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Bildung

Von der Depesche zum Tweet

Eine spannende Sonderausstellung im Amberger Staatsarchiv beschäftigt sich mit der Übermittlung von Nachrichten.
Von Josef Schmaußer

Sie gestalteten den sehr informativen und gut angenommenen „Tag der Archive“ im Staatsarchiv Amberg: Jochen Rösel, Dr. Till Strobel, Dr. Martin Dallmeier und Archivdirektorin Dr. Maria Rita Sagstetter (von links).  Foto: Josef Schmaußer
Sie gestalteten den sehr informativen und gut angenommenen „Tag der Archive“ im Staatsarchiv Amberg: Jochen Rösel, Dr. Till Strobel, Dr. Martin Dallmeier und Archivdirektorin Dr. Maria Rita Sagstetter (von links). Foto: Josef Schmaußer

Amberg.Das Staatsarchiv Amberg (StAA) beteiligte sich mit der Sonderausstellung „Kommunikation. Von der Depesche bis zum Tweet“ am „Tag der Archive“. Bei ihrer Begrüßung wies Archivdirektorin Dr. Maria Rita Sagstetter auf die vielfältigen Aufgaben ihres Hauses hin. Bei der gut besuchten Veranstaltung nannte die Leiterin des StAA die Ausstellung einen „Kraftakt“ und dankte ihren Mitarbeiterinnen für das erhöhte Engagement.

Für den ersten Vortrag konnte Dr. Martin Dallmeier, langjähriger Vorsitzender des „Historischen Vereins für Regensburg und die Oberpfalz“ und Mitarbeiter im Hause Thurn und Taxis, gewonnen werden. Sein Thema „Die kaiserliche thurn und taxissche Reichspost in der Oberpfalz. Entstehung – Strukturen – Ausformung 1527 – 1808“ gab interessante, oft überraschende Einblicke in das damals neuartige Kommunikationswesen. Die Anfänge der „Post“ in unserem heutigen Sinn geht auf den jungen König Maximilian I. zurück. Er ließ 1490 eine neuartige Kommunikationseinrichtung einrichten mit der Idee, im Unterschied zum mittelalterlichen Botenwesen, die Botschaft nicht mehr durch einen einzigen Boten, sondern durch eine Kette von Posten, Postreitern vom Absender zum Empfänger befördern zu lassen. Die lateinischen Wörter „posita statio“ bezeichnete ursprünglich jenen Ort auf einer Route, an dem Pferde und/oder Reiter bereitgehalten wurden, um Briefe und Nachrichtensendungen zu übernehmen und mit frischen Kräften weiter zu befördern.

Familie Taxis erhält Zuschlag

Die in Italien im Kurierwesen erfahrenen Taxis aus dem Bergdorf Cornello bei Bergamo übernahmen im Jahre 1490 auf königlichen Wunsch hin den Aufbau und Ausbau des neuen „Postkursnetzes“. Sie hatten bereits seit etwa 50 Jahren Erfahrungen im Boten- beziehungsweise Postwesen der Serenissima in der Republik Venedig und im päpstlichen Postwesen gesammelt.

Da dieses neue Kommunikationssystem zunächst nur für die dynastischen und politischen Belange der Habsburger genutzt werden sollte, überzog alsbald ein Kursnetz halb Europa: von Neapel im Süden bis Antwerpen und Brüssel/Mechelen im Nordwesten, oder von Granada in Andalusien im Westen bis nach Wien im Osten. Also, grob gesprochen: den Machtbereich des deutschen und spanischen Habsburgerreiches. Erst allmählich wurde aus finanziellen Notwendigkeiten dieser delegierte monopolistische Staatsbetrieb für dynastische Kommunikationsbelange des Habsburgerreiches auch für private Postsendungen geöffnet. Die Beförderungsgebühren, also das Franco oder Porto für die Privatbriefe, sollten zunehmend die schwindenden Subventionen der habsburgischen Herrscher (Kaiser und Könige) ersetzen. Entscheidend für den schnellen Aufstieg der nun öffentlichen Post war dabei die Erhöhung der Beförderungsgeschwindigkeit durch die Anlage von Relais- oder Poststationen in regelmäßigen Abständen.

Abstand der Stationen verringert

1490 zunächst wurden diese im Abstand von zirka 36 km (fünf Meilen) angelegt, zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde von zwei Meilen (14 bis 15 km) oder einer Post(Meile) als gewöhnliche Entfernung zwischen zwei Stationen ausgegangen. Dies war anscheinend jene Distanz, in der die optimale Beförderungsgeschwindigkeit unter Ausnutzung der Kraftressourcen von Mensch (Postreiter) und Tier (Pferd) erreicht werden konnte. Erst mit dem Aufkommen der Eisenbahn seit der Mitte des 19. Jahrhunderts kam es zu einem neuen Quantensprung bei der postalischen Beförderungsgeschwindigkeit. 1808 beendete eine Verordnung von König Max I. Joseph das Postregal der Familie Thurn und Taxis. Das Postwesen kam in staatliche Regie. 1920 endete die bayerische Selbständigkeit des Post- und Telegrafenwesens. Das Reichspostministerium beende das Reservatsrecht von Bayern.

Informationen

  • Aufbau:

    Jochen Rösel vom StAA gab einen Überblick über den Aufbau der Ausstellung. Diese kann bis zum 9. April von Montag bis Freitag zu den üblichen Öffnungszeiten besucht werden.

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