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Sonntag, 19. August 2018 29° 2

Senioren

„Satt und sauber“ reicht nicht

Zimmergröße, Ausstattung, Finanzen: Pflegeexperten erklären, was in der Altenpflege ihrer Meinung nach schief läuft.

Der Personalschlüssel in den Heimen ist oft ein Thema. Foto: Hollemann
Der Personalschlüssel in den Heimen ist oft ein Thema. Foto: Hollemann

Amberg.Ein verpflichtendes Soziales Jahr für beide Geschlechter, die Errichtung eines Netzes von dezentral sozialpsychiatrischen Stationen in den Altenheimen und ein staatliches Investitionsprogramm für den Bau von Senioreneinrichtungen. Das sind die Kernforderungen, die Wolfgang Hiemer, der Leiter des Caritas-Altenheims an der Friedlandstraße, bei einem Fachgespräch mit dem ÖDP-Kreisverband erhob. Hiemer, der in Niederbayern auf der Liste der ÖDP für den Bezirkstag kandidiert, warnte davor, dass in den nächsten acht Jahren immer mehr bestehende Altenheime schließen müssten, weil sie modernen Anforderungen z.B. an die Größe der Zimmer und Ausstattungsmerkmalen im Sanitärbereich, nicht mehr genügten.

Gemeinnützige Träger könnten beim Betrieb von Altenheimen unter den derzeitigen Rahmenbedingungen zwar ein ausgeglichenes Ergebnis erwirtschaften, aber nicht auch noch Rücklagen für Generalsanierungen oder Neubauten bilden. In einer Zeit des demografischen Wandels, in der immer mehr Bayern auf Pflege in Senioreneinrichtungen angewiesen seien, müsse der Freistaat hier in die Bresche springen.

Wer stemmt die Kosten?

Privatisierung sei keine Lösung, wenn ein Heimplatz für die Bewohner einigermaßen bezahlbar bleiben solle. Schon heute könnten nur 40 Prozent der Bewohner die Kosten für eine Heimunterbringung selbst voll tragen, der Rest erhalte staatliche Zusatzleistungen. Auch ist es laut Hiemer unabdingbar erforderlich, dass die von der Regierung der Oberpfalz festgestellten Investitionskosten vom Bezirk Oberpfalz in vollem Umfang anerkannt werden. Nur dann sind Träger von Einrichtungen langfristig bereit, in Neu- und Umbauten zu investieren.

Wolfgang Hiemer ist Heimleiter. Foto: Hollemann
Wolfgang Hiemer ist Heimleiter. Foto: Hollemann

Cornelia Schmid vom Verein pflegender Angehöriger fragte nach, warum es in der Region so schwierig sei, langfristig einen Kurzzeitpflegeplatz zu reservieren, so dass auch pflegende Angehörige eine Kur oder einen Urlaub buchen und dort neue Kräfte sammeln könnten. Mirjam Pauser, die Pflegedienstleiterin im Caritas-Altenheim, erläuterte daraufhin, dass der Bedarf an Pflegekräften verschiedener Qualifikationsstufen von Heim zu Heim, aber auch von Monat zu Monat variiere, so dass es für die Heime sehr schwierig sei, Kurzzeitpflegeplätze über Monate im Voraus zu reservieren.

ÖDP-Vorstandsmitglied Günter Neumann hat selbst Angehöriger in einem Seniorenheim und fragte deshalb kritisch nach, ob nicht der Personalschlüssel in den Heimen generell zu knapp bemessen sei. Das wollte Mirjam Pauser so allgemein nicht bestätigen. Das Problem sei aber, dass es keine Personalreserven gebe, wenn mehrere Mitarbeiter durch Krankheit ausfielen, z. B. während der Grippewelle im letzten Winter.

Mehr Zeit für das Personal

Wolfgang Hiemer forderte deshalb vier zusätzliche Pflegekräfte auf je 100 Heimbewohner. Eine solche Verbesserung des Schlüssels würde die Personalsituation deutlich entspannen. Das Motto „satt und sauber“ genüge in der Altenpflege auf keinen Fall. Entscheidend sei eine Betreuungssituation, die dem Pflegepersonal eine echte Hinwendung zu den Bewohnern und menschliche Anteilnahme ermögliche.

Altenpfleger gesucht

  • Berufsbild:

    Wolfgang Hiemer, der Leiter des Caritas-Altenheims an der Friedlandstraße, wirbt für das Berufsbild des Altenpflegers.

  • Kosten:

    Altenpfleger sei mittlerweile ein anerkannter Ausbildungsberuf, bei dem sich auch die Bezahlung in den letzten Jahren deutlich verbessert habe. Auch müsse im Gegensatz zu früher kein Auszubildender mehr Schulgeld zahlen.

Dem schlossen sich auch die anwesenden Vorstandsmitglieder der ÖDP unter Führung des stellvertretenden Kreisvorsitzenden Michael Birner an. Im Zentrum unserer Überlegungen als Gesellschaft müsse – so Günter Neumann – ein Paradigmenwechsel stehen. Nicht das Budget dürfe diktieren, wie menschenwürdig die Pflege gestaltet werde, sondern die Bedürfnisse der zu pflegenden Menschen müssten der Maßstab sein, wenn wir eine menschenwürdige Gesellschaft sein wollen.

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