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Region Amberg
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Heimat

Von Hutmachern, Ärzten und Pfarrern

Straßennamen in Schmidmühlen halten die Erinnerung wach an vergangene Zeiten und an besondere Menschen.
Von Josef Popp

Ein großer Fortschritt für den Markt Schmidmühlen war es, als im Jahr 1913 die Hauptstraße gepflastert wurde. Foto: Markt Schmidmühlen/Heimatkundlicher Arbeitskreis

Schmidmühlen.Jeder weiß heute sein Geburtsdatum, seinen Namen und seine Adresse. Und zu jeder Adresse gehört ein Straßenname. Doch wer oder was steckt hinter diesen Namen?

Fragt man bei den Anliegern nach, gibt es oft nur ein Achselzucken. Warum gibt es in Schmidmühlen eine Dr.-Pfab-Straße und warum führt sie gerade zur Schule? Oder: Wer waren die von Adrian oder die von Aretin, nach denen zwei Straßen benannt wurden? In einem Heimatprojekt erkundeten die Heimatkundler Michael Koller und Josef Popp die Bedeutung und die Herkunft vieler Straßennamen.

Straßennamen haben um die Jahrhundertwende zunehmend die Hausnamen abgelöst. Viele der Bezeichnungen in Schmidmühlen haben keine besondere Bedeutung und es gibt sie in vielen Gemeinden oder Städten. Einige aber haben einen festen Bezug zur Heimatgeschichte, zur Ökologie, zu Flurnamen oder Ökonomie.

Vieles ist in den vergangenen Jahrzehnten in Vergessenheit geraden. So zum Beispiel der Verlauf des ursprünglichen Angers („Am Anger“) – nur wenige wissen von der einstigen Zweiteilung. Ein Teil der heutigen Hauptstraße war früher der Obere Anger. Der Anger bestand in den 1930er Jahren aus einem oberen und unteren Anger, wobei der obere der kleinere Teil war. Der Beginn des oberen Angers war erkenntlich durch das Ende der mit Granitsteinpflaster befestigten Hauptstraße bei den Familie Puchta (Schmiedemeister), das Ende bei der Eisernen Brücke.

Manche Straßen waren einst zwei

Schmuck hergerichtet präsentiert sich heute die Hauptstraße. Foto: ajp

Die Hauptstraße hieß übrigens nicht immer so. Sie war einst zweigeteilt in Langgasse und Langbruck (früher war der Verlauf der Vils anders und führte direkt am Ortszentrum vorbei). Der Straßenabschnitt Langbruck wurde später auch als Oberer Anger bezeichnet. Nach der Vilsverlegung entstand ein durchgängiger Straßenzug. Während des Dritten Reichs erhielt die Straße die Bezeichnung „Adolf-Hitler-Straße“. Nach 1945 wurde sie in Hauptstraße umgewidmet. Sie ist nach wie vor die zentrale Straße im Ortszentrum. 1913 wurde sie gepflastert – ein echter Fortschritt für den Markt.

Mehrmals unbenannt wurde ebenso die Hammerstraße, die bei der ehemaligen Ankerwirtschaft von der Hauptstraße abzweigt. Ursprünglich war sie geteilt in Hammergasse und Hutergasse. Bei der Hammergasse war der Bezug zum Hammerschloss gegeben, in der Hutergasse wohnten und arbeiteten einige Hutmacher. Während des Dritten Reichs war ein Teil, die Gabelung in beide Straßen, in „Hindenburg-Platz“ unbenannt. Nach 1945 erhielten beide Straßen den Namen „Hammerstraße“.

Nur wer seine Vergangenheit kennt, kann seine Zukunft sinnvoll gestalten.“

Manfred Puchta, ehemaliger Bürgermeister (+)

Eine zentrale Nebenstraße der Hauptstraße ist die Poststraße – und sie ist auch geschichtlich interessant. Zuerst war im ehemaligen Gasthaus Rubenbauer („Gasthaus Zur Post“) eine Wechselstation für die Postkutschen untergebracht – daher stammt auch die Bezeichnung. In Schmidmühlen wurde im Oktober 1853 die Post zur „Postexpedition“ erhoben, ab 1902 hieß sie „Postagentur“. Der Postkutschen- und Postomnibusbetrieb ging vom Posthalter „Gasthof zur Post“ ab und kam auch hier wieder zurück. Bis 1963 war in der jetzigen Poststraße das Postamt untergebracht.

Langes Wirken im Markt

Die beiden Hofärzte Pfab haben der Schule eine Stiftung vermacht – daher wurde die Straße zur Grundschule nach ihnen benannt. Foto: ajp

Ebenfalls im Ortszentrum befindet sich die Pfarrer-Härtle-Straße. Pfarrer Härtle wurde am 11. Dezember 1882 in Cham geboren. Am 27. Mai 1906 wurde er zum Priester geweiht. Seinen Dienst als Pfarrer in Schmidmühlen trat er am 5. Februar 1925 an und bis zu seinem Tod am 14. Februar 1953 wirkte er im Markt, wo er schließlich auch seine letzte Ruhestätte gefunden hat.

Eine Straße am Brunnlettberg wurde ebenfalls nach einem Priester benannt: Pfarrer Otto Gillitzer. Er erblickte am 10. November 1904 in Schönsee das Licht der Welt, 25 Jahre später, am 29. Juni 1929, erhielt er die Priesterweihe. Otto Gillitzer war Pfarrer, Dekan und Geistlicher Rat und wirkte vom 1. April 1953 bis 1. August 1974 in Schmidmühlen. Ihm folgte Georg Braun, der bis zu seiner Ruhestandsversetzung im Jahr 2010 Pfarrer in Schmidmühlen war.

Doch wer war nun Dr. Pfab? Es waren zwei Brüder: Die Hofärzte Dr. Joseph Pfab und Dr. Moritz Pfab aus Wien, gebürtig in Schmidmühlen, vermachten der Schule eine Stiftung. Aus deren Ertrag sollten der Oberlehrer und ein Kleinlehrer alljährlich eine Zuwendung erhalten. Zugleich wurde die Förderung von besonders begabten Kindern als Stiftungszweck ausgewiesen. Aus diesem Grund wurde ihnen die Straße zur Grundschule gewidmet.

Heimatgeschichte

  • Die Leitidee

    Nicht die große Geschichte wurde in Schmidmühlen gemacht, aber deren Auswirkungen auf die Gemeinde und das Leben darin waren es wert, sie festzuhalten. Das ist die Leitidee für das Heimatbuch des Markts Schmidmühlen, das 2001 erschienen ist.

  • Die Geschichten

    Gleichermaßen gilt das für den Heimatkalender, der seit 2014 mit historischen Bildern durch das Jahr begleitet. Die Geschichten hinter diesen Schwarz-Weiß-Aufnahmen erzählt die Mittelbayerische regelmäßig. (mi)

Unternehmer und Beamte

Und die von Adrian oder die von Aretin? Freiherr Ferdinand Leopold von Adrian war von 1785 bis 1810 Besitzer des Hammergutes und der Papiermühle. Georg Freiherr von Aretin gilt als einer der „ruhmreichen“ Besitzer der Hofmark Winbuch.

Aretin wurde am 29. März 1771 in Ingolstadt geboren. Zusammen mit seinem jüngeren Bruder studierte er in Heidelberg. 1793 erhielt er die Stelle eines Rentdeputationsrates in Neunburg, 1796 wurde er Hofkammerrat und Straßendirektor in den Herzogtümern der Oberpfalz, Sulzbach und Amberg. Nach seiner Beförderung 1799 zum Direktor der 4. Deputation zeichnete er verantwortlich für Forst-, Bau- und Kulturangelegenheiten. Ab 1802 war er Mitglied der Kommission zur Verbesserung des Steuerwesens, die sich in Amberg befand. 1806 wurde er Wasserdirektor in Tirol und 1808 zum Generalkommissär des Eisacktales befördert.

Bei dem im Frühjahr 1809 ausgebrochenen Aufstand wurde er mit anderen bayerischen Staatsbeamten nach Klagenfurt und dann nach Fünfkirchen deportiert; zu Pressburg wurde er gegen den bekannten Freiherrn von Lebzelten ausgetauscht. Später widmete sich Aretin dann ausschließlich den Künsten, den Wissenschaften und der Landwirtschaft.

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