MyMz
Anzeige

Schweppermannspiele

Premiere begeistert und rührt an

Mehr als 150 Mitwirkende machen mit ihrem glänzenden Spiel die Zeit von König Ludwig und Feldhauptmann Schweppermann in Kastl wieder lebendig.
Von Michaela Fichtner

  • Feldhauptmann Seyfried Schweppermann steht treu zu seinem König Ludwig. Foto: Fichtner
  • Das fröhliche Spiel der Kinder bezaubert. Foto: Fichtner
  • Frau Kathrein Schweppermann (Elisabeth Weigl, rechts) und ihre Tochter Anna (Friederike Fromm, links) beim Tanz Foto: Fichtner
  • Der Schalksnarr (Harald Meier) springt voran. Foto: Fichtner
  • Trautwein Aystett (Johannes Kölbl) hadert mit dem Klosterleben. Viel lieber würde er mit dem Feldhauptmann Schweppermann reiten. Foto: Fichtner
  • Die Söhne Schweppermanns üben sich ungestüm im Schwertkampf. Foto: Fichtner
  • Die Zwietracht ergötzt sich am Leid in der entscheidenden Schlacht. Foto: Fichtner
  • Abt Hermann (Stefan Braun) Foto: Fichtner

Kastl. Den Menschenschlag im Nordgau beschreibt der Feldhauptmann Seyfried Schweppermann im großen Kastler Historienspiel so: „… wie unsres Nordgaus herber Boden.“ Er mag vielleicht etwas rauer sein, der Oberpfälzer, aber er ist vor allem leidenschaftlich, herzlich, begeisternd – die mehr als 150 Mitwirkenden der Schweppermannspiele und die unzähligen Zuschauer bei der Premiere am Freitagabend zeigten es deutlich.

Denn: Durch unbändige Leidenschaft und mitreißende Freude ließen die Akteure im historischen Klosterhof, vor der stimmungsvollen Apsis der großen Kirche St. Peter, die für Kastl (Landkreis Amberg-Sulzbach) und den ganzen Nordgau so schicksalhaften Ereignisse des frühen 14. Jahrhunderts lebendig werden. Das Publikum sparte wahrlich nicht mit Applaus bei vielen Szenen und besonders am Ende des rund zweistündigen Spiels, fieberte mit, lachte mit – und sorgte so mit diesen begeisternd agierenden Akteuren für eine glanzvolle Premiere, von der man sicher noch lang sprechen, nein: schwärmen wird.

Erstes Spiel vor 60 Jahren

Es ist eine besondere Spielzeit, diese neunte: Genau vor 60 Jahren, am 12. Juli 1953, wurden in Kastl erstmals die Schweppermannspiele aufgeführt. Vieles hat sich seither verändert, ist gewachsen. Nicht nur, aber vor allem auch im Stück selbst. Mit die bedeutendsten Neuerungen, speziell in den zusätzlichen Szenen und Figuren, hat Regisseur Michael Ritz vor fünf Jahren angestoßen.

Und auch 2013 ist es ihm erneut gelungen, jene schon hochgelobten Festspiele mit weiteren Akzenten – seien es nun die Tänze oder viele kleinere sprechende Rollen – erneut zu bereichern und das Leben vor 700 Jahren in all seinen Facetten nochmals deutlicher fühl- und sichtbar, noch farbiger zu zeigen.

Personen werden erlebbar

Vieles hat sich verändert – eines aber ist doch gleich geblieben über all diese 60 Jahre: die Verbundenheit der Kastler mit ihren traditionsreichen Schweppermannspielen, die Begeisterung und eben die Leidenschaft. Sie haben sie schon unter Beweis gestellt, in den vielen Monaten der unzähligen Proben, die ihnen wegen des kalten, regnerischen Frühjahrs noch mehr abverlangt haben.

Sie, die Kastler, haben dies vor allem aber auch am Freitagabend bei der Premiere – in einer endlich lauen Sommernacht – unter Beweis gestellt, und sie haben mit dieser gelebten, ehrlichen Begeisterung einfach tief berührt. Alle der über 150 Mitwirkenden, von den lachenden Marktkindern und den echt tapferen Kindersoldaten über die eleganten Edeldamen und die würdevollen Mönche bis hin zu den Schweppermannsöhnen, zu Anna, zu König Ludwig und seinem Feldhauptmann Schweppermann.

Sie alle nahmen die Zuschauer mit sich hinein, mitten in das Leben in Kastl in den Jahren 1319 bis 1323: In jene Zeit, in der in Kastl König Ludwigs Töchterchen Anna stirbt, in der die Entscheidung um die Königswürde fällt, in der die große Glocke der Klosterkirche, die „Stürmerin“, gestiftet wird, in der König Ludwig Kastl das Marktrecht verleiht.

Und allen ist es da zweifellos gelungen, was schon immer das große Anliegen von Regisseur Michael Ritz war: Sie haben ihre Figuren nicht nur gespielt, sondern haben sie gelebt. Gar mancher auf der großen Tribüne hat zum Beispiel geschmunzelt, wenn Frau Kathrein (Elisabeth Weigl) ihrem Gatten Seyfried Schweppermann (Josef Weiß) unverblümt ihre Meinung gesagt hat – wie ein echtes Ehepaar eben. Und gar mancher hat auch geseufzt, wenn die Liebenden Anna (Friederike Fromm) und Trautwein (Johannes Kölbl) voneinander Abschied nehmen mussten. Sie haben den Atem angehalten, als die Schweppermannsöhne ungestüm gefochten haben, sie haben leise geschaudert beim Tanz der Dämonen und der Schilderung der Schlacht durch die allegorischen Figuren, und sie haben, im Herzen angerührt, gelächelt, als die Kindersoldaten und die Hennen ihr kleines Spiel zeigten.

Figuren glänzend besetzt

Glänzend besetzt waren heuer wieder alle Figuren, und vor allem auch die vielen „Neuen“ in Hauptrollen begeisterten und begeistern – völlig uneingeschränkt. Nicht minder gilt dies für die vielen Kastler aller Altersgruppen, die als Klosterschüler, Kindersoldaten und Hennen, als Mönche und auch als einfaches Volk mitwirkten. Die über die Sprüche des Schalksnarren lachten, ehrfürchtig Gebete murmelten, über die Last der Abgaben schimpften, dem König und seinem Feldhauptmann zujubelten – und besonders die vielen, so frisch und natürlich auftretenden Kinder (der Jüngste, Konrad, übrigens erst knapp vier Monate alt). Sie alle erst machten das Leben im alten Kastl des 14. Jahrhunderts spürbar, machten das Spiel bunt und stimmig.

Also, halten wir es mit König Ludwig: „So kann man doch vergnügte Einkehr halten“, freut er sich im Spiel beim Einzug in Kastl. Und Seyfried Schweppermann antwortet ihm: „Hier könnt Ihr ohne Sorge sein. Hier seid Ihr bei den Euren!“ Ein wahres, ein treffliches Wort für diese Schweppermannspiele 2013.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht