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Krebse krabbeln in den Flüssen

Heimische Krebse drohen verdrängt zu werden. Ein Krebshegeprojekt im Naturpark Hirschwald will hier gegensteuern.

Ranger Christian Rudolf hat gerade eine der Naturpark-Reusen, die deutlich mit einem gelben Anhänger markiert sind, kontrolliert und zeigt einen Signalkrebs, der sich noch am Köderbehälter festhält.
Ranger Christian Rudolf hat gerade eine der Naturpark-Reusen, die deutlich mit einem gelben Anhänger markiert sind, kontrolliert und zeigt einen Signalkrebs, der sich noch am Köderbehälter festhält. Foto: Isabel Lautenschlager

Ensdorf.Die beiden im Naturpark Hirschwald liegenden Fließgewässer Vils und Lauterach sind allgemein bekannt. Ob beim Spazierengehen und Radfahren, vom Wasser aus mit dem Kanu oder gar beim Angeln – jeder genießt diese beiden Gewässer auf seine eigene Weise. Was sich jedoch darin verborgen hält, fällt nur dem aufmerksamen Beobachter auf: „Krebse, hunderte, ja tausende von Flusskrebsen!“

Unerfreulicherweise handelt es sich bei der hauptsächlich zu beobachtenden Art aber nicht um die einheimischen Krebse Edelkrebs und Steinkrebs. Vielmehr sind es mittlerweile in der Regel Amerikanische Signalkrebse sowie mitunter Galizier-, Kamber- und Marmorkrebse, die sich zunehmend in heimischen Gewässern tummeln.

Signalkrebse bringen die Pest

Auf den ersten Blick ist das nicht weiter schlimm. Schaut man jedoch genauer hin, ergibt sich ein anderes Bild. Alle genannten Krebsarten sind Laichräuber und dezimieren Fischbestände und vor allem auch Amphibien. Es ist zudem festzustellen, dass Krebse als Allesfresser Pflanzenmasse, z. B. Laichkraut, in nicht unerheblichem Maße reduzieren, was wiederum zulasten der Fische und Amphibien geht.

Der wohl gravierendste Aspekt ist jedoch, so Naturpark-Ranger Christian Rudolf: Nichtheimische Krebsarten wie der Signalkrebs sind Träger der Krebspest, einer für einheimische Krebse letztlich tödlichen Pilzerkrankung. Der Signalkrebs wiederum ist gegen die Krebspest weitestgehend resistent, trägt aber in hohem Maß zur Verbreitung dieser Krankheit bei. Der Erreger wurde durch das Einbringen amerikanischer Flusskrebsarten in Europa eingeschleppt. Der invasive Pilz ist dabei, die einheimischen Krebse, insbesondere den Edelkrebs und den Steinkrebs, in ihrem angestammten Lebensraum weitgehend auszurotten. Die Krebspest stellt als Tierseuche ein generelles Gefährdungspotenzial für die heimischen Krebse dar.

Öffentlichkeit

  • Mithilfe:

    Naturpark-Ranger Christian Rudolf bittet dringend, keine Reusen aus dem Wasser zu nehmen oder diese zu entwenden. Es handelt sich dabei nicht um eine Vermüllung des Gewässers, sondern um ein Naturschutzprojekt von wesentlicher Bedeutung. Jeder Diebstahl oder Vandalismus wird angezeigt.

  • Aufklärung:

    Alle Reusen sind eindeutig markiert und werden von den Beauftragten teilweise sogar mehrmals täglich kontrolliert. Alle Fischereivereine und der Naturpark Hirschwald wollen für weitere Aufklärung sorgen. Geplant sind Führungen für die Öffentlichkeit.

Isabel Lautenschlager, Geschäftsführerin des Naturparks Hirschwald freut sich, dass immer noch Steinkrebsvorkommen in den Oberläufen der Lauterach verzeichnet werden können. Aber auch Edelkrebse werden wohl von Fischereiberechtigten immer wieder gesichtet. Daraus ergebe sich eine weitreichende Problematik. Steinkrebs und Edelkrebs seien, anders als ihre amerikanischen Verwandten, nicht resistent gegen die Krebspest, und würden, soweit man nicht eingreift, nach und nach verschwinden.

Viel Zuspruch bekommen

So hat eine Umsiedlung oder ein Besatz mit Signalkrebsen zu unterbleiben. Weiterhin dürfen gefangene Signalkrebse nicht mehr ins Gewässer zurückgesetzt werden und müssen verwertet werden. Das Problemfeld haben die hiesigen Fischereivereine schon lange auf dem Schirm. Schließlich sind Signalkrebse nicht nur im Landkreis, sondern in der ganzen Oberpfalz vorhanden. Naturpark-Ranger Christian Rudolf hatte, selbst auch Angelfischer und Kanufahrer, die Problematik auch schon vor seiner Zeit als Ranger mehrere Jahre erfasst und im eigenen Fischereiverein angesprochen. Daraus entstand die Idee eines vereinsübergreifenden Projektes innerhalb des Naturparks Hirschwald zum Monitoring von Krebsarten, woraus sich in Zukunft Maßnahmen zur Lebensraumerhaltung und -schaffung für den Edel- und Steinkrebs ergeben können.

Im Bild ist links an der großen Schere des Krebses deutlich der weißlich-bläuliche Signalfleck zu erkennen, der der Art den Namen gegeben hat.
Im Bild ist links an der großen Schere des Krebses deutlich der weißlich-bläuliche Signalfleck zu erkennen, der der Art den Namen gegeben hat. Foto: Isabel Lautenschlager /Isabel Lautenschlager

In einem ersten Schritt wurden alle Fischereivereine und die Lauterachgenossenschaft (eine Vereinigung privater Fischereirechtsbesitzer) über das Vorhaben des Naturparks informiert. Erfreulicherweise haben sich alle, der Fischereiverein Amberg mit seinem Vorsitzenden Tim Jüntgen, der Fischereiverein Rieden mit seinem Vorsitzenden Dieter Teich, der Fischereiverein Schmidmühlen mit seinem Vorsitzenden Josef Deml sowie die Lauterachgenossenschaft mit ihrem Vorsitzenden Alfred Kürzinger, gerne bereiterklärt, maßgeblich an diesem Projekt mitzuwirken.

Das Projekt fußt auf mehreren Säulen. Zunächst sind da die für das Monitoring notwendige Anschaffung von 200 Reusen für den Fang, sowie eine Schulung der mit dem Fang Beauftragten zur Artenbestimmung. Diese ist vereinsübergreifend für alle Beauftragten Pflicht. Robert Scherer, Gewässerwart des Fischereivereins Rieden und Mitglied der Lauterachgenossenschaft hat in enger Abstimmung mit dem Naturpark Hirschwald die Schulung der Fänger übernommen.

Signalkrebse werden verspeist

In Abstimmung mit der Höheren Naturschutzbehörde an der Regierung der Oberpfalz wurde das Projekt beantragt und bewilligt. Wesentlich beteiligt an Organisation und Öffentlichkeitsarbeit, wie zum Beispiel spezifischen Führungen, ist Manuela Madsen vom Fischereiverein Schmidmühlen. Der Naturpark-Ranger Rudolf organisiert die registrierten und geschulten Beauftragten und erfasst die Fänge. Die große Zahl von Fängern und Fängerinnen ermögliche dieses Projekt erst; sie opfer einen guten Teil ihrer Freizeit.

Schutzgebiet

Vils und Lauterach, Heimat vieler Arten

Wer genau hinschaut, findet unter Wasser ein faszinierendes Ökosystem, wie es in dieser Form selten geworden ist.

Das Ziel des Projektes ist es, durch das Monitoring alle vorhandenen Krebsarten über einen längeren Zeitraum zu erfassen. Dabei werden gefangene Edel- und Steinkrebse wieder ins Gewässer zurückgesetzt. Gefangene nichtheimische Arten wie der Signalkrebs müssen sinnvoll verwertet, in diesem Fall verspeist werden. Dabei ist die einzig derzeit rechtlich zulässige Tötungsmethode das Eintauchen in kochendes Wasser.

Positiver Nebeneffekt des Monitorings ist dabei eben die Entnahme der nichtheimischen Krebsarten. So hoffen die Projektverantwortlichen, den Migrationsdruck der Signalkrebse in die Lauterach nachhaltig zu mindern und den heimischen Krebsen Luft zu verschaffen in ihrem angestammten Lebensraum. Man hoffe, so Projektleiter Rudolf, eine Art Leuchtturmprojekt zu schaffen. So wäre es wünschenswert, wenn sich noch andere Fischereiberechtigte außerhalb des Naturparks anschließen und Fischereiberechtigte anderer Regionen davon profitieren.

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