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Region Amberg
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Festakt

Selbstverwaltung seit genau 200 Jahren

Am 17. Mai 1818 wurde Ensdorf mit dem Gemeindeedikt von Bayerns König Max I. Joseph das Kommunalrecht verordnet.
Von Hans Babl

Die Gemeinderäte Hermann Trager und Hans Ram, Bürgermeister Markus Dollacker, Gemeinderätin Sabine Müller, 2. Bürgermeister Karl Roppert, die Gemeinderäte August Berschneider, Viktor Hammer und Werner Scharl, Geschäftsstellenleiter Josef Rester sowie die Gemeinderäte Roland Müller und Johann Bösl beim Festakt zu „200 Jahre Gemeinde Ensdorf“ Foto: Babl
Die Gemeinderäte Hermann Trager und Hans Ram, Bürgermeister Markus Dollacker, Gemeinderätin Sabine Müller, 2. Bürgermeister Karl Roppert, die Gemeinderäte August Berschneider, Viktor Hammer und Werner Scharl, Geschäftsstellenleiter Josef Rester sowie die Gemeinderäte Roland Müller und Johann Bösl beim Festakt zu „200 Jahre Gemeinde Ensdorf“ Foto: Babl

Ensdorf.Bei einem Festakt nach der Gemeinderatssitzung wurde im Fürstensaal dem 200-jährigen Bestehen der Selbstverwaltung der Gemeinde gedacht. Auf den Tag genau vor 200 Jahren – am 17. Mai 1818 – wurde mit dem Gemeindeedikt von Bayerns König Max I. Joseph der Gemeinde Ensdorf das Kommunalrecht verordnet. Dies war für Bürgermeister Markus Dollacker Anlass für einen Festvortrag.

Mit dem Gemeindeedikt von 1818 wurde das Gesetz zur Selbstverwaltung der Ruralgemeinden (Landgemeinden) im Königreich Bayern verordnet. Bis heute haben seit dieser Zeit viele Kommunen in Bayern ihr Selbstverwaltungsrecht. Das heißt, bestimmte Aufgaben dürfen von den Bürgern vor Ort, für ihren Ort, unabhängig entschieden und verwaltet werden. Das war zuvor nicht der Fall. „Mit dem Edikt wurde ein gewähltes Gremium eingeführt, das sich im Laufe der Zeit zum Gemeinderat entwickelt hat. Und es wurde ein Ortsvorsteher und ein Kommunal- und Stiftungspfleger eingeführt, aus dem später der Bürgermeister wurde“, erklärte Dollacker.

Am 17. Mai 1818 war es soweit mit dem Recht zur Selbstverwaltung in der Gemeinde Ensdorf. Ebenso erhielten die Gemeinden Thanheim und Wolfsbach ihr Selbstverwaltungsrecht. Alle vorher bestehenden Gesetze und Regelungen waren außer Kraft gesetzt.

Immer noch Grenzen von 1818

Es gab drei große Gemeindeedikte in Bayern: 1808 Neuordnung der Städte und Märkte. 1818 Neuordnung der Rural Gemeinden. 1834 Überprüfung und Anpassung der Kommunalverfassungen Unter der Überschrift „Die Bildung der Gemeinden im Bezirksamts Sprengel Amberg, Amtsgericht Amberg, Vilseck“ werden im Gemeindeedikt zuerst einmal die Orte aufgezählt und die dazugehörenden Ortsteile, Weiler und Hofstellen: unter Nummer 10 wird die Ruralgemeinde Ensdorf mit den dazugehörenden Orten Ensdorf mit Balkering, Ekenberg, Leidersdorf, Seillohe und Uschlberg aufgeführt. Unter der Nummer 44 Thanheim mit Dornberg, Langenwies, Rannahof, Ruiding und Schwabenhof. Bei Nummer 51 Wolfsbach mit Gleicheröd, Götzenöd, Hofstetten und Seidelbrand. „Somit entspricht das jetzige Gemeindegebiet nahezu immer noch den 1818 entstandenen Grenzen“, sagte der Bürgermeister. Mit der Gemeindegebietsreform gingen am 1. April 1971 die Gemeinden Wolfsbach und Thanheim in der Gemeinde Ensdorf auf, ebenso ein Teil der Gemeinde Garsdorf (Hirschwald, Ober- und Unterbernstein). Mit Auflösung des gemeindefreien Gebietes Hirschwald wurden am 1. September 2015 die Grenzen nochmals geändert. „Die Gemeinde Ensdorf ist nun 61,0372 Quadratkilometer groß“, so Dollacker.

Selbstverwaltung unterbrochen

  • Durch die Gleichschaltung

    in der NS-Zeit und der anschließenden amerikanischen Besatzung wurde die Selbstverwaltung in den Gemeinden unterbrochen.

  • Die Alliierten

    erkannten allerdings die Vorteile der Selbstverwaltung und mit Gründung des Bayerischen Selbstverwaltungskollegs in Fürstenfeldbruck wurde auch in den Kommunen das Recht zur Selbstverwaltung wieder in Kraft gesetzt,

Weiterhin werden in dem Edikt die jeweilig bestimmten Gemeindevertreter sowie je vier Ortsvertreter benannt für Ensdorf, Thanheim und Wolfsbach. Der Ortsvorsteher und der Kommunal- und Stiftungspfleger gemeinsam entsprechen heute dem Bürgermeister. Die Ortsvorsteher entsprechen den Gemeinderäten. Die ersten Gemeindevertreter wurden noch nicht vom Volk gewählt, sondern wurden aus einem sehr engen Kreis ausgewählt. Jeweils der Ortspfarrer musste die Personen vorschlagen, die einen exzellenten Leumund haben mussten, und diese wurden dann vom zuständigen Kommissär geprüft und von der Kuratel ernannt.

1823 kam es zu den ersten tatsächlichen Wahlen. Als Gemeindebürger durfte sich nur der bezeichnen, der Grundbesitzer oder Gewerbetreibender war. Es waren die Bewohner, die Steuern bezahlten, ihren Wohnsitz in der Gemeinde hatten oder wenigstens ein Wohnhaus besaßen. Ausgeschlossen waren die Schutzverwandten, das heißt diejenigen, die zwar das Recht der Verehelichung oder das Heimatrecht in der Gemeinde besaßen, aber weder Grundbesitzer noch Gewerbetreibende waren.

Bürgermeister Markus Dollacker blickte auf die Geschichte.
Bürgermeister Markus Dollacker blickte auf die Geschichte.

Der Ortsvorsteher oder Bürgermeister musste Grundbesitzer in der Gemeinde sein und durch diesen Grundbesitz die Ansässigkeit erreicht haben. Bei den Ortsvertretern waren darüber hinaus die ausgeschlossen, die ein Gewerbe hatten, das unter besonderer Polizeiaufsicht stand (beispielsweise Metzger, Bäcker, Bierbrauer, Wein- und Schankwirte, Cafétiers). Hier durften die Gemeindebürger erstmalig ihre Stimme abgeben. Dabei gab es noch kein Frauenwahlrecht. Als Gemeindebürger durfte sich nur der bezeichnen, der Grundbesitzer oder Gewerbetreibender war. Es waren die Bewohner, die Steuern bezahlten, ihren Wohnsitz in der Gemeinde hatten oder wenigstens ein Wohnhaus besaßen. Ausgeschlossen waren die Schutzverwandten, das heißt diejenigen, die zwar das Recht der Verehelichung oder das Heimatrecht in der Gemeinde besaßen, aber weder Grundbesitzer noch Gewerbetreibende waren.

Der Ortsvorsteher oder Bürgermeister musste Grundbesitzer in der Gemeinde sein und durch diesen Grundbesitz die Ansässigkeit erreicht haben. Bei den Ortsvertretern waren darüber hinaus die ausgeschlossen, die ein Gewerbe hatten, das unter besonderer Polizeiaufsicht stand (beispielsweise Metzger, Bäcker, Bierbrauer, Wein- und Schankwirte, Cafétiers). Die Wahlperiode dauerte bereits damals sechs Jahre, eine Wiederwahl war möglich. Aber alle Mitglieder des Gemeindeausschusses waren Beamte der Gemeinde. Dem Gemeindevorsteher fielen besondere Aufgaben zu. Er war Vorsteher des Gemeinwesens, Vorstand der Ortspolizei und Vollzugsorgan der unteren Staatsbehörden. Dem Gemeindeausschuss standen Wahl, Anstellung und Besoldung des Gemeindeschreibers zu, dessen Stelle regelmäßig vom Ortsschullehrer versehen wurde. Auch die Besetzung der Ortspolizei erledigte der Gemeindeausschuss.“ Die übertragenen Aufgaben waren laut Gemeindeedikt von 1818 unter anderem Ortspolizei (Organisation und Verwaltung), Vermögensverwaltung der Gemeinde und der Stiftungen, Kontrolle der Wege und Brücken, Feuerlöschwesen Heiratsgenehmigungen oder Gerichtsbarkeit.

Dann ging Dollacker darauf ein, wie es zum Gemeindeedikt von 1818 gekommen ist. Außerdem auf die Folgen der Säkularisation, speziell auf das Kloster Ensdorf, das 1803 erstes in der Oberpfalz aufgelöst wurde. „Der Verlust des Klosters führte in der Gemeinde zur wirtschaftlichen Schieflage und zum Verlust der Finanzkraft. Der Gemeindeausschuss warf dem Königreich Bayern vor, das Vermögen einkassiert und die Lasten an die verarmte Gemeinde übergeben zu haben.“

Irrenanstalt im Kloster?

Am 3. Juli 1822 sollte der Konvent Bau versteigert werden, jedoch wurde kein Gebot abgegeben. Die Bezirksregierung beschwerte sich bei der Gemeinde, da sie der Ansicht war, die Gemeinde würde den Bauunterhalt tragen. Es waren aber zwischenzeitlich größere Schäden am Bauwerk entstanden, die nicht beseitigt wurden. In Folge kam es noch zur Planung für die Ansiedlung einer Alaunfabrik oder einer Irrenanstalt. Jedoch wurde letztlich alles verworfen. Somit einigte man sich 1852 auf eine Förderung durch die Bezirksregierung, damit die Gemeinde zwei Schulräume und die Lehrerwohnung sanieren konnte. 1893 wurde die Mädchenschule eingerichtet. Eine wohl endgültige Einigung wurde mit Vertrag vom 16. Januar 1860 erzielt, in dem die Kostenaufteilung und eine Entschädigung der Gemeinde vereinbart wurden. So wurde unter anderem festgelegt, dass das Brennholz für die Heizung der Schule und der Lehrerwohnung der königliche Forst zu liefern habe, aber auch, dass für den Unterhalt der Vilsbrücke die königliche Hofkammer Bayern zuständig ist.. Der überwiegende Teil des Klosters blieb im Besitz des Königreich Bayerns. Erst 1920 konnte das Kloster Ensdorf wieder belebt werden. Die Salesianer Don Boscos kamen.

Von 1817 bis zum Ersten Weltkrieg kam es auf den Gemeindegebieten von Ensdorf, Thanheim und Wolfsbach zu keinen Kriegshandlungen. Die Dörfer entwickelten sich langsam und die Einwohnerzahl stieg langsam an.

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