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Tradition

Stolz auf das eigene Dirndl

Von der Stange gibt es das echte Trachteng’wand nicht. Beim Nähkurs in Schmidmühlen sind Unikate entstanden.
Von Josef Popp

  • Vielfalt statt Eintönigkeit – dafür stehen die Trachtenvereine der Oberpfalz. Zu sehen ist diese Vielfalt vor allem auch an den Dirndln. Bei einem Trachtennähkurs in Schmidmühlen entstanden so viele Dirndln in traditioneller Handarbeit, alles echte Unikate. Foto: Josef Popp
  • Jung lernt von „erfahren“: Christiane Wolfsteiner freut sich über die Unterstützung von erfahrenen Trachtlerinnen. Foto: Josef Popp

Schmidmühlen.„Sitt und Tracht der Alten, wollen wir erhalten“: Dies haben sich die Trachtenvereine auf ihre Fahnen geschrieben und diesen Leitspruch wollen sie auch leben. Die Frauen und Männer legen großen Wert auf die Traditionen – und das zeigen sie auch mit ihrem G’wand.

So fallen sie bei jedem Festzug sofort ins Auge, die Trachtenträger der Heimat- und Volkstrachtenvereine aus der Oberpfalz, die sich mit ihrer Bekleidung wand nicht zu verstecken brauchen. Alle vereint nicht nur der tief empfundene Wunsch, Tradition und Brauchtum und damit Werte zu erhalten, sondern auch der Stolz auf das originale Oberpfälzer G’wand, wie man es schon vor mehr als hundert Jahren hatte.

Teilweise historische Vorlagen

„Selbst ist die Frau“ – dies gilt auch bei den Trachtenvereinen. Und für eine aktive Trachtlerin gilt: „Tracht zu tragen ist eine Ehre.“ Da es diese oberpfälzer Tracht, die in ihrem Aussehen und Details auch sehr auf einen Ort oder eine Region bezogen ist, nicht von der „Stange“ zu kaufen gibt, müssen sich besonders halt die Trachtlerinnen selbst behelfen: mit traditioneller Handarbeit.

So trafen sich mehrere Frauen an drei Wochenenden zu einem gemeinsamen Trachtennähkurs beim Trachtenverein in Schmidmühlen. Gemeinsam geht es halt immer besser, zumal man auch immer etwas Neues erfahren kann. Organisiert und vorbereitet hat den Kurs Ilona Reheis vom Heimat- und Volkstrachtenverein Schmidmühlen.

Unter der Anleitung von Gertraud Kerschner, der stellvertretenden Vorsitzenden des Sachausschusses für Trachtenforschung und Trachtenpflege, wurde nach teilweise historischen Vorlagen genäht: Dirndl, Mieder, Rock oder auch Schürzen. Bei diesen Treffen hielt man sich genau an den Schnitt, den Gertraud Kerschner für jede einzelne Teilnehmerin gezeichnet hatte. Die nötigen Utensilien wie Stoff, Nähzeug oder Nähmaschine brachte jede Frau selbst mit.

Da wurde intensiv miteinander getüftelt, probiert und auch mal wieder verworfen. Die Kleidung soll ja nicht nur genau passen, sondern auch gefallen – und man soll sich darin wohlfühlen, wie Gertraud Kerschner erklärt. So entstanden an den Nachmittagen viele Unikate. Rock und Schürze wurden entweder gestiftelt oder in Falten gelegt. Die Mieder wurden teilweise mit Ärmeln erstellt, daher ist hier keine Bluse nötig.

Eine Tracht für jeden Anlass

Und ohne Kopfbedeckung geht „frau“ gar nicht hinaus. Hier hat man bei den Schmidmühlener Trachtlerinnen bereits in den vergangenen beiden Jahren fleißig gearbeitet. In Schmidmühlen trägt man die Bänderhaube – in Schwarz mit schwarzen Spitzen für die verheirateten Damen, in Rot mit weißen Spitzen für die ledigen Mädchen. Oder sie wählen die kostbar gestickte Riegelhaube. 25 bis 30 Stunden Arbeit haben die Frauen in das Nähen und die aufwendige, goldene Stickerei gesteckt.

Neben der „Alltagstracht“ gibt es auch noch einen „Festtagstracht“. Oder bei Beerdigungen eben die Trauertracht – mit Schürze, Tuch, Schmieserl und Strümpfen in Schwarz. Fachkenntnis ist hier gefragt, es kommt auf das Detail an. So kommt diesen Handarbeitstreffen große Bedeutung zu.

Die Trachtendamen treffen sich übrigens regelmäßig und abwechselnd bei verschiedenen Trachtenvereinen. Beim Abschluss im Trachtenheim dankten die beiden Vorsitzenden Gerald Stauber und Markus Mehringer den Leiterinnen Ilona Reheis und Gertraud Kerschner, aber auch allen Teilnehmerinnen für diesen gelungenen Kurs. „Es war uns eine große Ehre, als Gastgeber fungieren zu können“, betonte Gerald Stauber. Und der Vorsitzende weiter: „Mit jedem in traditioneller Handarbeit gefertigten Dirndl wird ein Stück Heimat bewahrt.“ Bereits für den Herbst ist ein neuer Kurs geplant. (ajp)

Blick zurück ins Jahr 1911

  • Bericht:

    In der Monatszeitschrift „Die Oberpfalz“ kann man nachlesen: „Wohl jeder, der die im Festzug vorbeigeführten prächtigen Trachten der Oberpfalz sah, wird bedauern, dass diese immer mehr verschwinden. Möchten daher diejenigen, die noch die Tracht der Eltern und Großeltern tragen, sich nicht beirren lassen, und wer noch solch’ alte Trachten im Besitz hat, möchte sie wieder hervorsuchen und in Ehren tragen.

  • Folgen:

    Dieser kritische Bericht zeigte dann auch seine Wirkung: Die Oberpfälzer besannen sich auf ihr überliefertes Gewand und holten vielerorts wieder ihre bodenständige Tracht aus den Truhen und Schränken. In den darauffolgenden Jahren gründeten sich im Bezirk zahlreiche Heimat- und Volkstrachtenvereine, deren Mitglieder diese Traditionen und die Tracht bewahren und pflegen wollen.

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