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Menschenrechte

Stark machen gegen Judenfeindlichkeit

Historiker Benz erläuterte in Amberg Lehrern und Polizisten, wie Antisemiten denken. Prävention spielt eine Schlüsselrolle.
Von Johannes Hartl

Der Antisemitismusforscher Wolfgang Benz Foto: Johannes Hartl
Der Antisemitismusforscher Wolfgang Benz Foto: Johannes Hartl

Amberg.Wer Antisemitismus bekämpfen möchte, braucht die gesamtgesellschaftliche Anstrengung. Dieses Fazit stand am Ende eines Symposiums, das die Staatliche Schulberatungsstelle und das Polizeipräsidium Oberpfalz in Kooperation mit der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg organisiert hatten. Dazu fanden sich am Donnerstag rund 80 Lehrkräfte und Polizeibeamte im Amberger Rathaussaal ein.

Als Redner trat unter anderem Wolfgang Benz auf, eine Koryphäe auf dem Gebiet. Von 1990 bis 2011 lehrte der Historiker an der TU Berlin, er leitete dort auch das renommierte Zentrum für Antisemitismusforschung.

Judenfeindlichkeit habe seinen Ursprung laut Wolfgang Benz ausdrücklich nicht in Eigenschaften oder Handlungen von Juden, es sei vielmehr eine „Projektion negativer Eigenschaften“. „Konstitutiv ist, dass sie sich immer gegen Juden als solche richtet, dass andere die Definitionshoheit über Juden beanspruchen“, sagte der Experte.

„Antisemitismus kommt aus der Mitte der Gesellschaft.“

Wolfgang Benz, Historiker und Antisemitismus-Forscher

Die Erscheinungsformen von Judenfeindlichkeit seien im Einzelnen vielfältig, sie reichten von offen artikuliertem Hass bis zu subtilen Auswüchsen, erklärte die Historikerin Juliane Wetzel, die an Benz’ früherem Zentrum forscht. Besonders häufig etwa trete heute der israelbezogene Antisemitismus auf – dabei würden unter dem Deckmantel der „Israelkritik“ altbekannte Stereotype bedient. Ein Randphänomen, das sich auf Extremisten beschränke, sei der Antisemitismus für die Experten nicht. „Er kommt aus der Mitte der Gesellschaft“, sagte Benz. „Das gehört zu den Grundtatsachen.“

Mit Blick auf den Antisemitismus unter Muslimen, der derzeit intensiv diskutiert wird, fiel das Fazit von Benz differenziert aus. Zwar lasse sich in muslimischen Ländern ein teils weit verbreitetes Ressentiment feststellen, das sich vor allem auf Israel beziehe, so der Wissenschaftler. Aber: Dessen Ursprünge seien nicht in der Religion angelegt, es handle sich im Gegenteil um Stereotype, die aus Europa verbreitet worden seien. Sie hätten in ihrer heutigen Ausprägung eine politische Grundlage – keine religiöse.

Trotzdem müsse Antisemitismus natürlich immer entschieden bekämpft werden – egal, in welcher Form er sich äußert. Vor allem der Prävention komme hier neben dem Strafrecht eine wichtige Rolle zu, betonte Benz. Denn: „Für Antisemitismus darf es in einer Gesellschaft, die Lehren aus dem Holocaust ziehen will, keine Toleranz geben.“

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