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Ausstellung

Künstler verleihen den Gefühlen Ausdruck

Im Amberger ACC zeigen Männer und Frauen mit Kunstwerken und Texten ihre „Gratwanderung“ zwischen zwei Welten.
Von Rolf-Dieter Reichert

Harald Kelsch, Vorstandsmitglied des Vereins „Irren ist menschlich e. V.“, vor den Werken von Barbara Muhr (rechts) und im Hintergrund von Inge Anna Bergmann, „Eine Maske zerbricht“ Foto: Reichert
Harald Kelsch, Vorstandsmitglied des Vereins „Irren ist menschlich e. V.“, vor den Werken von Barbara Muhr (rechts) und im Hintergrund von Inge Anna Bergmann, „Eine Maske zerbricht“ Foto: Reichert

Amberg.Viele werden sagen: „Ach, wieder so eine Wanderausstellung…“ Weit gefehlt. Die „Gratwanderung“ ist eine ganz besondere Ausstellung, wie es auch der Bürgermeister der Stadt Amberg, Martin Preuß, in seiner Begrüßungsrede feststellte; er vertrat in seiner Eigenschaft als Bezirksrat auch Bezirkstagspräsident Franz Löffler. Geschaffen wurde die Ausstellung von Menschen, die sich in der „Gratwanderung“ auskennen und nicht, wie die meisten anderen Menschen, in ihrer „normalen“ Umwelt vor sich hinleben.

„Deepression“, das Kunstobjekt von Tone Schmid, erhielt einen 1. Preis bei der Ausstellung. Foto: Reichert
„Deepression“, das Kunstobjekt von Tone Schmid, erhielt einen 1. Preis bei der Ausstellung. Foto: Reichert

Was ist eigentlich eine Gratwanderung? Wenn man sich Berge vorstellt, die von Gipfel zu Gipfel einen Pfad haben, den man begehen kann, so muss man auch an die beiden Seiten denken, von denen aus es steil abwärts geht. Der „normale“ Mensch wird es wohl vorziehen, in den Tälern rechts und links vom Grat auf – vermeintlichen – geraden Wegen des Lebens zu wandern, dahin zu eilen, um ja zu beweisen, wie „normal“ er doch ist. Und fast alle Menschen in seiner Umgebung laufen mit. Normal?

Mehrere Preisträger gekürt

Auch ganz normale Dinge, die Menschen vielleicht ein wenig unspektakulär erscheinen mögen, kamen spontan zur Sprache. Da fragte zum Beispiel Hope (Pseudonym) Martin Preuß spontan, ob die Stadt eine Möglichkeit sehen würde, auf Antrag betroffenen Personen einen Zuschuss für Fahrtkosten zur Arbeitsstätte zu ermöglichen. In vielen Fällen müssten zum Beispiel hier ausstellende Künstler sehr weite Wege zur Arbeit in Kauf nehmen. Denn die Arbeitsmöglichkeiten seien, trotz guter Integration und der guten Inklusion, sehr begrenzt. Dem Vernehmen nach sagte Preuß zu, dieses Anliegen weiter zu begleiten – auch ein greifbarer Erfolg dieser „Gratwanderung“.

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Ausstellung "Gratwanderung" im Amberger ACC

Harald Kelsch, Vorstandsmitglied des Vereins „Irren ist menschlich e. V.“, stellte die Werke der ausstellenden Künstler vor, erläuterte ihre Entstehung und die Preisvergaben. Neben den Preisträgern Tone Schmid, Harriot Burden, Hope, Johannes Frank und Monika Schüßler zeigen zahlreiche weitere Künstlerinnen und Künstler im ACC ihre Werke, teilweise auch zwei und drei Arbeiten.

Die Preisträger

  • 1. Preis:

    Der 1. Preis ging an Tone Schmid für „Deepression“.

  • 2. Preis:

    Der 2. Preis wurde dreimal verliehen: an Harriot Burden („In anderen Sphären“, Hope („kein normaler Stuhl“) und Johannes Frank „Der verwundete Schamane“).

  • Sonderpreis:

    Der Sonderpreis Literatur ging an Monika Schüßler für das Gedicht „Zerreißprobe“.

Dies sind: Cori Kugel, Cindy Kionke, Ekaterina Ladynskaya, Mario Uster, Steffi Schneider, Peter Keckl, Erich Breindl, Sascha Bondarenko, Emil Gottfried Pelz, Natalie Klug, Simone Raß, Inge Anna Bergmann, Eva-Maria Schlicht, Thomas Plechler, Angelika Kollmer, Barbara Muhr, Kerstin Mühlbacher, Rosi Riesch, Simone Djuric, Dennis Euler, Petra Kroker, Karin Glowacki, Dorina Sonnensperger und Susan Fromm. Texte präsentieren Christine Wismüller, Robert Sand, Sabrina Müller und Monika Schüßler.

Teil der „normalen“ Welt sein

Um verstehen zu können, aus welchen Motivationen heraus diese Kunstwerke geschaffen wurden, muss man begreifen, dass die Künstler aus Situationen heraus – wie eben bei einer Gratwanderung – ihren Emotionen freien Lauf lassen. Dem, was sie gerade fühlen, leben, denken und durchleben, geben sie in ihren Werken Ausdruck. Vielen, hoffentlich allen Künstlern, hilft dieses Schaffen, mit ihren Gefühlen leben zu können und ein Teil der „normalen“ Welt zu sein – wobei sich die Frage stellt, was „normal“ ist. Die Ausstellung im Foyer des ACC ist noch bis zum 17. Februar 2019 zu sehen.

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