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Bildung

Vom Martinsturm zum wilden Baden

Der neue Eisengau beschäftigt bietet wieder vielfältige und interessante Einblicke in die Geschichte der Heimat.

Der Amberger Martinsturm, das Titelbild des neuen Bandes Foto: Der Eisengau
Der Amberger Martinsturm, das Titelbild des neuen Bandes Foto: Der Eisengau

Amberg.Breit ist die Spanne der Artikel im neuen Eisengau, Band 52. So beschreibt Dr. Johannes Laschinger die Geschichte der Freibäder, von denen in der Vils bis hin zum heutigen Hockermühlbad. Nicht zu vergessen die Militärschwimmbäder und das wilde Baden in der Vils und am Haidweiher. Das gab die Redaktion des Eisengaus in einer Pressemitteilung bekannt.

Gesittet ging es zu, oft in getrennten Abteilungen für Männer und Frauen, auch in Badekabinen in der Vils. Dabei bot das Hockermühlbad, ursprünglich auch Militärbad, vor allem in den 1950er und 60er Jahren auch Live-Musik und Tanzveranstaltungen.

Der Artikel von Dr. Roland Brey über die Vita und das Lebenswerk des Schwandorfer Stadtphysikus und Sulzbacher und Amberger Landgerichtsarztes Dr. Christoph Raphael Schleis von Löwenfeld hat dessen Aktivitäten in sozialer und medizinischer Hinsicht zum Wohle der Bevölkerung Bayerns zum Inhalt. So engagierte er sich für eine bessere Ausbildung des medizinischen Personals, für den Einsatz akademisch ausgebildeter Ärzte, für die Seuchenbekämpfung, eine bessere Ausbildung der Hebammen und fertigte ein Sittengemälde der Sulzbacher Bevölkerung zu Beginn des 19. Jahrhunderts.

Tanzen erregt die Leidenschaften

Darin kritisiert er das Tabakrauchen, das Tanzen, „das die Leidenschaften errege, übermäßig erhitze und ermüde und zu Lungenkrankheiten führe, wobei auch die schlechte Luft in den Tanzräumen eine Rolle spielt“. Schließlich wurde nach furchtbaren Epidemien oft gegen den Widerstand seiner Kollegen in Bayern die Pockenimpfung eingeführt. Der Autor bezeichnet Schleis von Löwenfeld als „Pionier der öffentlichen Gesundheit“.

Marianne Moosburger befasst sich mit dem Wirken des Abtes Mathias Prechtl. Er, Ende des 18. Jahrhunderts zum Priester geweiht, war unter anderem als Pfarrer in Gunzendorf, als Bibliothekar und Moraltheologe im Kloster Michelfeld, als Pfarrer in der Malteser-Kommende Amberg und als Rektor des Amberger Gymnasiums tätig. Als Abt des Kloster Michelfeld war ihm, kurz vor der Säkularisation, vor allem die Bildung Jugendlicher ein Anliegen.

Vergebens waren seine Versuche, die Auflösung des Klosters aufzuhalten. Trotz seiner Verbitterung über das Geschehen versuchte er seine Mitbrüder, der negativen Auswirkungen wegen, von unüberlegten Handlungen abzuhalten. Entkräftet starb er 1832 in Amberg – ein Gedenkstein an der Katharinenkirche erinnert an ihn. Nachdem der ehemalige Stadtheimatpfleger Otto Schmidt in Band 17 des Eisengaus die Geschichte des Amberger Martinsturms beschrieben hat, beinhaltet dieser Band aus aktuellem Anlass die Restaurierungen des Martinsturms und der Fassade der Kirche. Während es Aufgabe von Dieter Dörner war, die Arbeiten nach der Beschießung des Turmes während des Spanischen Erbfolgekrieges und die in den Folgejahren notwendigen Verschlauderungen des Turmes zu beschreiben, vollzogen Kirchenpfleger Josef Beer und Architektin Carola Setz die Restaurierungsarbeiten in den Jahren 2012 bis 2017 nach.

Schicksal der Kirchen

Walter Schraml, bekannt durch sein Engagement für die Dokumentations- und Informationsstätte St. Martin in Ermhof, Gemeinde Neukirchen, gedenkt in seinem Artikel der ebenfalls abgegangenen Kirche St. Johannes der Täufer in Tannlohe, Gemeinde Birgland. Beide Kirchen gehörten einst zum Kloster Kastl, beide wurden unter dem Sulzbacher Herzog Christian-August simultan, beide brauchte man nach der Säkularisation nicht mehr. Während die Kirche in Tannlohe bereits vor 160 Jahren verkauft und abgerissen, dass Abbruchmaterial zum Hausbau verwendet wurde, blühte der Ermhofer Kirche, inzwischen Ruine, erst 100 Jahre später das gleiche Schicksal. Hier diente das Abbruchmaterial der Befestigung benachbarter Wirtschaftswege.

Schließlich noch der Grubenaufstand, der „Lebenslauf“ des Karlschachtes, des sogenannten Westbaus der Amberger Erzformation aus den 1930er Jahren. Damals bestand noch keine Verbindung unter Tage zwischen West- und Ostbau. Das im Karlschacht geförderte Erz wurde in Hunten zum Wetterschacht des Westbaus transportiert, ging dort unter Tage zum Barbaraschacht, durch den Luitpoldstollen zu den Hochöfen der Luitpoldhütte.

Der Eisengau

  • Titel:

    Die Bezeichnung „Der Eisengau“ geht auf die 1000-jährige Tradition der Region Amberg-Sulzbach-Auerbach im Eisenerzbergbau, in der Eisenverarbeitung und im Eisenhandel zurück. Erstmals wurde er 1992 herausgegeben.

  • Band 52:

    Der Eisengau, Band 52, kann ab Montag für 9,20 Euro im Buchhandel oder per E-Mail-Adresse an geschichtsnetzwerk.oberpfalz@gmx.de bei der Redaktion erworben werden.

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