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Region Amberg
Samstag, 18. August 2018 28° 2

Museum

Spannende Erlebnisse mit der Müllerin

Viel Interessantes erfuhren die Besucher bei Führungen in der Mühle des Bergbau- und Industriemuseums in Theuern.
Von Hans Babl

Museumsführerin Cornelia Platz wusste viel Interessantes über die historischen Werke zu erzählen. Foto: Babl
Museumsführerin Cornelia Platz wusste viel Interessantes über die historischen Werke zu erzählen. Foto: Babl

Theuern.Am Pfingstmontag beim „Deutschen Mühlentag“ klapperte auch im Bergbau- und Industriemuseum Ostbayern in Theuern wieder die alte Mühle aus dem Jahr 1680. Aber: In der Mühle wird aus dem Getreide nicht gleich Mehl – wie es genau funktioniert, das erklärte Museumsführerin Cornelia Platz den Besuchern.

Zwischen den riesigen Mühlsteinen – dem feststehenden Mühlstein und dem darüber befindlichen „Läufer“ – wird das Getreide gemahlen: zuerst zu Schrot, dann zu Kleie und zu grobem und feinem Grieß. Erst dann kommt nach sieben Mahlgängen das feine weiße Mehl heraus. So war es auch in der „Weißmühle“, die heute eine der Außenstellen im Bergbau- und Industriemuseum bildet. „Sie stand früher bei Neunburg vorm Wald und wurde 1972/73 in Theuern wieder aufgebaut“, berichtete die Museumsführerin, die sich in einem selbst genähten, historischen Gewand wie eine Müllerin früherer Zeiten den interessierten Gästen präsentierte.

Der Müller war einst suspekt

„Dass die Menschen Angst vor dem Müller und seinen Gesellen hatten, lag vor allem daran, dass Mühlen außerhalb der Orte lagen und sich damit der Kontrolle der Dorfgemeinschaft entzogen“, wusste Cornelia Platz zu berichten. „Müller war ein wenig angesehener Beruf. Man sagte den Müllern wegen der Rumpelei auch oft nach, mit dem Teufel im Bunde zu sein“, erzählte die Museumsführerin. Und: „Müller arbeiteten auch oft nachts, denn sie waren auf den Lauf des Wassers angewiesen. Dies war der Bevölkerung neben dem Poltern des Betriebes der Mühlen unheimlich und verunsicherte sie zusätzlich“, erzählte Cornelia Platz weiter.

Die Getreidemühle Weiß stammt aus dem Jahr 1680 und stand ursprünglich in Baumhof an der Schwarzach bei Neunburg vorm Wald. Foto: Babl
Die Getreidemühle Weiß stammt aus dem Jahr 1680 und stand ursprünglich in Baumhof an der Schwarzach bei Neunburg vorm Wald. Foto: Babl

Aber der Beruf war recht einträglich, bekam der Müller doch rund die Hälfte des Getreides als Lohn für ihre harte Arbeit. Schwerstarbeit hatte der Müller zu leisten: Die Getreidesäcke wogen zwischen zwei und drei Zentner, die Mehlsäcke immerhin noch eineinhalb Zentner.

Auch gab es immer wieder schwere Unfälle, vor allem auch von Kindern, die des Öfteren im Mühlbach ertrunken sind. Von einer Romantik, wie sie im Volkslied „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach“ besungen wird, konnte in Wirklichkeit keine Rede sein, so Cornelia Platz.

Zur Mühle gehört nicht nur der technische Bereich, sondern auch die Wohnung der Müllersfamilie kann besichtigt werden. Foto: Babl
Zur Mühle gehört nicht nur der technische Bereich, sondern auch die Wohnung der Müllersfamilie kann besichtigt werden. Foto: Babl

Neben genauen Erläuterungen von Mühle und der Arbeit eines Müllers wusste Cornelia Platz auch über viele Geschichten um das Müllerwesen zu berichten. „Für die Menschen waren die Mühle und deren Bewohner stets von Geheimnissen umgeben. Sie konnten sich nicht vorstellen, dass nur die Naturkraft des Wassers die Mühle betrieb. Da mussten Geister, Nixen oder gar der Teufel die Hand im Spiel haben.“ Die Angst vor der Maschine habe sich auch auf den Müller übertragen. Deshalb sei er in der Dorfgemeinschaft nicht gerne gesehen gewesen – wie auch einst Bader, Totengräber und Henker, erzählte die Museumsführerin. Und dazu komme auch, dass sie den Galgen zu errichten hatten, denn neben dem Beruf des Müllers hatten sie auch Zimmerer gelernt. Sie verstanden zudem, mit Metall und Maschinen umzugehen.

Weitere Impressionen vom Mühlentag in Theuern sehen Sie hier:

Mühlentag in Amberg

Viele Sagen und Legenden ranken sich um die „Müllerei“, von der „schönen Müllerin und ihrem lieblichen Töchterchen“. Müller und Mühlen kommen auch in vielen Märchen wie zum Beispiel „Rumpelstilzchen“, „Hans im Glück“ oder „Der gestiefelte Kater“ vor. Es gibt auch viele Gedichte, die sich mit Mühlen beschäftigen, etwa von Eduard von Mörike.

Sprichwörter und Ausdrücke

Zu den Außenstellen des Bergbau- und Industriemuseums gehört auch das Polierwerk, das ebenfalls aus Baumhof stammt. Foto: Babl
Zu den Außenstellen des Bergbau- und Industriemuseums gehört auch das Polierwerk, das ebenfalls aus Baumhof stammt. Foto: Babl

Mühle kommt auch in vielen Sprichwörtern vor: „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst!“, zitierte Cornelia Platz. Man spreche von der „Tretmühle“ und der „Zwickmühle“. „Man glaubt sogar, dass das Mühlespiel älter ist als das Schachspiel“, so Cornelia Platz.

Beeindruckt waren die Besucher vom ohrenbetäubenden Lärm, als Cornelia Platz die Mühle in Betrieb setzte. Dabei rumpelt nicht die Mühle oder das Mühlrad, sondern der Antrieb der schweren Mühlsteine. Gestaunt haben die Besucher auch über die Wohnung des Müllers mit Kachelofen und kleinen, mit Roggen- bzw. Haferstroh gefüllten Betten. Und es gab zwei Ausgänge des Mühlhauses, „aus denen unbemerkt voneinander der Müller zur hübschen Müllermagd und die Müllerin zum feschen Müllergesellen gelangen konnten“, wie Carola Platz augenzwinkernd meinte.

Beeindruckend für die Besucher waren auch die mächtigen Mühlsteine, ohne die eine Mühle nicht betrieben werden konnte. Foto: Babl
Beeindruckend für die Besucher waren auch die mächtigen Mühlsteine, ohne die eine Mühle nicht betrieben werden konnte. Foto: Babl

Übrigens hatten die Müller im ländlichen Bereich als erste elektrischen Strom, den sie ja mit Wasserkraft erzeugen konnten. So war es auch passend und interessant, dem umgestalteten Strommuseum einen Besuch abzustatten. Ebenso interessant waren die Besuche in der Spiegelglasschleife und in dem Polierwerk.

Für die Besucher gab es viel zu entdecken:

Eindrücke vom Museum

  • Die Getreidemühle Weiß

    stammt aus dem Jahr 1680 und stand ursprünglich in Baumhof an der Schwarzach bei Neunburg vorm Wald. Sie war dort bis 1945 in Betrieb. 1972/73 wurde sie in Theuern original getreu wieder aufgebaut.

  • Zu den Außenstellen

    des Bergbau- und Industriemuseums gehört auch das Polierwerk, das ebenfalls aus Baumhof stammt. Polierwerke entstanden im 19. Jahrhundert und nutzten ebenfalls die Wasserkraft. In diesen Werken wurde Flachglas geschliffen bzw. poliert.

  • Zur Mühle

    gehört nicht nur der technische Bereich, sondern auch die Wohnung der Müllersfamilie kann besichtigt werden: mit Küchenbereich, der großen Stube mit Kachelofen und natürlich dem Schlafraum mit den eher recht kleinen Betten.

  • Beeindruckend

    für die Besucher waren auch die mächtigen Mühlsteine, ohne die eine Mühle nicht betrieben werden konnte. Sie sorgen dafür, dass nach mehreren Arbeitsgängen aus Getreide Mehl wird. Der Antrieb der schweren Mühlsteine ist es auch, der für das „Rumpeln“ sorgt.

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