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Auftritt

Schlossstadl bietet puren Spaß

Kabarettist Wolfgang Krebs erntet in Schmidmühlen eine Menge Beifall. Seine Parodien sind aber mehr als „Schenkelklopfer“.
Von Jeff Fichtner

Wolfgang Krebs gibt den Landesvater – Stoiber, Beckstein, Seehofer, Söder, sauber überzeichnet und das pure Vergnügen fürs Publikum. Foto: Jeff Fichtner
Wolfgang Krebs gibt den Landesvater – Stoiber, Beckstein, Seehofer, Söder, sauber überzeichnet und das pure Vergnügen fürs Publikum. Foto: Jeff Fichtner

Schmidmühlen. Der „neue“, in seinem Kern freilich uralte Schmidmühlener Schlossstadl wird immer mehr zum starken Besuchermagneten im unteren Vilstal. Wie attraktiv dieser Ort der Kultur schon im ersten Programmjahr geworden ist, zeigte das Gastspiel von Wolfgang Krebs am Freitagabend. Alle Plätze waren besetzt, als der weithin bekannte und gerühmte Parodist und Wortakrobat loslegte.

Die Damen des Heimat- und Kulturvereins, die mit vielen weiteren Helferinnen und Helfern dafür sorgen, dass „der Laden läuft“ im Schlossstadl, zeigten sich im Gespräch mit der Mittelbayerischen kurz vor Beginn sehr zuversichtlich. 1. Vorsitzende Martina De Wille, 2. Vorsitzende Beate Braun, Schriftführerin Evi Feuerer sowie die Beisitzerinnen Conny Schmidt und Tanja Bauer sahen mit Wohlwollen die lange Schlange der Besucher vor der Kasse. Das könne gern so weitergehen, und das werde es auch, war zu hören.

Nicht unter die Gürtellinie

Gefröstelt hat es alle Beteiligten draußen im schönen Schlosshof, bei plötzlich nur noch um die vier Grad Celsius am Abend. Wer dann drinnen war, rühmte die wohlige, aber nicht übertriebene Wärme. Das hat gute Gründe: „Wir haben sogar kurz vor Beginn die andere Heizung ausgemacht, weil schon die Fußbodenheizung so wunderbar fürs Wohlbefinden sorgt“, sagte Beate Braun der Mittelbayerischen. Ihr Ehemann, Schmidmühlens 1. Bürgermeister Peter Braun, saß übrigens nicht in der ersten Reihe, sondern ganz bescheiden etwas weiter hinten. Dies würdigte Wolfgang Krebs später auf seine Weise: witzig überzeichnet, natürlich, aber stets verbindlich und nie unterhalb der Gürtellinie.

Wolfgang Krebs als Allgäuer Schlager-Kanone Meggy Montana Foto: Jeff Fichtner
Wolfgang Krebs als Allgäuer Schlager-Kanone Meggy Montana Foto: Jeff Fichtner

Krebs ist über die Grenzen des Freistaats hinaus bekannt geworden mit seinen Parodien auf bayerische Spitzenpolitiker, also noch einen Hauch oberhalb von Schmidmühlens „Oberbürgermeister“. Nicht zu übertreffen ist nach wie vor die Darstellung des früheren Ministerpräsidenten Edmund Stoiber, mit der Wolfgang Krebs seine urbayerische Komik und Wortakrobatik auf einem neuen Level vor fast aller Konkurrenz etabliert hat. Der einstige Landesvater war ja durchaus auch „in echt“ bekannt für seine zuweilen im Nichts endenden Satzgebilde, letztlich von aller Bedeutung befreit. Das hat Stoiber von mancher Seite viel Spott eingebracht.

Wolfgang Krebs unterwegs

  • Beliebtheit:

    Auch im Programm „Geh zu, bleib da!“ widmet sich der Parodist und Wortakrobat Wolfgang Krebs seiner Leidenschaft - dem schönen Bayernland, wo eine üble Landflucht drohe. Das interessiert so viele, dass etwa sein Auftritt am 17. Mai im Gutmann in Nürnberg schon Anfang April ausverkauft war. Außerhalb der Metropolen ist nicht nur in Schmidmühlen das Interesse groß.

  • Beeilung:

    Wer auf den Geschmack kommt, ob als Kabarettfreund in der kleinen, feinen Lauterach-Metropole oder einfach als Leser der Mittelbayerischen, der darf sich beeilen: Wolfgang Krebs gastiert am 30. Mai, 20 Uhr, beim Zeltfestival Lappersdorf - es soll noch Karten geben. Infos: Mittelbayerische, Geschäftsstelle Schwandorf, Fronberger Straße 2, Telefon (09431) 7139-30. (nff)

Wolfgang Krebs dagegen ist nicht wirklich ein Spötter, allenfalls nebenher. Er überzeichnet mit hoher Kreativität das, was er an Personen, Sprache und Verhaltensweisen in der weißblauen Politik und Gesellschaft vorfindet. Kunstvoll in der Sprachschöpfung, bis zu einem Grad, der einfach Spaß macht, aber noch nicht wirklich wehtut. Egal, welche politische Vorliebe man als Zuhörer und Zuschauer gerade oder „immer schon“ pflegt.

Toleranz wird zur Triebfeder

Wie Wolfgang Krebs parodiert und überzeichnet – das zeugt andererseits auch von einem durchaus hohen Maß an Nähe zu den Personen, auf die er es abgesehen hat. Das ist kein Makel, denn erst damit kommt er an Edmund Stoiber, Günther Beckstein, Horst Seehofer und schließlich Markus Söder so weit heran, dass er sie punktgenau treffen kann. Als Werkzeug benutzt Wolfgang Krebs dann aber nicht die für andere vielleicht willkommene „Dreckschleuder“, sondern das fein geführte Florett – sprachlich, mimisch, gestisch.

Mit geballter Frauenpower sorgt der Heimat- und Kulturverein für ein starkes Programm im Schlossstadl; von links: Conny Schmidt, Tanja Bauer, Beate Braun, Martina De Wille und Evi Feuerer. Foto: Jeff Fichtner
Mit geballter Frauenpower sorgt der Heimat- und Kulturverein für ein starkes Programm im Schlossstadl; von links: Conny Schmidt, Tanja Bauer, Beate Braun, Martina De Wille und Evi Feuerer. Foto: Jeff Fichtner

Wie schafft Wolfgang Krebs treffende, urkomische Karikaturen von Menschen in Bayern, ohne sie restlos lächerlich zu machen? Vielleicht hilft ein Blick in des Künstlers Biografie. Der Kabarettist hat einen Oberfranken als Vater und eine Oberbayerin als Mutter. Diesen gewagten Mix muss ein Sprössling gentechnisch erst einmal verkraften. Gut möglich aber, dass Wolfgang Krebs davon heute noch zehrt, mit inzwischen 52 Jahren. Von einer ihm unweigerlich mitgegebenen Neigung zur Toleranz und Liebe zu ganz Bayern. Sonst würde er sein aktuelles Programm auch kaum „Geh’ zu bleib’ da“ nennen. Die Landflucht zwischen Hof und Lindau, Aschaffenburg und Passau, die ist hier sein Generalthema. Der Bevölkerungsschwund in Regionen also, wo Bayern vielleicht so bayerisch ist wie nie und nimmer in den Großstädten.

Aber: Lachen befreit auch hier, und das haben die Besucher des Schlossstadls einem Wolfgang Krebs in Bestform ebenso zu verdanken wie dem versierten „Mischer“ Stefan Gruber von W.A.S. Light & Sound, der für den guten Ton sorgte, der Marktgemeinde Schmidmühlen sowie dem Heimat- und Kulturverein.

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