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Region Amberg
Donnerstag, 26. April 2018 13° 2

Warnstreik

Warnstreik an vier Grammer-Standorten

Die Beteiligung an der Arbeitsniederlegung in Haselmühl war groß. Den Beschäftigten geht es auch um Wertschätzung.
Von Gerd Spies

  • Eine Abordnung der Arbeitnehmer zeigte sich nach dem Warnstreik im Betriebsgelände bei Grammer auch am Haupttor. Foto: Spies
  • Lars Roder, der Betriebsratsvorsitzende von Grammer in Haselmühl Foto: Spies
  • Peter Kern kämpft mit der IG Metall um den Kündigungsschutz für ältere Arbeitnehmer. Foto: Spies

Kümmersbruck.Die IG Metall in Bayern weitet die Warnstreiks aus. In insgesamt 62 Betrieben der Metall- und Elektroindustrie legten am Freitag, 12. Januar, viele Mitarbeiter für kurze Zeit ihre Arbeit nieder, um den Forderungen der IG Metall bei den laufenden Tarifverhandlungen Nachdruck zu verleihen. In der Region traf es an diesem Tag die vier Grammer-Standorte; am Mittwoch waren die Siemens-Werke in Amberg und Kemnath dran.

Pünktlich um 11 Uhr legten an allen vier Standorten der Grammer AG, in der Amberger Konzernzentrale ebenso wie in Haselmühl, Immenstetten und Schafhof, die Beschäftigten ihre Arbeit nieder, um an den Kundgebungen der Gewerkschaft teilzunehmen. Bewusst wählte die IG Metall den Ort der Kundgebung an allen Standorten immer innerhalb des Betriebsgeländes, um gegenüber der Betriebsleitung ein deutliches Zeichen zu setzen.

Allerdings wurde dadurch den Medien der Zugang zu den Veranstaltungen verhindert. Deshalb zogen in Haselmühl nach der Kundgebung in der Montagehalle zahlreiche Grammer-Kollegen mit den Vertretern der Gewerkschaft vor das Werkstor in der Köferinger Straße und suchten das Gespräch mit den Medien.

450 Teilnehmer beim Warnstreik

Mit 450 Teilnehmern waren fast zwei Drittel der 700 aufgerufenen Mitarbeiter dem Aufruf der Gewerkschaft gefolgt und kamen zur Kundgebung in die Montagehalle, berichtete Udo Fechtner, der 2. Bevollmächtigte der IG Metall und Leiter des Warnstreiks in Haselmühl. Fechtner war selbst vor seiner Tätigkeit bei der Gewerkschaft Personalratsvorsitzender bei dem Betrieb in Haselmühl. „Wenn die Arbeitgeber den Streik wollen, dann können sie ihn haben“, gab Lars Roder, der amtierende Betriebsratsvorsitzende bei der Grammer AG am Standort Haselmühl, die Marschrichtung der Arbeitnehmer vor. Die Absicht des Arbeitgeberverbands, die Quotenbeschränkung für 40-Stunden-Verträge abzuschaffen, treffe aus seiner Sicht die Gewerkschaft ins Mark. Andererseits stießen die Arbeitnehmer-Forderungen beim Thema befristete Arbeitszeitverkürzung für bestimmte Gruppen auf taube Ohren. „Wir wollen bei diesem Thema den Fuß in die Tür kriegen“, erklärte der Betriebsratsvorsitzende die Absicht der Gewerkschaft. Dass Kampfbereitschaft vonseiten der Gewerkschaft zum Erfolg führen könne, würden die Ergebnisse des Tarifstreits im vergangenen Jahr belegen, betonte er.

Der Tarifkonflikt

  • Das will die IG Metall

    Die IG Metall fordert eine Entgelterhöhung um sechs Prozent für eine Laufzeit von zwölf Monaten, kürzere Arbeitszeit bis 28 Stunden pro Woche bei Kinderbetreuung, Pflege und belastender Arbeit mit Entgeltüberschuss, bis zu zwei Jahre befristet mit Rückkehrrecht, sowie freie Tage zur Prüfungsvorbereitung für Auszubildende.

  • Die Vorstellungen der Arbeitgeber

    Die Arbeitgeber haben eine Einmalzahlung von 200 Euro für die Monaten Januar bis März 2018 und eine Tabellenerhöhung von zwei Prozent ab April 2018 für eine Laufzeit von 15 Monaten bis zum 30. März 2019 angeboten, wollen ferner die Abschaffung der Quotenbeschränkung für 40-Stundenverträge und die Abschaffung des Kündigungsschutzes für ältere Arbeitnehmer/innen. (age)

Sorge um den Arbeitsplatz

Unter den Teilnehmern des Warnstreiks ist auch Peter Kern, seit vielen Jahren Beschäftigter bei der Firma Grammer. Die Absicht der Arbeitnehmer, den Kündigungsschutz für Arbeitnehmer über 50 Jahre bei mindestens 15 Jahren Betriebszugehörigkeit abzuschaffen, könnte auch ihn treffen, deshalb kämpft er auf der Seite der Gewerkschaft. „Seit 35 Jahren bin ich mit Grammer durch alle Höhen und Tiefen gegangen, jetzt laufe ich Gefahr, dass ich rausgeworfen werde!“ Aus der Sicht von Peter Kern sehe Wertschätzung der älteren Betriebsangehörigen anders aus.

In der kommenden Woche würden die Streik-Aktivitäten der IG Metall intensiviert, kündigte Udo Fechtner jetzt schon mal am Haupttor von Grammer AG in Haselmühl an. Sollte sich bis dahin bei den Tarifgesprächen nichts bewegen, dürften also noch mehr Betriebe auch in der Region von Warnstreiks betroffen sein.

Zwei Tage zuvor, am Mittwoch, waren die Siemens-Mitarbeiter in einen Warnstreik getreten.

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