schwandorfer Kreisjugendring-Vorsitzende Peter Neumeier zog das Fazit, dass viele Kommunen „noch weit weg von der perfekten Situation“ seien. So sei es wichtig, etwa mit Jugendbefragungen die Wünsche dieser Zielgruppe zu analysieren. Außerdem müsste Teilhabe und Mitsprache gefördert werden. In seiner Gemeinde sei der Jugendbeirat eine wertvolle Einrichtung. (ph)

So alt sind die Menschen im Durchschnitt in der Oberpfalz:

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