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Literatur

Musik als Fluchthelfer in den Westen

„Tonspur. Wie ich die Welt von gestern verließ“ ist ein Buch von Susanne Krones. Die Autorin war einst Schülerin am Dr. Johanna-Decker-Gymnasium.
von Mariele Schön

Olaf Hintze und Susanne Krones bei der Lesung in der DJD-SchuleFoto: Schön

amberg.Wenn eine ehemalige Schülerin ihr druckfrisches Buch vorstellt, ist das spannend für die Schülerinnen und Schüler, die nach ihr die Schulbank drücken. Am Freitag drängten die Gymnasiastinnen der DJD-Schulen in den Gerhardinger Saal. Die Autorin, Susanne Krones, hatte die Hauptfigur aus ihrem Buch mitgebracht: Olaf Hintze war 1989 aus der DDR geflüchtet.

Krones lernte Hintze an der Ludwig-Maximilians-Universität in München kennen. Beide studierten dort Buchwissenschaften. Krones erzählte, zunächst habe sie seine private Geschichte der Flucht als äußerst spannend empfunden. Dann sei ihr publizistisches Interesse geweckt worden. Einmal, weil Hintzes Vorgehen beispielhaft für eine Massenbewegung stehe, aber auch, weil bei der Flucht die Literatur, die Musik für Hintze eine Rolle gespielt habe.

Die Mauer fiel vor 25 Jahren. Hintze war damals 25 Jahre alt. Er berichtete den DJD-Schülerinnen von der Grenze, von den patrouillierenden Soldaten, von den Selbstschussanlagen und den Demonstrationen. Als Freunde in Urlaub fahren wollen, entschloss er sich, mitzufahren. Tatsächlich plante er seine Flucht.

In Bulgarien, am Schwarzen Meer, angekommen, kaufte er eine westdeutsche Zeitung. Zufällig hat er dann den Bericht gelesen, dass im Grenzverlauf Ungarn/Österreich die Leute flüchteten. „Für mich war das die Signalwirkung“, so Hintze. Er berichtete, wie er sich von seinen Reisefreunden verabschiedete, über Bulgarien, Rumänien nach Ungarn kam. Er habe die Grenze erkundet. „Irgendwann kam der Tag, wo ich wusste, jetzt muss ich es unbedingt probieren.“ Der Versuch missglückte, ungarische Soldaten griffen ihn auf, ließen ihn aber als Touristen auf ungarischer Seite frei.

Dass zur selben Zeit wenige Kilometer entfernt unter dem Namen „Paneuropäisches Picknick“ an der österreichisch-ungarischen Grenze ein Grenztor symbolisch für drei Stunden geöffnet wurde, was 600 bis 700 DDR-Bürgern den Weg in den Westen ermöglichte, bekam Hintze nicht mit. Er war verzweifelt, entschloss sich aber zu einem zweiten Fluchtversuch. Der glückte dann.

Krones las diese Passage aus ihrem Buch. Die Autorin nutzt die Erzählperspektive und es wirkte so, als ob der Leser den Flüchtenden begleiten würde.

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