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Region Amberg
Dienstag, 25. September 2018 12° 1

Entwicklung

Ringen um lebendige Altstadt

Über die Pläne für das Forum und das Bürgerspitalgelände in Amberg informierten sich Vertreter vom Denkmalnetz Bayern.
Von Christian Danzer

Achim Hüttner von der Interessengemeinschaft Menschengerechte Stadt (links) mit Sulzbach-Rosenbergs Stadtheimatpfleger Dr. Markus Lommer (Vierter von links), Helmut Wilhelm (Mitte, mit Stock), Meike Gerchow vom Denkmalnetz Bayern (Zweite von rechts) und Oberbürgermeister Michael Cerny beim Ortstermin am Forum Foto: Danzer
Achim Hüttner von der Interessengemeinschaft Menschengerechte Stadt (links) mit Sulzbach-Rosenbergs Stadtheimatpfleger Dr. Markus Lommer (Vierter von links), Helmut Wilhelm (Mitte, mit Stock), Meike Gerchow vom Denkmalnetz Bayern (Zweite von rechts) und Oberbürgermeister Michael Cerny beim Ortstermin am Forum Foto: Danzer

Amberg.„Zwei Seelen wohnen ach in meiner Brust“ dichtete Goethe einst und so ähnlich ergeht es wohl auch dem Amberger, wenn er an das Gelände in der Bahnhofstraße 5 beziehungsweise 10 und 12 denkt. Auf der einen Seite gibt es die Argumente derjenigen, die das Gebäude und seine mehrere hundert Jahre dauernde Geschichte erhalten wollen. Sie wurden beim Ortstermin am Freitagnachmittag durch Stadtrat Helmut Wilhelm vertreten.

Veranlasst hatte den Termin die Interessengemeinschaft Menschengerechte Stadt mit ihrem Vorsitzenden Achim Hüttner. Unterstützung erhielten er und Wilhelm von der Architektin und Sprecherin des Denkmalnetz Bayern, Meike Gerchow. Das Denkmalnetz ist ein Zusammenschluss von Bürgerinitiativen, Vereinen, Organisation und Einzelpersonen zur Förderung des Denkmalschutzes.

Auf der anderen stehen diejenigen, die den Abriss und Neubau des linken Teils des Forums und die geplanten Projekte für das Bürgerspitalgelände befürworten. Zu diesen zählt auch Oberbürgermeister Michael Cerny. Beim Ortstermin entspann sich eine engagierte Diskussion, auch unter Bürgerbeteiligung, in der beide Seiten ihre Anschauungen begründeten.

Leerstand schadet der Stadt

Das erste Thema war das Forum. Wilhelm argumentierte mit seinen rechtlichen Bedenken. „Das Denkmalschutzgesetz schreibt vor: ,Die Eigentümer von Baudenkmälern haben ihre Baudenkmäler instandzuhalten und instandzusetzen.’“ Die Stadt Amberg als Haupteigentümer der Gewerbebau, die das Gebäude gekauft habe, sei daher verpflichtet, es zu erhalten. Außerdem gebe es noch keine Wirtschaftlichkeitsberechnung für das Projekt. „Ein Negativbeispiel für wirtschaftliche Fehlplanung kann ja in der Nachbarstadt genau beobachtet werden“, so Wilhelm: Das Liliencenter Sulzbach-Rosenberg blühe auch nicht mehr.

„Oft erhofft man sich von neuen Projekten ein wirtschaftliches Wunder, das dann so nicht eintritt.“

Helmut Wilhelm, Historiker

Cerny antwortete: „Seit 15 Jahren herrscht Leerstand in dem Gebäude.“ Er verstehe die Argumente zur Erhaltung des Stadtbildes. „Aber der Leerstand schadet nicht nur diesem Gebäude, die ganze Umgebung erlebt einen Down-Grading-Effekt.“ Das bedeute beispielsweise, dass Geschäftsflächen nicht einmal mehr für einen Euro pro Quadratmeter hätten vermietet werden können.

„Wenn wir uns jetzt anders entscheiden, dann bleibt das Gebäude vielleicht stehen. Aber den Down-Grading-Effekt sehen wir schon jetzt. In Zukunft könnte er den ganzen Stadtbereich erfassen.“ In einer Stadt wie Amberg sei es viel schwerer als beispielsweise in München, einen Bauherren zu finden. „Die Baupreise steigen, aber die Mieten sinken zum Teil sogar.“

Hier finden Sie eine Chronologie der Vorgänge:

Chronologie

  • Forum:

    2004 wurde Insolvenz für das alteingesessene Kaufhaus Forum angemeldet. 2005 erwarb Manfred Reichholf das Gebäude, 2016 kaufte dann die städtische Tochter Gewerbebau das Forum.

  • Bürgerspitalgelände:

    2014 erfolgte der Abriss der Gebäude am Bürgerspitalgelände, nachdem das Seniorenheim in der Schlachthausstraße neu gebaut worden war. 2017 trat Ten Brinke als Investor für den Neubau auf den Plan. (acd)

Um den Stand bezüglich des Denkmalschutzes zu überprüfen, habe sich Mathias Pfeil, der Chef des Landesamtes für Denkmalschutz, vor Ort einen Eindruck verschafft. „Er wirkte sehr pragmatisch dabei“, so Cerny weiter. „Für Herrn Pfeil muss klar sein, wie das Gebäude in Zukunft genutzt wird, bevor man sich über weitere Details unterhalten könne.“

Lesen Sie mehr: Die IG Menschengerechte Stadt kämpft gegen die öffentliche Tiefgarage am Bürgerspital-Areal und den Abriss des „Forums“.

Im ersten Stock des neuen Gebäudes sollen Einzelhandelsgeschäfte untergebracht werden, im zweiten Stock Dienstleistungen und im dritten sollten Wohnflächen gebaut werden. „Wobei sogar die Möglichkeit besteht, dass im zweiten Stock das Baureferat der Stadt Amberg einzieht.“ Die Gewerbebau stehe mit einem potenziellen Ankermieter für die Einzelhandelsflächen in Kontakt, den die Immobilie zur Entwicklung braucht.

Dass der Leerstand kein akzeptabler Zustand sei, darin waren sich alle einig. Doch diejenigen, die für den Erhalt warben, waren der Meinung, dass dies auch mit dem vorhandenen Gebäude möglich sein müsse. Wilhelm ergänzte: „Oft erhofft man sich von neuen Projekten ein wirtschaftliches Wunder, das dann so nicht eintritt.“

„Eine Tektur steht im Raum, aber das ist abhängig von der Nutzung.“

Michael Cerny, Oberbürgermeister Amberg

Cerny verwies auf die langen Diskussionen im Stadtrat und die gültigen Beschlüsse mit Zwei-Drittel-Mehrheit. Gerchow fragte nach, ob eine juristisch gültige Abrisserlaubnis vorliege, was Cerny bejahte. Bis zur Realisierung könne sich noch einiges tun: „Eine Tektur steht im Raum, aber das ist abhängig von der Nutzung“, so Cerny.

Das Bürgerspitalgelände soll durch den Investor TenBrinke völlig neu entwickelt werden. Foto: Danzer
Das Bürgerspitalgelände soll durch den Investor TenBrinke völlig neu entwickelt werden. Foto: Danzer

Auch die Tiefgarage am Bürgerspitalgelände und der geplante Komplex darüber standen in der Kritik. Zum einen aus ästethischen Gründen, zum anderen wurden Zweifel ob der Sinnhaftigkeit angemeldet. Wilhelm sagte, zwei Gutachter seien zu dem Ergebnis gekommen, dass eine Tiefgarage hier keinen Sinn machen würde, bis ein Dritter gefunden worden sei, der etwas anderes behauptet habe. „In der näheren Umgebung gibt es schon zwei Tiefgaragen, die nicht ausgelastet sind.“

Cerny sagte, die Nutzungskonzepte seien sehr durchdacht. Schon beim Bürgerdialog Ende November 2017 hatte er darauf hingewiesen, dass jeder der möglichen Investoren eine Tiefgarage gefordert habe. „Durch den Wegfall des Forums fehlten der Stadt auf einen Schlag 6000 Quadratmeter Einzelhandelsfläche.“ Auftrag des Stadtrats sei es, Einkaufsmöglichkeiten für Bürger zu schaffen. „Durch ein Einkaufszentrum draußen auf der grünen Wiese könnte dies viel einfacher realisiert werden“, bekannte Cerny. Aber sein Ziel sei es, die Innenstadt zu beleben.

Vorhandene Stärken nutzen

Die Umsetzung des Vorhabens für das Bürgerspitalgelände zu verhindern wäre indes mit großen Hürden verbunden, wie Gerchow bemerkte: „Der Realisierungswettbewerb ist schon abgeschlossen, das Projekt ist also sehr weit fortgeschritten.“ Würde die Stadt einen Rückzieher machen, stünden Ten Brinke, Entschädigungen zu. Gerchow weiter: „TenBrinke ist ein Investor, er will natürlich Rendite machen.“ Sie appellierte aber dafür, dass er das an Orten tun solle, wo das leichter gehe. Die momentanen Pläne für das Bürgerspitalgelände und das Forum könne sie sie nicht gutheißen.

Lesen Sie mehr: Die IG Menschengerechte Stadt warb bei Ambergs Stadträten für alternative Ideen zur Bebauung von Bürgerspitalareal und Forum.

Allgemein plädierte Gerchow dafür, besser mit dem Vorhandenen umzugehen und die Stärken, die die Stadt schon habe, zu nutzen. Sulzbach-Rosenbergs Stadtheimatpfleger Dr. Markus Lommer merkte an, dass die beiden Positionen vielleicht nicht grundsätzlich unvereinbar seien. „In Leipzig wurde modernes Bauen in der Altstadt sehr vorbildlich umgesetzt.“

Achim Hüttner plädierte dafür, neue Argumente und Bürgermeinungen nicht vom Tisch zu wischen. In den 1980er Jahren habe man durch Bürgerengagement eine Hochgarage verhindert und an der Stelle jetzt den wunderschönen Maltesergarten. „Das wäre ohne den Einsatz der Bürger nicht möglich gewesen.“

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