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Engagement

Tausende beziehen in Amberg Position

Unzählige Menschen machen bei einer Demonstration deutlich, dass sie für eine soziale und tolerante Gesellschaft stehen.
Von Andreas Brückmann

  • Tausende Amberger machten sich am Freitagnachmittag auf, um ein Zeichen zu setzen. Foto: Andreas Brückmann
  • In der Amberger Altstadt war kaum ein Durchkommen, so viele Menschen strömten zum Start des Demonstrationszuges. Foto: Andreas Brückmann

Amberg.Bereits am frühen Nachmittag, gesagt kurz nach 14 Uhr, gingen die Amberger am Freitag auf die Straße. Besser gesagt, zunächst zum Marktplatz. Oberbürgermeister Michael Cerny eröffnete dort das Fest „Wir sind Amberg“. Drei Stunden später setzte unabhängig davon ein Demonstrationszug ein, den Amberg in dieser Größenordnung bisher noch nicht gesehen haben dürfte.

Und all dies unter dem Motto, für ein friedliches Miteinander einzustehen, die demokratischen Grundlagen zu leben und keinen Menschen auszugrenzen. „Wir alle wissen, dass wir heute kein normales Fest feiern werden. Natürlich ist es ein Fest, aber wir wollen mit der Veranstaltung und der Anwesenheit von vermutlich mehreren tausend Bürgerinnen und Bürgern, die bis heute Abend hier sein werden, einen Gegenpol in der Stadt Amberg setzen“, machte Oberbürgermeister Cerny bei der Begrüßung am Nachmittag auf dem Marktplatz deutlich.

Aktiv für Demokratie eintreten

Hans Lauterbach, einer der Initiatoren des Fests für Toleranz und Menschlichkeit. Foto: Andreas Brückmann
Hans Lauterbach, einer der Initiatoren des Fests für Toleranz und Menschlichkeit. Foto: Andreas Brückmann

Und er betonte: „Nicht nur einen Gegenpol zu dem Treffen einer Partei, sondern besonders einen inhaltlichen Gegenpol gegen alle Bestrebungen, Menschen herabzuwürdigen, einen Spalt in unsere Gesellschaft zu treiben und die Gleichheit aller Menschen in Frage zu stellen.“ Umso wichtiger sei es, aktiv für die Demokratie und das solidarische Miteinander einzutreten.

Aus diesem Grund habe der Amberger Stadtrat anlässlich der Veranstaltung der AfD am Freitagabend im ACC eine parteiübergreifende Erklärung abgegeben, „in der wir mit wenigen Sätzen deutlich machen wollen, wofür wir stehen: Die soziale, die freundliche, die solidarische Stadt. Aber wir stehen auch zu einem geeinten Europa, wie es in unserer bayerischen Verfassung steht“, so Cerny.

Mehr Eindrücke von diesem besonderen Tag für Toleranz und ein friedliches Miteinander in Amberg sehen Sie hier in unserer Bilderstrecke!

Demo für Toleranz in Amberg

Er freue sich, dass parallel auch die Bürger aktiv geworden sind, dass sich viele Ambergerinnen und Amberger überlegt haben, wie sie dieses Anliegen friedlich und kreativ zum Ausdruck bringen können – und dass sie dies auch in die Tat umgesetzt haben, so der OB.

Danach legte der BBou auf dem Marktplatz die ersten Töne in die Amberger Ohren, gefolgt von The Grunge. Nach deren Auftritt war Zeit für Jalapenos Percussion. Gut eine halbe Stunde trommelten sie auf dem Marktplatz. Und mit dem letzten Pfiff aus der Pfeife des Dirigenten erfolgte quasi der Startschuss zur Demo für Toleranz und Menschenrechte.

Unter der Führung der Trommler wanderten gefühlt alle, die sich bisher am Marktplatz befunden haben, die Georgenstraße hinauf in Richtung Regierungsstraße. Dort wurden sie ebenfalls von unzähligen Menschen erwartet, die sich für den Start der Demonstration dort versammelt hatten. Pünktlich um 17 Uhr ging es los.

Viele hatten Plakate mitgebracht. Foto: Andreas Brückmann
Viele hatten Plakate mitgebracht. Foto: Andreas Brückmann

Unter Führung der Amberger SPD zusammen mit 3. Bürgermeisterin Brigitte Netta, im Schulterschluss mit Dr. Klaus Ebenburger von den Grünen, zogen die Menschen in Richtung ACC. Wie viele Tausend es waren, lässt sich auf den ersten Blick nicht abschätzen. Zumindest war der Zug so lang, dass die letzten noch immer am Start in der Regierungsstraße standen, als die ersten Beteiligten schon vor dem ACC Position bezogen hatten.

Wie von den Veranstaltern gewünscht, war es eine Demo mit viel Aussagekraft: Auf unzähligen Schildern taten die Beteiligten ihre Meinung kund. Und dies auch im Bereich des Kurfürstenbads, wo die Initiatoren ihre Bühne aufgebaut hatten. Etwas abgeschottet vom Eingang des ACC, aber doch nahe genug dran, um die Worte von Hans Lauterbach deutlich zu vernehmen: „Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen Bürgern bedanken, die am frühen Freitagnachmittag ihren Hintern bewegt haben, um hier, heute und mit uns ein deutliches Signal zu setzten.“ Dieser Dank galt auch parteiübergreifend: „Alle, egal aus welcher Partei, die heute mit uns hierhergekommen sind, um zusammen zu stehen, gilt unsere Verbundenheit.“ Dabei merkte er an, dass man hier und heute keine Parteipolitik wolle. „Wir wollen hier ein Statement abgeben, für was wir, für was die Amberger Bürger stehen“, betonte Lauterbach.

Eindrücke von einem besonderen Tag

  • Reden

    Hans Lauterbach von „Sulzbach-Rosenberg hilft“, einer Initiative, die sich schon lange um Flüchtlinge kümmert, sprach ebenso bei der Kundgebung am Kurfürstenbad wie Gina Uber als Vertreterin der Künstler aus der Region.

  • Plakate

    „Miteinander – Füreinander. Herz statt Hetze“ war die Botschaft dieses großen Transparents. Auf anderen Plakaten hieß es: „In meinem Land ist Krieg, ich möchte in Frieden leben“, oder „Ich bin aus einer Diktatur geflohen, ich sehne mich nach Menschenrechten“.

  • Musik

    Bei dem Fest auf dem Amberger Marktplatz traten bis zum Abend mehrere Bands auf. Zu ihnen gehörte die Percussiongruppe Jalapenos – die Trommlerinnen und Trommler führten dann auch den Demonstrationszug an.

  • Angebot

    Beim Fest für Menschlichkeit auf dem Marktplatz waren auch Vertreter von den Jurawerkstätten der Lebenshilfe Amberg-Sulzbach. Sie informierten über ihre Arbeit mit und für Menschen mit Behinderung und haben sich auch für Kinder etwas einfallen lassen. (abm)

Einstehen für gemeinsames Wir

„Miteinander – Füreinander. Herz statt Hetze“ stand auf dem großen Transparent an der Spitze des Zuges. Foto: Andreas Brückmann
„Miteinander – Füreinander. Herz statt Hetze“ stand auf dem großen Transparent an der Spitze des Zuges. Foto: Andreas Brückmann

Er freute sich sichtlich: „Wenn ich in die Runde schaue, dann habt ihr das getan, was wir uns gewünscht haben. Ihr habt ultra viele Plakate mitgebracht – wenn man das so liest, ist man einfach nur beeindruckt.“ Für die Amberger Künstler sprach Gina Uber: „In Zeiten, in denen im Wahlprogramm zu lesen ist, dass politisch korrekte Kunst und Bildung nicht mehr gefördert werden soll, ist es für uns Künstler wichtig, sich zu positionieren.“

„Ja, wir dürfen streiten, ja wir dürfen zweifeln. Ja, wir dürfen unsere Meinung kundtun. Und dafür stehen wir. Für ein gemeinsames Wir“ – so das Resümee der vielen, die vor das ACC gekommen waren. Als die politischen Gäste der AfD eintrafen, wurde es lautstark bei den Demonstranten, bevor sie anschließend noch am Marktplatz gemeinsam weiterfeierten.

Bei einem Fest, bei dem Ambergs Oberbürgermeister Michael Cerny bekannte: „Ich habe einen Riesenrespekt für das, was unsere Bürger hier aufgezogen haben! Ein Post in Facebook ist schnell und leicht geschrieben, aber ein Fest wie dieses zu organisieren ist sehr, sehr viel Arbeit. Allen dafür Verantwortlichen kann ich im Namen der Stadt Amberg nicht genug danken!“

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