mz_logo

Region Amberg
Montag, 23. Juli 2018 27° 2

Verkehr

Neue Ansätze in der Mobilität finden

Das IHK-Gremium diskutierte Verkehrskonzepte für die Zukunft. Beleuchtet wurde auch die Attraktivität der Stadt Amberg.

Der öffentliche Personennahverkehr wird als Rückgrat eines zukunftsfähigen Mobilitätskonzeptes gesehen. Foto: Archiv/aon
Der öffentliche Personennahverkehr wird als Rückgrat eines zukunftsfähigen Mobilitätskonzeptes gesehen. Foto: Archiv/aon

Amberg.Wie lässt sich der steigende Personen- und Güterverkehr in der Region zukünftig effizienter bewältigen? Mit dieser Frage beschäftigte sich das IHK-Gremium bei der Frühjahrssitzung in der Deprag Schulz GmbH & Co. in Amberg. Dabei waren sich Wirtschaft und Oberbürgermeister Michael Cerny einig, dass die Antwort auf die weiter wachsenden Verkehrsströme nicht allein darin liegen könne, die Verkehrswege weiter auszubauen. „Wir brauchen auch neue, intelligente und effiziente Lösungen“, so Gremiumsvorsitzender Dr. Rolf Pfeiffer, der sich hier auch durch die Digitalisierung Verbesserungen erwartet.

Wie ein zukunftsfähiges Mobilitätskonzept entwickelt werden kann, zeigte IHK-Verkehrsexperte Manuel Lorenz am Beispiel des Landkreises Kelheim auf. „Der öffentliche Personennahverkehr bildet dabei das Rückgrat.“ Lorenz plädierte dafür, den ÖPNV leistungsfähiger zu machen, gerade auch in ländlichen Regionen. Kostengünstige Möglichkeiten sah er unter anderem in Rufbussen oder Anrufsammeltaxis. Inzwischen gebe es auch Überlegungen, in den ÖPNV-Bussen auch Waren zu transportieren, sagte er. Wichtig sei, die ganze Region für das Thema Verkehr zu sensibilisieren und Mitstreiter für zukunftsfähige Lösungen zu gewinnen.

Leistungsfähiges Angebot vorhanden

Zukunftsfragen der Mobilität und das Image des Wirtschaftsstandorts Amberg waren Schwerpunktthemen der Sitzung des IHK Gremiums Amberg-Sulzbach in der Firma Deprag. Gremiumsvorsitzender Dr. Rolf Pfeiffer (2. v.l.) mit Oberbürgermeister Michael Cerny sowie Vorstandsmitgliedern des Gremiums, den Referenten, Deprag Gesellschafterin Ingrid Schulz-Hallmann (Mitte) und Geschäftsführer Dr. Erik Hallmann (links). Foto: Seebauer
Zukunftsfragen der Mobilität und das Image des Wirtschaftsstandorts Amberg waren Schwerpunktthemen der Sitzung des IHK Gremiums Amberg-Sulzbach in der Firma Deprag. Gremiumsvorsitzender Dr. Rolf Pfeiffer (2. v.l.) mit Oberbürgermeister Michael Cerny sowie Vorstandsmitgliedern des Gremiums, den Referenten, Deprag Gesellschafterin Ingrid Schulz-Hallmann (Mitte) und Geschäftsführer Dr. Erik Hallmann (links). Foto: Seebauer

Für Hans-Jürgen Haas, Geschäftsführer des Zweckverbandes Nahverkehr Amberg-Sulzbach, ist der Raum Amberg im öffentlichen Nahverkehr „gut unterwegs“. „Neben Regensburg haben wir das beste und leistungsfähigste Angebot in der Oberpfalz“, so Haas. Stolz berichtete er, dass der Landkreis Amberg-Sulzbach Pilotregion für WLAN in öffentlichen Bussen sei.

Eine klare Absage erteilte Haas politischen Forderungen nach einer kostenlosen Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs. „Es wäre sowohl finanziell, aber auch gerade zu Stoßzeiten aus Kapazitätsgründen nicht darstellbar.“

Trotz der aus seiner Sicht unzureichenden finanziellen Unterstützung durch Bund und Land habe man dank der Finanzierung durch Stadt und Landkreis weitere Verbesserungen realisieren können. Neben der Verdichtung der Fahrzeiten verwies Haas auf neue Angebote wie die ZNAS-Mobi-App,die Einblick in den Fahrplan und Fahrzeiten in Echtzeit bietet, das Jobticket und zusätzliche Wochenend- und Freizeitfahrten.

Bahnhofsbereich neu gestalten

Bei der Anbindung der Industriegebiete werde das Angebot „mit tatkräftiger Unterstützung der IHK“ immer weiter verbessert. So werde beispielsweise ab September 2018 das Industriegebiet Schafhof mit einer neuen Linie nach Amberg angebunden.

Die Pläne für den barrierefreien Ausbau und die Neugestaltung des Bahnhofes stellte OB Cerny vor. „Mit Aufnahme in das Bayerische Aktionsprogramm für barrierefreie Stationsinfrastruktur wird unser Bahnhof als einer von bayernweit zwölf bis zum Jahr 2021 baureif gemacht. Der eigentliche Umbau wird dann voraussichtlich bis zum Jahr 2025 erfolgen“, erläuterte er.

Mit der Neugestaltung solle besonders die Anbindung zur Altstadt großzügiger und freundlicher ausfallen. Auch ein zentraler Bahnhofsplatz sei vorgesehen. Mit einer Untertunnelung wolle man eine bessere Anbindung Richtung Klinikum und Dienstleistungszentrum Marienstraße erreichen.

Diskrepanzen in der Einschätzung

Professor Dr. Joachim Vossen sprach über das Image der Stadt Amberg. Foto: Archiv/age
Professor Dr. Joachim Vossen sprach über das Image der Stadt Amberg. Foto: Archiv/age

Professor Dr. Joachim Vossen vom Institut für Stadt- und Regionalmanagement in München stellte die Ergebnisse einer Imageanalyse für die Stadt vor, die im Rahmen des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzepts erstellt wurde. Amberger wurden dazu für die Eigenanalyse befragt, Bewohner von Nürnberg, Regensburg, Neumarkt, Weiden und Schwandorf für die Fremdanalyse. Überraschend für Vossen waren dabei deutliche Diskrepanzen. „Als Einkaufsstadt wird Amberg von Auswärtigen positiver gesehen, als von den eigenen Bürgern.“ So sei für 53 Prozent der Auswärtigen Amberg eine attraktive Einkaufsstadt, bei den Ambergern sehen das nur 27 Prozent so. Vossen meinte, die Amberger würden das Angebot vor Ort weniger positiv bewerten, als es in Wirklichkeit ist.

Hervorragende Situation

Defizite zeigten sich auch bei der Frage zum Hochschulstandort. So bezeichneten 64 Prozent der Amberger ihre Stadt als wichtigen Hochschulstandort, aber nur 37 Prozent der Außenstehenden. „Hier ist noch viel Potenzial für Marketing, denn die OTH ist in Forschung und Lehre hervorragend aufgestellt und ein wertvoller Partner für die Unternehmen.“

Aus seiner Sicht widerspreche auch das Eigenimage zum Industriestandort der tatsächlichen Situation. So bewerteten nur 37 Prozent der Amberger ihre Stadt als dynamischen Industriestandort. „Dabei hat Amberg mit 212 Industriebeschäftigten pro 1000 Einwohner die höchste Industriedichte in der ganzen Oberpfalz und mit einer Exportquote von rund 80 Prozent sind die Unternehmen mit ihren Produkten weltweit erfolgreich“, betonte Vossen.

Die Stärken besser vermarkten

Er sah besonders in wichtigen Technologiefeldern wie Automation, Maschinen- und Anlagenbau, Steuerungstechnik und digitale Produktion eine herausragende Stellung der regionalen Industrieunternehmen. Vossen empfahl deshalb, diese Stärken deutlich besser als bisher zu kommunizieren. „Der Wettbewerb wandelt sich von einem Standortwettbewerb zu einem Kommunikationswettbewerb.“

In der Diskussion bestand Einigkeit, dass die hohe Innovationskraft und die Erfolge der Amberger Unternehmen auf dem Weltmarkt zukünftig deutlich besser vermarktet werden müssen. Die IHK werde das aufgreifen, so Vorsitzender Pfeiffer. Gremiumsgeschäftsführer Johann Schmalzl sah auch die Unternehmer gefordert. „Sie dürfen Ihre Stärken selbstbewusst und erfolgreich vermarkten. Ihr Unternehmen und die gesamte Region werden davon profitieren, unter anderem, wenn es um die Gewinnung von Fachkräften geht“, so Schmalzl.

Weitere Themen

  • Jubiläum

    Das 175-jährige Bestehen feiert die IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim in diesem Jahr. Dazu wird es am 25. Oktober auch im Amberger Rathaus eine kleine Feier geben.

  • IHK-Wahlen

    Wie IHK Geschäftsführer Johann Schmalzl zu den anstehenden Wahlen sagte, gebe es große Bereitschaft bei Unternehmern und Führungskräften, sich in den IHK-Gremien zu engagieren.

Mehr aus Amberg und Umgebung finden Sie hier!

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht