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Bühne

Lutherix erfindet das Reinheitsgebot

Das Kirchenkabarett „Das weiß-blaue Beffchen“ brennt in Ursensollen ein Sketch-Feuerwerk rund um den Glauben ab.
Von Karin Hegen

Lutherix und Popolix widersetzen sich dem großen Papa in Rom. Foto: Karin Hegen
Lutherix und Popolix widersetzen sich dem großen Papa in Rom. Foto: Karin Hegen

Ursensollen.„Die schönste Landschaft des Glaubens steht auf dem Kopf, wenn man einen Scheißpfarrer hat.“ Das ist nur einer der wenigen, deftigen Sprüche, die es auf den Punkt bringen. „Die spinnen, die Römer“ – heißt das aktuelle Programm des Kirchenkabaretts „Das weiß-blaue Beffchen“. Mit herrlichen Sketchen durchleben die Besucher am Samstagabend im Ursensollener Kubus die Reformationszeit. Nur wenig Requisite, ein Klavier und absurde Verkleidungen benötigen die drei Theologen und ihre Kollegin, um einen Abend zu gestalten, der an Komik kaum zu überbieten ist.

„Die Angst vor den Römern ist jetzt vorbei...“ Lutherix (Irene Geiger-Schaller) und Popolix Hannes Schott) widersetzen sich, angelehnt an den beliebten Comic, dem großen Papa in Rom. Trinken Bier statt Wein, denn das hat der große Reformator vor fünfhundert Jahren erfunden und gleich mit Reinheitsgebot ans Schlosstor genagelt. Deshalb heißen sie auch heute noch Prost!-testanten. Als Pfarrer Olaf Stegmann mit dem Lied „Der Papa wird’s schon richten – das geile Stück“ auf der Bühne erscheint, dürfen alle Katholiken im Publikum schunkeln.

Texte aus dem richtigen Leben

Vieles an den Texten stammt offenbar aus dem wahren Leben. Zum Beispiel die zwei Muttchen, die ganz hinten in der Kapelle sitzen, damit die Predigt beim Ratschen nicht so stört. Oder das Gespräch im Bestattungsinstitut Trostlos, bei dem es um die kostengünstigste Beerdigung geht und schließlich die Verstorbene via Medium nach ihren Wünschen gefragt wird.

Die Musik

  • Klavier:

    Josef Höglauer unterstützt „Das weiß-blaue Beffchen“ am Klavier und hat von Klassik, über ABBA und den Beatles alles drauf.

  • Imitator:

    Den musikalischen Höhepunkt bestreitet Howard-Carpendal-Imitator Hannes Schott, denn als er bei „Tür an Tür mit Luther“ für das Publikum eine Pause lässt, rutscht beim ersten Refrain fast ein „Who the f... is Luther“ heraus.

Bei der Religionslehrerkonferenz mit Waltraud und Mariechen werden Erfahrungen ausgetauscht, dem Nachwuchs die Bibel beizubringen. Dabei kriegen sich die sympathischen Akteure selbst nicht mehr ein vor Lachen. „Warum gehen die eigentlich nicht in Ethik?“ – „Weil das nachmittags ist.“ Frei nach Loriot debattieren der schweizerische Reformator Zwingli und Luther über das Abendmahl, wobei sie Oblaten ins Wännchen tauchen und schauen, wer länger durchhält. Bei der allerersten Gemeinderatssitzung ist Luther himself anwesend und schwärmt in bestem sächsischen Dialekt von seinem Wartburg, in dem er die Bibel übersetzt hat. Angeregt durch die vielen absurden Artikel (Lutherpüppchen, -bier, -socken) gibt es auf der Bühne eine Reformationsjubiläumsverkaufsshow, bei der als Gast Fernsehkoch Jaques Rezepte für Essen und Trinken im evangelischen Tagungshaus verrät.

Mit ihrem Abschlusslied zu der Melodie von Reinhard Meys „Über den Wolken“ nehmen sie jedem Konfessionsgerangel den Sinn: „Unter den Christen müsst die Freiheit doch grenzenlos sein, es käm‘ nur auf den Glauben an, mit dem man Berge versetzen kann...“ und schicken das begeisterte Publikum mit Zugaben nach Hause.

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