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Vortrag

Pioniergeist und Anspruchslosigkeit

Das erste Salesianer-Noviziat Deutschlands entstand in Ensdorf. Vor 100 Jahren hat die Ordensgemeinschaft das Kloster bezogen.
Von Hubert Söllner

  • Die Novizen der Salesianer im Kloster Ensdorf musizierten auch in der Gruppe. Foto: Archiv Kloster Ensdorf
  • Johannes Weiß hielt den Vortrag „100 Jahre Salesianer im Kloster Ensdorf“. Foto: Hubert Söllner
  • Auch das Ballspiel der Novizen gehörte in Ensdorf wie die Arbeit zum Klosterleben. Foto: Archiv Kloster Ensdorf
  • Der Noviziatsjahrgang 1930 – 1931 Foto: Archiv Kloster Ensdorf

Ensdorf.„100 Jahre Salesianer Don Boscos in Ensdorf“ war der Vortrag von Johann Weiß überschrieben. Im Rahmen der Senioren-Aktiv-Wochen sprach er dazu in der Kreuzgang-Cafeteria des Klosters.

Nach der Säkularisation im Jahr 1802 sei das Kloster 118 Jahre in Vergessenheit geraten, bis am 23. August 1920 mit einer Gruppe von Salesianern neues Leben in die zum Großteil leerstehenden Klosterräume einzog. Zweckentfremdet, verwahrlost und heruntergekommen seien die Bauten gewesen, so Johann Weiß. Zudem seien die Besitzverhältnisse äußerst schwierig gewesen. Weil der damalige Bischof von Regensburg, Dr. Antonius von Henle, der nach dem 1. Weltkrieg in Ensdorf wieder Exerzitien abhalten wollte, sich jedoch für die großen, dunklen Klosterräume nicht begeistern konnte, schaltete sich Geistlicher Rat Johann Baptist Schmidt ein, Pfarrer von Ensdorf. Da der Benediktinerorden wenig Interesse zeigte, nahm Pfarrer Schmidt Verbindung mit dem Provinzial der Salesianer auf, Pater Dr. August Hlond. „Der Konvent ist für uns geeignet“, war die Meldung nach einer Besichtigung. So sei Ensdorf zum ersten Salesianer-Noviziat Deutschlands geworden.

Am Abend des 18. Dezember 1920 seien 34 meist jüngere Männer, elf von ihnen in Talaren, per Bahn angekommen. Sie schleppten ihre Habseligkeiten in Handkoffern mit sich. Bereits am 23. August war der als Direktor vorgesehene Pater Dr. Johannes Leckermann gekommen. Mit der Ankunft der 34 Salesianer war klar, dass die Zeit der Planung zu Ende war und man zur Verwirklichung überging. „Man konnte hoffen“, betonte Weiß, „dass vom Kloster nun auch für das Dorf wieder neue Impulse ausgingen.“ Viel Einsatz zeigte Geistlicher Rat Schmidt. Die Bevölkerung und besonders die Salesianer selbst legten in den Anfangsjahren Hand an.

Pioniergeist und Anspruchslosigkeit prägten im ersten Jahr das Leben der Salesianer und der Novizen. Zugleich stellten sich die Neuankömmlinge der Öffentlichkeit mit der 800-Jahr-Feier der Gründung des Benediktinerklosters im Mai 1921 und den alljährlich im Klosterhof stattfindenden Freilichtspielen vor. Der Ankauf von Grundstücken bis 1923 deutete auf einen weiteren Anstieg des Klosters hin. Die Räume des Klosters hielten dem starken Andrang der Novizen nicht stand, Platz musste geschaffen werden. Ein neues Schulhaus wurde gebaut im Tausch gegen den Westflügel. Werkstätten wie Schneiderei, Schreinerei und Schuhmacherei, Druckerei, Schmiede, Gemüsegärtnerei, Bäckerei und Blumengärtnerei wurden errichtet, um Laienbrüder in verschiedenen Berufszweigen heranzubilden. Weiß erinnerte auch an die „Ensdorfer Klosterglocken“, ein Heft mit Geschichten aus dem Leben Don Boscos, und einer Spendertafel „mit Namen von Leuten, die dem Kloster etwas zukommen ließen.“ Die Klosterglocken mussten Ende 1939 „auf höhere Weisung“ ihr Erscheinen einstellen, Anfang 1940 suchte ein verheerender Brand das Kloster heim.

Den Vortrag von Johannes Weiß ergänzte der 92-jährige Pater Martin Haunolder SDB aus seinen Nachforschungen mit zum Teil detaillierten Zitaten aus Urkunden und Akten.

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