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Region Amberg
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Fasching

Per WhatsApp geht’s zum Hexentreiben

Zum 50. Mal waren „Oberhexe“ Martina Vierl und ihre vielen „Flugbegleiter“ wieder im Markt Schmidmühlen unterwegs.
Von Paul Böhm

  • Wenn die Hexen durch den Markt ziehen, dann sind sie immer auf der Vorfahrtsstraße – und mittendrin ihr Musikant Florian Gröninger, der schon seit fast zehn Jahren die Hexenschlager spielt. Foto: Böhm
  • Natürlich gehörte ein Stopp in der Raiffeisenbank dazu. Foto: Böhm
  • Und mittendrin beim Hexentreiben war auch die Schmidmühlener Faschingsprinzessin Lisa I. auszumachen. Foto: Böhm

Schmidmühlen.Das war wieder eine tolle Sache! Zum 50. Mal waren am g’schmalzenen Freitag die Schmidmühlener Hexen unterwegs. Eine satzungsgemäße Einladung braucht man dazu nicht extra, erzählt Oberhexe Martina Vierl, denn die Hexenschar nutzt schon seit ein paar Jahren moderne Kommunikationstechniken. „Da wird nur noch gesimst oder ein WhatsApp abgesetzt.“ Eine eigene Hexen-App hat man sich nach dem Ausbau des schnellen Internets im Ort übrigens auch schon überlegt.

Dieser Rundruf reicht aus, um alle zusammenzutrommeln. Traditionell „alt“ geblieben ist nur noch der Besen; den braucht man ab und zu, um manch widerspenstigen Herren der Schöpfung in die Parade zu fahren. Nur ein Mann durfte heuer wieder mitgehen, und das war der Musikant Florian Gröninger aus Pirkensee.

Tanzen und lustig sein

Seit mehr als drei Jahrzehnten ist Ingrid Vierl bei den Hexen dabei und jedes Jahr backt sie mehrere hundert Kücheln; rechts neben ihr „Oberhexe“ Martina Vierl. Foto: Böhm
Seit mehr als drei Jahrzehnten ist Ingrid Vierl bei den Hexen dabei und jedes Jahr backt sie mehrere hundert Kücheln; rechts neben ihr „Oberhexe“ Martina Vierl. Foto: Böhm

Freilich: So alt wie der „große Kollege Fischzug“ ist das Hexentreiben nicht, „aber genauso schön“, so Martina Vierl. „Mit dem Unterschied, dass man bei uns immer reden, tanzen und lustig sein kann, während dies alles beim Fischzug mit fünf Euro Strafe belegt wird.“

Am Freitag um „Oans“ haben sie sich beim „Zöllist“ in der Langbruck, so der frühere Name der unteren Hauptstraße, zu einem Zeremoniell getroffen, wie es schon seit 1969 abläuft. Dann macht man sich zu Fuß auf den Weg zu Bürgermeister Peter Braun, um sich fürstlich bedienen zu lassen. In früheren Jahren sind die närrischen Damen freilich noch mit einem Bulldoggespann durch den Markt zu den ersten Einsatzstätten getuckert, aber das hat man aus Sicherheitsgründen wegfallen lassen.

Einen Hexenwagen bekam heuer die dienstälteste Hexe: Seit mehr als 30 Jahren gehört Karin Braun zum Stamm der Schmidmühlener Hexen. Foto: Böhm
Einen Hexenwagen bekam heuer die dienstälteste Hexe: Seit mehr als 30 Jahren gehört Karin Braun zum Stamm der Schmidmühlener Hexen. Foto: Böhm

Dass die selbstbewussten Damen überall zuvorkommend bedient und gar hofiert werden, ist natürlich bei der geballten Hexenmacht selbstverständlich, anlegen sollte man sich mit dieser Spezies an diesem Tag nicht. „Da gelten unsere Hexengesetze“ – die kreischende Runde schwingt gleich die Besen. Etwa ein Dutzend Einkehrstationen steht wieder an, sagt Martina Vierl, die nun seit 14 Jahren das Regiment der Hexenrunde führt.

Bisher ist bis auf ein paar kleine spätabendliche Blessuren bei der „Schwarzen Nacht“ nichts passiert. „Aber das hatte meist andere Hintergründe…“, erzählt man sich. Meist sind es die Straßenlampen, die zu wenig Leuchtkraft abgeben, wissen Insider.

Impressionen vom Hexentreiben

  • Kücheln

    Seit mehr als drei Jahrzehnten ist Ingrid Vierl dabei. Stets Jahr lässt sie es sich nicht nehmen, mehrere hundert Kücheln zu backen. Die schmecken auch Oberhexe Martina Vierl, die sich seit 14 Jahren um die Organisation kümmert.

  • Hexenwagen

    Hoch auf dem Hexenwagen konnte es sich die dienstälteste Hexe bequem machen: Seit mehr als 30 Jahren gehört Karin Braun zum Stamm. Für ihre Staatskarrosse wurde einfach ein Einkaufswagen zum Hexenshuttle umfrisiert.

  • Kommunikation

    Moderne Hexen setzen auf moderne Kommunikation per SMS und vor allem WhatsApp – zu erleben war dies beim Hexenfreitag in Schmidmühlen. Was sie dabei so erheitert und mit wem sie sich ausgetauscht haben, haben sie aber nicht verraten.

  • Stationen

    Die Stationen für die Hexenschar waren unter anderem die „heiligen Hallen“ von Bürgermeister Peter Braun im Rathaus, die Raiffeisenbank, Arztpraxen, Geschäfte, die Autowaschanlage und andere Adressen gut gesonnener Menschen. (abp)

Es war ein liebevoller und netter Hexenhaufen, den man am Freitag durch Schmidmühlen ziehen sah. Zu später Stunde, wenn die Strohhexe zum Zeichen des Winteraustreibens am Hammerplatz verbrannt ist, kehrt man noch bei der „Schwarzen Nacht“ der CSU beim Ochsenwirt mit den „Staubigen“ aus Hohenburg ein.

So war es bei der Premiere 1969

Moderne Hexen setzen auf SMS und WhatsApp. Foto: Böhm
Moderne Hexen setzen auf SMS und WhatsApp. Foto: Böhm

1969 begann das Hexentreiben in Schmidmühlen – eine Idee der damaligen Faschingsprinzessin Barbara Wein und des Komiteemitglieds Brigitte Schneider. „Die Männer haben den Fischzug – und wir machen jetzt einen Umzug als Hexen“, wurde beschlossen. Darauf basiert die Schmidmühlener Hexengeschichte, die am 14. Februar 1969 ihre gelungene Generalprobe feierte. „Seitdem sind alljährlich die Schmidmühlener Hexen unterwegs“, erzählen auch die beiden „Gründungshexen“ Brigitte Schneider und Barbara Wein aus ihrer Jugendzeit.

Mit schauerlichem Geheul hätten sie damals die Hochzeitsgesellschaft Frankerl gestürmt und den armen Brautvater durch den Saal gezerrt, um ihm schließlich einen nahrhaften Orden umzuhängen. Erst die hereinbrechende Nacht soll diesen Spuk verschluckt haben. „Wir hätten es uns nicht träumen lassen, dass sich aus dieser Schnapsidee dieses schöne Brauchtum entwickelt“, sagen sie. Nur „Desert Storm“ im Jahr 1991 hatte sie zu einer Notlandung gezwungen.

Vor 60 Jahren beim ersten Hexentreiben waren Brigitte Schneider, Barbara Wein, Erna Rubenbauer, Dorothea Heinke, Waltraud Schmid, Annemarie Pöhlmann, Anni Leitz, Elfriede Speier, Anni Wein, Hannelore Jebautzke, Justine Rudolf und Anita Kricke dabei. Aus dem Dutzend Hexen von damals sind gut 50 geworden, die auch heuer wieder durch den Markt zogen.

Schon am „Unsinnigen Donnerstag“ waren die Schmidmühlener Frauen wieder als Kasperln unterwegs, auch, um Jagd auf Krawatten zu machen.

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  • MH
    Max Heimerl
    10.02.2018 08:42

    Inszenierung Pur bald ist schwarze Nacht

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