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Konferenz

Orte wollen jugendfreundlicher werden

Politiker und Experten aus der Oberpfalz zeigten auf, warum eine erfolgreiche Jugendpolitik die Zukunft vor Ort sichert.

Zahlreiche Kommunalpolitiker und Verantwortliche aus der Jugendarbeit nutzten die Möglichkeit zum gegenseitigen Austausch.  Foto: Philipp Seitz
Zahlreiche Kommunalpolitiker und Verantwortliche aus der Jugendarbeit nutzten die Möglichkeit zum gegenseitigen Austausch. Foto: Philipp Seitz

Amberg-Sulzbach.Die Kommunen hätten es in der Hand, dafür zu sorgen, dass Jugendliche vor Ort ein attraktives Lebensumfeld vorfinden. Aus diesem Grund trafen sich zahlreiche Bürgermeister und Kommunalpolitiker aus der gesamten Oberpfalz bei der zweiten Bezirkskonferenz „Kommunale Jugendpolitik“ im Landratsamt Amberg-Sulzbach.

Das Austauschforum widmete sich heuer den Lebensräumen junger Menschen in den Oberpfälzer Gemeinden.. Es braucht eine Kommunalpolitik, die nicht nur reagiere, sondern erfolgreich plane und für junge Menschen gestalte – das machte die Tagung deutlich.

Im Mittelpunkt standen attraktive Lebensräume für junge Menschen. Ambergs dritte Bürgermeisterin Brigitte Netta betonte, dass diese Orte bräuchten, an denen sie ungestört ihre Freizeit verbringen könnten. Für Simon Frank, Geschäftsführer des Kreisjugendrings Cham, war klar, dass es dafür verschiedene Szenarien gebe: So seien Rückzugsorte, wie Hütten oder Bauwagen am Waldrand, seit jeher beliebt.

Andere Jugendliche bevorzugten dagegen beispielsweise Parkplätze von Supermärkten, um Altersgenossen zu treffen. Wissenschaftlich belegt sei, so Professor Dr. Rainer Kilb, dass junge Leute „ihr Leben und Lebensumfeld in der Herkunftsregion an urbanen Standards messen“. Deshalb gelte es, auf die Anforderungen der jungen Menschen die passenden Antworten zu finden, um einen Wegzug zu verhindern.

Graffiti als Zeichen junger Kultur

Claudia Mai, kommunale Jugendpflegerin im Landkreis Amberg-Sulzbach, warb mit Oliver Schmidt (Neumarkt) darum, einen Perspektivwechsel vorzunehmen: „Es ist schön, wenn man einer Gemeinde ansieht, dass hier auch junge Menschen zu Hause sind.“ Eine aktive Jugendarbeit sei ein wertvoller Beitrag zu einem gelungenen Gemeindeleben. Es gebe viele einfache Möglichkeiten, um den öffentlichen Raum für die Jugend attraktiv zu gestalten: So könnten öffentlich zugängliche Spray-Flächen für Graffiti-Kunst zu geben. „Das ist ein schönes Zeichen, dass junge Kultur vor Ort zugelassen und geschätzt wird.“

Die Tagung

  • Organisation:

    Die Bezirkskonferenz organisierte der Bezirksjugendring Oberpfalz in Kooperation mit dem Bezirk, dem Bezirksverband des Bayerischen Gemeindetags, der Bezirksarbeitsgemeinschaft Oberpfalz der Kommunalen Jugendarbeit und dem Bayerischen Jugendring.

  • Online:

    Alle Vorträge der Referenten stehen unter bezirksjugendring-oberpfalz.de zum Download.

Eine Herausforderung ist die zunehmende Digitalisierung. Virtuelle Räume würden für die junge Generation immer wichtiger. In Befragungen würden Jugendliche sogar angeben, dass Smartphones nahezu Bestandteil des eigenen Körpers wären, veranschaulichte Professor Kilb. Die virtuelle Präsenz junger Menschen liege pro Woche im Schnitt bei fast 30 Stunden. Hier sieht Bezirksjugendring-Vorsitzender Philipp Seitz noch Handlungsbedarf. Es gelte, auch in den Kommunen die Augen vor der zunehmenden Digitalisierung nicht zu verschließen. In den nordischen Ländern sei es in vielen Bibliotheken längst Standard, dass neben Büchern auch Gaming-Stationen und Innovationslabs, die spielerisch an das Programmieren heranführen, bereitgestellt würden.

Für Seitz ist die Jugendzeit ein Lebensalter, in dem Weichen für die Zukunft gestellt werden. Gerade in den Kommunen seien die Auswirkungen politischer Beschlüsse für junge Menschen unmittelbar erlebbar. Zukunftskommunen seien deshalb Orte, die Chancen und Teilhabemöglichkeiten böten. Dies bekräftigte auch Bezirkskulturreferent Richard Gaßner. Er warb darum, die Jugend vor Ort noch stärker in den Mittelpunkt zu rücken. Es gelte, Jugendparlamente oder Jugendforen zu schaffen und vor allem auch für nicht-vereinsgebundene junge Menschen ein Podium zu schaffen. „Wir verlieren junge Menschen oft an die Städte. Dem müssen wir entgegenwirken“, betonte Gaßner.

Mit gutem Beispiel voran

Auch über einen hauptberuflichen Gemeindejugendpfleger solle nachgedacht werden. Hier könnten sich auch mehrere Gemeinden zusammenschließen, wie dies etwa in Kümmersbruck, Rieden und Ensdorf der Fall sei. Gelungene Beispiele in der Oberpfalz gibt es vielerorts. In Fuchsmühl (Lkr. Tirschenreuth) etablierte Bürgermeister Wolfgang Braun eine Zukunftswerkstatt. Daran hätten sich knapp 40 Prozent aller Jugendlichen zwischen elf und 18 Jahren beteiligt. Sie gaben an, wie ihr ideales Freizeitumfeld vor Ort aussehen würde. Die Ideen werden nach und nach umgesetzt.

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