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Umwelt

Saatgut aus dem Lauterachtal

Biologen sammeln auf den ökologisch und extensiv bewirtschafteten Wiesen Samen von Gräsern und Kräutern.
Von Dr. Uli Spreitzer

  • Artenvielfalt einer Extensivwiese im Lauterachtal: Wiesenlabkraut weiß, Echtes Labkraut gelb, Witwenblume, Wiesenglockenblume, Wiesensalbei, Hornklee, Wiesenkümmel, Wiesenbochsbart, Flockenblume, Ochsenauge, Perlgras (von links nach rechts). Fotos: Dr. Uli Spreitzer
  • Biologen Bein Sammeln von Samen auf einer Wiese im Lauterachtal

Lauterachtal. Der Genpool an einheimischen Pflanzen soll wieder aufgebaut werden. Im Lauterachtal sammeln aktuell Biologen Samen von Gräsern und Kräutern auf extensiv und ökologisch bewirtschafteten Wiesen. Daraus entsteht spezifisches Saatgut der Region „fränkische Alb“. Dieses sogenannte „Regiosaatgut“ soll helfen, Artenreichtum von Pflanzen und Tieren zu erhalten.

Regionale Pflanzen sichern Biodiversität. Bereits die Rio-Konferenz, die Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung, im Jahr 1992 verlangte Biodiversität, also Artenreichtum von Pflanzen und Tieren zu bewahren. In der freien Landschaft verdrängen jedoch vielfach gebietsfremde Pflanzenarten die einheimischen.

Gegen gebietsfremde Pflanzen

Das Bundesnaturschutzgesetz fordert ab 1. März 2020 eine Genehmigung, wenn gebietsfremde Arten in der freien Landschaft ausgesät werden (§40 BNatSchG). Gebietsfremd ist eine Pflanze, wenn sie in einer Region wächst, aus der sie genetisch nicht stammt.
In einem Forschungsprojekt an der Leibniz-Universität Hannover unter Leitung von Prof. Dr. Rüdiger Prasse entstand das Konzept von Regiosaatgut und Regiopflanzgut. Deutschland wurde dabei in 22 Herkunftsregionen oder Ursprungsgebiete eingeteilt. Das Ursprungsgebiet 14 ist die Region „fränkische Alb“. Sie umfasst große Teile der westlichen Oberpfalz.

Bei Regiosaatgut gibt es für jede Pflanzenart und jede Region eigenes Saatgut. Dieses Saatgut stammt von Pflanzen, die in der jeweiligen Region seit langem beheimatet sind. So hat beispielsweise die Margerite aus der Region „fränkischer Jura“ eine andere Genetik als eine Margerite aus einer anderen Region. Sie ist an Klima und Boden angepasst und nützt der Tierwelt, indem sie zu einem Zeitpunkt blüht, wie ihn die Insekten dort benötigen.

Gräser und Kräuter gibt es in Wildformen und gezüchteten Formen. In der freien Landschaft, zum Beispiel beim Landschaftsbau sollen Wildsorten gesät werden.

Für Herstellung und Vertrieb von Saatgut gilt das Saatgutverkehrsgesetz. Dies stellt hohe Anforderungen an Haftung, Dokumentation oder Compliance. Diese können Saatgutkonzerne leichter erfüllen als kleine Saatguthersteller. Für Saatgut von Wildpflanzen gibt es allerdings eine Erleichterung. Es darf nach der Erhaltungsmischungsverordnung vom 6. Dezember 2011 in den Handel, wenn nachgewiesen ist, aus welchem der 22 Herkunftsgebiete es genetisch stammt.

Artenreiche Wiesen müssen besonders bewirtschaftet werden. Mineralischer Dünger und chemische Pflanzenschutzmittel sind dabei zu vermeiden. Im Lauterachttal wirtschaftet eine Reihe von Landwirten ökologisch. Viele Wiesen bewirtschaften sie zudem extensiv. Die Wiesen werden dabei weniger oft und nur in bestimmten Zeiträumen gemäht. Auf diesen Wiesen wachsen viele Gräser und Kräuter – vor allem in der Wildform. In geringem Abstand wechseln sich im Lauterachtal verschiedenartige Standorte ab, Trockenstandorte an den Hängen und Feuchtstandorte im Tal, mit jeweils unterschiedlichen Pflanzen.

Schwerpunkt im Lauterachtal

Biologen des Unternehmens „Saaten Zeller“ aus Eichenbühl, ein Unternehmen, das schon viele Jahre auf dem Gebiet tätig ist, führen eine mehrtägige Sammelexkursion durch. Die Sammlung geschieht im Herkunftsgebiet Fränkische Alb. Ein Schwerpunkt der Sammlung ist im Lauterachtal.

Die Samen der Gräser und Kräuter werden per Hand gesammelt, nachgereift und getrocknet. Die Einzelsammlungen je Art und Standort werden registriert. Gärtner ziehen aus diesem Saatgut Einzelpflanzen. Über die Mutterpflanzenkulturen (F1-Kultur) und größeren Kulturen (F2) entstehen größere marktfähige Saatgutmengen. Aus dem Saatgut der einzelnen Arten werden Regiosaatgut-Mischungen für das jeweilige Herkunftsgebiet erstellt.

Gesät wird dieses Regiosaatgut zur Begrünung von Böschungen, Erosionsschutz oder Rekultivierung oder auf sogenannte „Ökokontoflächen“ wie einer Streuobstwiese. Auch Privatpersonen können es aussäen und die Vielfalt von Pflanzen und Tieren insbesondere Insekten fördern.

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