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Kultur

Theater mit aktuellen Bezügen

Das Wiener Forum Theater zeigte „Draußen vor der Tür“. Die Schülerinnen des Decker-Gymnasiums waren beeindruckt.

Das Wiener Forum Theater (im Bild Valentin Kurzeis und Andrea Ostermann) überzeugte durch seine eindringliche Darstellung. Foto: Ringeisen
Das Wiener Forum Theater (im Bild Valentin Kurzeis und Andrea Ostermann) überzeugte durch seine eindringliche Darstellung. Foto: Ringeisen

Amberg.Mit einfachsten Mitteln gelang es den vier Schauspielern des Wiener Forum Theaters, „Draußen vor der Tür“ – das berühmteste Theaterstück der sogenannten „Trümmerliteratur“ – nicht nur zum Leben zu erwecken, sondern auch dem jungen Publikum dessen Bedeutung für die Gegenwart ins Bewusstsein zu rücken. Ein paar Baustrahler für die Beleuchtung, ein schwarzer Hintergrundvorhang, auf dem Schwarz-Weiß-Fotos aus im Zweiten Weltkrieg zerbombten Städten gezeigt wurden, und ganz wenige Requisiten – das reichte, zusammen mit effektiv eingesetzten Kostümen und den engagierten Schauspielern des Wiener Forum Theaters für eine eindrucksvolle Vorstellung für die Oberstufe des Dr.-Johanna-Decker-Gymnasiums.

Eine aufs Wesentliche reduzierte Einführung nannte den Schülerinnen den historischen Kontext, knappe biografische Informationen über den Autor, Wolfgang Borchert, und über die Entstehungsgeschichte des Dramas, das zunächst als Hörspiel konzipiert war und gesendet wurde.

Dann ging es hinein in die erschütternde Situation des Kriegsheimkehrers Beckmann: „Ein Mann kommt nach Deutschland“, so der Originaltitel. Nicht nur, dass er sich in der zerstörten Heimat kaum noch zurechtfindet, dass seine Frau nun (nach drei Jahren Kriegsgefangenschaft) einen anderen Mann hat, dass seine Eltern nicht mehr am Leben sind – nein, was Beckmann am meisten quält, ist sein schlechtes Gewissen. Sein Bewusstsein der Schuld, die er auf sich geladen hat, weil eine von ihm befehligte Gruppe von Soldaten in einen Hinterhalt geriet und etliche dabei starben – die Verantwortung für diese Toten lastet ihm auf der Seele. Die Hauptfigur wurde kraftvoll verkörpert von Valentin Kurzeis, dessen sonore Stimme dem Beckmann eine einprägsame Note gab.

Der Vorschlag des immer positiv gestimmten „Anderen“ (Peter Arnt, der den hohlen und hilflosen Optimismus treffend vermittelte), diese Verantwortung „zurückzugeben“, erweist sich als unausführbar. Der Oberst (Walter Förster), an den Beckmann sich wendet, lacht ihn aus und verspottet ihn ob seiner Gewissensbisse So landet Beckmann am Ende wieder bei der Elbe, in die er sich schon am Anfang stürzen wollte (einfühlsam und wandelbar: Andrea Ostermann).

Besonders eindringlich gelangen dem perfekt aufeinander eingespielten Ensemble die Bezüge zur Gegenwart – der Hinweis darauf, dass auch heute an vielen Orten der Welt Krieg herrscht, dass Krieg immer furchtbare Opfer fordert, vor allem von den Schwächsten, und dass es immer Kriegsprofiteure gibt, die mit dem Verkauf von Waffen und Munition ein Geschäft machen. Organisiert hatte die Aufführung die Fachbetreuerin für das Fach Deutsch, Studienrätin i. K. Julia Simbeck.

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