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Region Amberg
Donnerstag, 19. Juli 2018 26° 2

Wahlkampf

Nach der Plättenfahrt kam große Politik

SPD-Chefin Natascha Kohnen rückte die CSU-Forderung zur Asylfrage in ein anderes Licht. Die Energiewende müsse nun kommen.
Von Rolf-Dieter Reichert

Die bayerische SPD-Vorsitzende Natascha Kohnen nutzte die Plättenfahrt auf der Vils zu einem Gespräch mit Reeder Jürgen W. Ruttmann (rechts). Links Landtagskandidat Uwe Bergmann  Foto: Reichert
Die bayerische SPD-Vorsitzende Natascha Kohnen nutzte die Plättenfahrt auf der Vils zu einem Gespräch mit Reeder Jürgen W. Ruttmann (rechts). Links Landtagskandidat Uwe Bergmann Foto: Reichert

Amberg.Diesmal nutzte Natascha Kohnen einmal die Vils als Gesprächsort. Die bayerische SPD-Chefin fuhr auf zwei Plätten zusammen mit den Spitzen der bayerischen, der Oberpfälzer und der Amberger SPD und begleitet vom einzigen Hochseereeder der Oberpfalz, Jürgen W. Ruttmann, Chef der MST Mineralien Schifffahrt Spedition und Transport GmbH in Schnaittenbach, von der Drahthammerwiese zur Schiffbrücke in Amberg. Nach einer halbstündigen Flussfahrt wurden die Teilnehmer vom Publikum am Ufer der Vils erwartet.

Die aufgestellten Biertisch-Garnituren waren sehr gut besucht und die Amberger Fahrradküche sorgte für das leibliche Wohl der Gäste und Bootsbesatzungen, bevor es „zur Sache“ ging. Uwe Bergmann, SPD-Landtagskandidat und 2. Bürgermeister Schnaittenbachs, übernahm die Moderation mit den Worten „…ich bin geplättet…“ ob der großen Besucherzahl in der Schiffgasse und der „hervorragenden Organisation“ durch den SPD-Stadtverband Amberg. Natascha Kohnen unterstrich zunächst ihr Bestreben, durch diesen außergewöhnlichen Ort des Gespräches, auch Bürger, die kein Parteibuch in der Tasche haben, zu erreichen und deren Interesse zu wecken.

Reederei in Schnaittenbach

In ihrem ersten Interview mit einem Hochsee-Reeder wollte sie dann zuerst wissen, warum der gerade die Oberpfalz zum Firmensitz erkoren habe. Jürgen W. Ruttmann schilderte kurz seinen Werdegang: Geboren in Hamburg, Lehre als Kaufmann im Schifffahrtsgewerbe, dann beruflich unterwegs in fast allen Häfen der Welt. Von Amerika aus habe er dann Transport von Kaolin nach Europa vermittelt und so Kontakt zu den Amberger Kaolin Werken gefunden. Diese Zusammenarbeit sei schließlich auch der Grund für die Gründung einer eigenen Reederei samt Umzug nach Schnaittenbach gewesen. Freude bereite es ihm und seiner Frau bis heute, dort zu arbeiten, wo andere Urlaub machen. In der schönen Oberpfälzer Gegend um Schnaittenbach.

Es sind extrem harte Zeiten für die SPD. Unsere Landtagsreporterin Christine Schröpf kommentiert den Wahlkampf von Natascha Kohnen:

Kommentar

Die tapfere Frau Kohnen

Rekordtiefs in Umfragen zur Landtagswahl, kein Rückenwind aus der Bundes-SPD, Wählerverluste an die AfD – und jetzt noch die Koalitionskrise in Berlin,...

Natascha Kohnen berichtete dann vor ihrem eigenen Lebensweg. Als Tochter einer irischen Mutter sei sie in Paris und München aufgewachsen. In Paris habe sie dann auch Vergleiche ziehen können, wie rückständig Bayern zur damaligen Zeit in Sachen Kinderbetreuung und Erziehung gewesen sei. Was in Paris schon seit Jahrzehnten Alltag gewesen sei, daran sei in Neubiberg, ihren langjährigen Wohnort, nicht einmal zu denken gewesen. Vielmehr habe hier noch der Grundsatz gegolten: „Das brauchen wir nicht, die Frau gehört an den Herd.“ Diese Erfahrung habe sie dazu bewogen, sich politisch zu engagieren.

Lesen Sie mehr: Bayerns SPD-Chefin wird mit 94,8-Prozent Votum und Kraftmüsli für Landtagswahl gestärkt. Aktuell steckt SPD im Umfrage-Keller.

Und dann kam Wackersdorf. Der Protest am Bauzaun und die Reaktionen der bayerischen Staatsmacht gegen ihre Bürger agierte, hätten sie in die SPD gebracht. Auch Ruttmann bekannte, damals mit seinem Sohn vor Ort gewesen und „eingenebelt worden“ zu sein.

Die bayerische SPD-Chefin Natascha Kohnen.  Foto: Reichert
Die bayerische SPD-Chefin Natascha Kohnen. Foto: Reichert

Die Tagespolitik sollte dann auch nicht zu kurz kommen. Von Kohnen zur Asyldebatte befragt, meinte Ruttmann: „Nehmen Sie mal als Beispiel: Ich als Chef erteile einem leitenden Angestellten einen Auftrag und der weigert sich, diesen auszuführen.“ Für ihn sei das „interne Meuterei“. Dennoch: In manchen Punkten könne er Horst Seehofer und Markus Söder verstehen. Angela Merkel habe zwar 2015 mit der Öffnung der Grenzen einen mutigen humanitären Schritt getan, habe aber die Lage in Afrika falsch eingeschätzt. Die Bundeskanzlerin hätte vorher mit den Mitgliedern der EU reden müssen.

„Aktuelles Recht umsetzen“

Kohnen gab Ruttmann in einigen Punkten Recht, fügte aber auch an, dass es die SPD sei, die seit Jahren ein Einwanderungsgesetz fordere. Damit werde ein geregelter Zuzug von Migranten erst möglich. Zum aktuellen Streit in der Union sagte sie: „Es wird von der CSU der Eindruck erweckt, als stünden im Moment zehntausende von Flüchtlingen an den Grenzen bereit, um Bayern zu überrennen.“ Das, was Seehofer und Söder jetzt verlangen, gebe es schon lange im deutschen Rechtssystem. Man müsste es nur konsequent anwenden. Dem stimmte unter dem Beifall der Zuhörer am Ufer auch Jürgen Ruttmann zu.

Lesen Sie hier mehr zum Lebensweg von Natascha Kohnen:

SPD-Spitzenkandidatin Natascha Kohnen

  • Lebensweg:

    1967 in München geboren wuchs Natascha Kohnen in der Maxvorstand, in Regensburg und Paris auf. Heute lebt sie in Neubiberg. Die zweifache Mutter hat sich 1996 als Lektorin selbstständig gemacht.

  • Politik:

    2002 wurde Kohnen in den Gemeinderat von Neubiberg gewählt, 2008 in den Landtag. Ab 2009 war sie Generalsekretärin der BayernSPD, seit 2015 gehört sie dem Bundesvorstand der Partei an. Im Mai 2017 wurde Kohnen zur Landesvorsitzenden der SPD gewählt, im Dezember dann zur stellvertretenden SPD-Bundesvorsitzenden. Sie ist Spitzenkandidatin ihrer Partei für die anstehende Landtagswahl.

Das Thema Energiewende kam ebenfalls zur Sprache. Die Wende müsse endlich kommen, forderte Natascha Kohnen. Der Klimawandel sei nicht mehr zu stoppen. Wenn sich Millionen Menschen aus den von Überflutungen bedrohten Gebieten auf den Weg in eine vermeintlich sichere Zukunft machten, dann werde es wirklich ernst. Hier sprach Ruttmann an, was auch viele der Zuhörer für wichtig hielten: Der Protest gegen jedes Projekt sollte nüchterner Überlegung Platz machen. Beispiel Erd-Verkabelung: Das sei machbar und es sollte umgesetzt werden.

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