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Region Amberg
Sonntag, 25. Februar 2018 1

Geschichte

Lang vor dem Stahlross kam das Dampfross

Der Heimatkalender Schmidmühlen erinnert unter anderem an die Bahngeschichte in der Marktgemeinde. Wo der Radweg verläuft, schnaubten einst die Loks.
Von Josef Popp

An längst vergangene Eisenbahn-Begebenheiten in Schmidmühlen erinnert der Heimatkalender. Repro: ajp

Schmidmühlen.Mit der Inbetriebnahme der früheren Eisenbahnstrecke von Amberg nach Schmidmühlen begann ein wichtiges Kapitel in der Ortsgeschichte. Ausschlaggebend für den Bau der Bahnlinie von Amberg nach Schmidmühlen waren natürlich in erster Linie wirtschaftliche Interessen. Vor allem die zunehmende Rohstoffversorgung für die Betriebe war wichtig; sie gestaltete sich aber wegen des damals unzulänglichen Straßensystems als oft sehr schwierig.

In der Eisenbahn sah man seinerzeit allgemein eine gute Möglichkeit, diese Probleme zu lösen. Ab dem Jahre 1819 bereits wurden in Bayern die ersten Pläne zum Neubau von Eisenbahnen geschmiedet. Einer der Pläne war eine Strecke von Nürnberg über Altdorf, dann durch das Lauterachtal bis nach Schmidmühlen und weiter über Kallmünz nach Regensburg und schließlich hin nach München. Doch dieser Plan fand keine Realisierung.

1898 wurde die Bahnlinie von Amberg hinauf nach Schnaittenbach eröffnet, 1903 dann die Bahnlinie bis nach Lauterhofen. Die bahnlosen Gemeinden blickten jetzt neidisch auf die „boomenden“ Nachbarn, die gute Geschäfte machten. Bereits ab 1898 machte sich der Landtagsabgeordnete Franz Xaver Lerno aus Amberg für die Vilstal-Strecke stark. Und endlich hatten die vielen Bemühungen Erfolg.

Der Bau der Bahnlinie von Am berg nach Schmidmühlen in zwei Abschnitten wurde im Oktober 1908 allmählich Realität. Am 1. März 1910 war die Teilstrecke bis Ensdorf fertig gestellt. Am 18. Dezember 1910 wurden die jahrzehntelangen Bemühungen belohnt, und es wurde nun die komplette Vilstal-Linie eröffnet. Die Länge der Vilstal-Linie betrug insgesamt 23,7 Kilometer. Die Gesamtkosten für den Streckenbau beliefen sich auf 1 457 000 Goldmark, die auf verschiedene Schultern verteilt wurden.

Zunächst war der Personenverkehr hier nur in der 3. Klasse möglich. Eine Fahrt kostete dabei 90 Pfennige. Zum Vergleich: Eine Maß Bier kostete da 20 Pfennige, und ein Handwerker verdiente pro Stunde etwa 50 Pfennige.

Schon bald nach dem Kriegsende von 1945 fand die Eisenbahngeschichte im Vilstal ihre Fortsetzung. Der Bahnhof Schmidmühlen wurde auch für die US Army interessant – er wurde zu einem Versorgungs- und Umschlagpunkt für Treibstoff, Rüstungs- und Versorgungsgüter aller Art, und sogar mit einem eigenen Ladegleis.

Ab dem Jahr 1956/57 fuhren dann hier alle Züge mit „2. Klasse“. Steigender Wohlstand, immer stärkerer Individualverkehr, sinkende Renditen der Bahn durch flexiblere Lkw-Transporte sowie die Konkurrenz auch durch Bahn- und Postbus ließen die Bahnära im Vilstal langsam zu Ende gehen.

Am 1. Juli 1966 wurde der Personenverkehr auf der Vilstal-Strecke eingestellt. 1988 kam das Aus für den Zugverkehr auf der Vilstal-Linie. Die Eisenbahn im Vilstal wurde somit zur Geschichte, die aber unvergessen ist.

Heute führt ein wunderbarer Radweg – auf dem ehemaligen Gleisbett – von Amberg bis nach Schmidmühlen. Das Stahlross löste also das „Dampfross“ ab. In Schmidmühlen selbst existieren heute noch zwei Gebäude aus der Eisenbahnzeit: der alte Bahnhof, und dann der Lokschuppen.

Ende der 80er-Jahre wurde der alte, schon vom Verfall bedrohte Bahnhof von der Gemeinde dem Schützenverein überlassen, der das Gebäude liebevoll restaurierte und in ein schmuckes Schützenheim umbaute. Noch heute kann man über einer ehemaligen – jetzt fiktiven – Tür lesen: „Fahrkartenausgabe und Warteraum“.

Gut zu wissen

Der Heimatkalender 2014 (Format DIN A4) kann noch bei der Gemeindeverwaltung und in der Apotheke Alte Post erworben werden. Wie im vergangenen Jahr beträgt der Verkaufspreis sechs Euro. Die Auflage ist wie im vergangenen Jahr limitiert. Die Mittelbayerische Zeitung stellt zu jedem Kalenderblatt den historischen Hintergrund vor. Die Bilder stammen aus dem Archiv des Heimatkundlichen Arbeitskreises.

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