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Musik

Volksmusik für die Jugend: Funky, kritisch, derbe

Mit derbem und ehrlichem Rap reizt der „Boarische Bou“ die Grenzen des bayerischen Humors aus – natürlich im Dialekt.
Von Christina Ott

Tätowiert und mit Bandana präsentiert sich der Bou auf der Bühne: Klischees sind nichts für den bayerischen Dickschädel.

Amberg. Auf Bayerisch grantelt sich’s immer noch am besten – das findet auch der Michl, Boarischa Bou, BBou oder einfach nur Bou. Seinen richtigen Namen will er nicht verraten, der habe nichts mit seiner Musik zu tun. Wohl aber verrät er in seinen Tracks, was er alles mit seinem „Schlegel“ anstellen kann... Mit bayerischem Humor, der auch mal unter die Gürtellinie gehen darf, zeigt der Rapper seinen Kollegen, wie der Hip-Hop hier in Bayern ausschauen sollte: „Du kummst aas Germany, also rap gfälligst deitsch“, stänkert er im Song „Dey boarische Jugend“.

Optisch verkörpert er sein Bundesland, aber nicht auf traditionelle Weise. Auftritte in Tracht wären für ihn viel zu klischeehaft. Und das passe seinem bayerischen Dickschädel gar nicht. Voll tätowiert und mit Bandana – immerhin blau-weiß – repräsentiert er sich eben als ehrliches Original.

Seine Wurzeln hat er in der Oberpfalz, Vilstal, Wolfsbach. Wie schön es da sein kann, hört man in seinem Song „An der Vils“. Als er später die Wirtschaftsschule in Amberg besucht, stellt er fest: „Da kommt man vom Dorf nach Amberg und redet Bayerisch. Die Stadtleute nicht. Da fängt man an, sich anzupassen.“ In Amberg gründet er schließlich eine Rap-Gruppe, die er aber wieder verlässt: „Ich hab einfach nicht dazu gepasst, persönlich und musikalisch“, sagt der 25-Jährige.

Weg von der Crew tüftelt er daheim zum Spaß an seinem eigenen Sound und entdeckt: „Ich red schon immer Bayerisch, nur so kann ich meine Gefühle ausdrücken. Nur so können andere das auch fühlen.“ Daraus entstehen Tracks wie „Es hod a zeit gem“, in denen es heißt: „Gefühle kannst bloß vermitteln, wennst di gibst weyst a wirklich bist und niad weystes gern sa mechst zefix. i rap in der sprouch, dey i glernt hob, und jeder dem, des niad basst, ka mi gern hom“.

Und das kommt richtig gut an. Sein erstes Mix Tape „Aaf dy Xicht“ schlägt ein wie eine Bombe, und auch mit seinem neuen Album „Guad und Fesch“ haben wieder so einige Jugendliche seinen ganz speziellen Sound im Ohr. Einen Sound, der sich nicht so einfach in irgendeine Schublade stecken lässt.

Seine Beats macht er wie seine Texte natürlich selbst. Funky, kritisch, derbe – nein, da Bou nimmt kein Blatt vor den Mund: „Mir taugt das Aggressive, das Leute beschimpfen. Da kann ich mal richtig aus mir raus gehen. Und auf Bayerisch bleibt das irgendwie immer noch sympathisch.“

Um den großen Erfolg oder Geld geht’s dabei nicht. Wohl aber möchte er einen Anstoß geben: „Die Leute sollen sich nicht so ernst nehmen und nicht so konservativ denken, sondern einfach das, was sie sind, auch repräsentieren.“

Wer sich selbst ein Bild vom Bou und seinem speziellen bayerischen Humor machen will, kann das am 25. Dezember im Trio Club auf der „Weiß-Blauen Weihnacht“ machen.

Download des Albums „Fesch und Guad“ kostenlos unter boarischabou.de

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