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Justiz

Laudatio auf eine Richterpersönlichkeit

Er geht mit vielen Vorschusslorbeeren nach Schwandorf: Ewald Ebensperger wurde am Freitag offiziell zum neuen Amtsgerichtsdirektor ernannt.
Von Reinhold Willfurth

Landgerichtspräsident Dr. Wolfgang Schmalzbauer (links) übergab die Ernennungsurkunde an Ewald Ebensperger (Zweiter von rechts). Mit dabei waren auch Vizepräsidentin Roswitha Stöber, Richterin Jacqueline Sachse und der Geschäftsleiter des Amberger Landgerichts, Josef Auer.Foto: Willfurth

Schwandorf/Amberg. Landgerichtspräsident Dr. Wolfgang Schmalzbauer wäre es am liebsten gewesen, alles beim Alten zu lassen. Aber es half ja nichts: Für Gerhard Maier, bisheriger Amtsgerichtsdirektor in Schwandorf, der ans Oberlandesgericht Nürnberg gewechselt ist, musste ein Nachfolger gefunden werden. Die Wahl fiel auf Ewald Ebensperger, Vorsitzender Richter am Amberger Landgericht (die MZ berichtete). Schmalzbauer musste am Freitag also einen beliebten und fähigen Kollegen ziehen lassen.

Gleichzeitig aber übergab er „mit großer Freude“ die Ernennungsurkunde des Bayerischen Justizministers Winfried Bausback für den Chefposten in Schwandorf. Denn die vakante Stelle dort werde, so Schmalzbauer, mit einer „allseits beliebten Richterpersönlichkeit“ besetzt. So geriet die Urkundenübergabe im Präsidentenbüro zu einer einzigen Laudatio über einen Juristen, der sich laut Schmalzbauer durch breites Fachwissen, Sozialkompetenz und großes Organisationstalent auszeichnet.

Besonders die beiden letzten Fähigkeiten wird Ewald Ebensperger in seiner neuen Rolle als Behördenchef und Richter in Personalunion gut gebrauchen können. Denn künftig muss sich der versierte Jurist auch mit ungewohnten Dingen wie Bauanträgen, Gebäudesanierungskonzepten und Personalpolitik beschäftigen.

Reinarbeiten in die neue Aufgabe

Die Aufgaben eines Amtschefs sind so ziemlich das einzige, womit Ebensperger in seiner Laufbahn noch keine Erfahrungen gemacht hat. „Das wird schon eine Herausforderung“, sagt der neue Amtsgerichtsdirektor im Gespräch mit der MZ. „Da muss ich mich erst reinarbeiten.“ Dabei setzt er auf Richterin Petra Froschauer, seine Stellvertreterin, die das Amt bereits unter Gerhard Maier innehatte und die Ebensperger aus ihrer Zeit in Amberg gut kennt.

Überhaupt ist das Juristen-Pendeln zwischen Schwandorf und Amberg seit Jahren gang und gäbe: Vorgänger Maier ist zwar gebürtiger Weidener, aber naturalisierter Amberger. Jetzt bekommen es die Menschen im Schwandorfer Amtsgericht sogar mit einem geborenen Vilsstädter zu tun. Der schließt mit seiner neuen Aufgabe einen Kreis: Sein erster Posten als Richter war im Sommer 1987 das Amtsgericht Schwandorf. Der heute 60-Jährige wird seine Karriere auch dort beschließen. „Ich habe Schwandorf in guter Erinnerung, vor allem die familiäre Atmosphäre“, sagt der neue Chef.

Wie sein Vorgänger Gerhard Maier bevorzugt Ewald Ebensperger auch die leisen Töne. Für die Menschen vor Gericht, ob auf der Anklagebank oder als Kontrahenten in einem Zivilstreit, zeigt er erst einmal Verständnis, auch wenn es manchmal anstrengend werden könne. „Jeder kann mal einen Fehler machen“, ist Ebenspergers Devise.

Selbstverständlich sei auch er nicht vor Fehlern gefeit. So etwas wie Schwellenangst vor einer übermächtig erscheinenden Justiz will er gar nicht aufkommen lassen. „Es beginnt schon bei der Sprache“, sagt er. Eine einschüchternde Diktion ist seine Sache nicht. Und überhaupt habe er in seiner bisherigen Karriere bei den Justiz-Mitarbeitern kaum Ungeduld im Umgang mit den Menschen festgestellt, nimmt Ebensperger seine Kollegen in Schutz.

Fälle, die zu Herzen gehen

In Schwandorf werden eher die Fälle von mehr oder minder kleinen Sündern auf dem Schreib- oder Richtertisch des neuen Chefs liegen. Auch das wird wieder eine Umstellung sein. Denn in den vergangenen Jahren hat sich Ebensperger immer mit großen Kalibern der Rechtssprechung beschäftigt. Als Vorsitzender einer Zivilkammer musste er beispielsweise im komplexen Streit um den Zeitpunkt der Wertstellung von Girokonten in Banken der Region ein Urteil fällen. „Bei Geschäftskonten geht es da schnell um Millionenbeträge“, erläutert Ebensperger. Seit Beginn der Finanzkrise hatte er auch immer wieder mit einer besonders schwierigen Klientel zu tun: Enttäuschte Anleger wollen immer öfter ihre Berater für ihre Verluste auf dem Kapitalmarkt verantwortlich machen.

Einen Trend zu immer mehr Klagen stellt der erfahrene Richter auch beim Streit um die richtige oder falsche Behandlung durch Ärzte fest. Während es beim Zoff um Kapitalanlagen nur ums Geld geht, stünden hier die Schicksale von Menschen zur Disposition. Besonders schlimm werde es, wenn es um den Streit um Behandlungsfehler bei der Geburt eines Babys geht. „Das sind Geschichten, die einem nahegehen“, sagt Ebensperger.

Privat erholt sich der Vater von zwei erwachsenen Töchtern („beides Nicht-Juristinnen“) beim Fotografieren, Radeln und Reisen vom Stress langer Sitzungstage. Beruflich stellt er sich auf eine Pendelexistenz zwischen Wohnort und Dienstort ein – auf den Spuren vieler Kollegen auf dem „Juristenhighway“, der B 85 zwischen Amberg und Schwandorf.

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