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Aktionstag

Was Alltagsdokumente vom Krieg erzählen

Bevor die Fachkräfte in Position waren, standen die Besitzer von Kostbarkeiten und echten Raritäten schon Schlange.
Von Mariele Schön

  • Dr. Achim Fuchs hörte aufmerksam zu, was die Besitzer – hier im Bild rechts Roland Schenke aus Schwandorf – zu den Stücken zu erzählen wussten.
  • Dieter Dörner, Vorsitzender des Historischen Vereins, scannt selbst mit ein.
  • Wilhelm Bauer aus Amberg brachte drei Helme mit, die ein Regimentsangehöriger aus Ansbach getragen hatte.

Amberg. Der Aktionstag zum Onlinearchiv „Erster Weltkrieg in Alltagsdokumenten“ am gestrigen Donnerstag in der Provinzialbibliothek Amberg war ein echter Erfolg. Die Leiterin der Provinzialbibliothek, Siglinde Kurz, war sichtlich begeistert über so viel Zuspruch und Interesse daran.

Noch bevor offiziell die Dokumentierung begann, waren die Leute schon da. Teils mit großen Taschen kamen die Besitzer von Erinnerungsstücken in die Amberger Provinzialbibliothek, zeigten sie den Fachkräften und erzählten die Geschichten dazu. Roland Schenke aus Schwandorf brachte etwa ein Familienbild der Oma mit.

„Der junge Mann, der darauf zu sehen ist, war zwei Jahre lang im Krieg. Er ist drei Tage vor Weihnachten 1916 gefallen und zwar an der Westfront von Verdun bei einem Giftgaseinsatz“, berichtete Schenke. Dr. Achim Fuchs, ehemals Archivar im Kriegsmuseum in München, hörte interessiert zu und dokumentierte alles, bevor er die Erinnerungsstücke wieder zurückgab.

Kurz darauf holte Wilhelm Bauer aus Amberg drei Helme aus seiner Tasche. Ein Regimentsangehöriger aus Ansbach habe sie getragen. Einer davon sei ein „Czapka“ oder „Ulanenhelm“, klärte er den Fachmann über sein Wissen auf. Gut, dass die Bibliothek über ausgewählte Fachliteratur verfügt und so brachte die Leiterin der Provinzialbibliothek, Siglinde Kurz, zur Zuordnung den Bildband „Die deutsche Armee im ersten Weltkrieg“.

Ziel des Aktionstages im Rahmen des Projekts „Erster Weltkrieg in Alltagsdokumenten“ war und ist, Schriftstücke und Objekte aus der Zeit von 1914 bis 1918 in digitaler Form zu sammeln. Bis 2014, dem Jahr, in dem sich der Ausbruch des Ersten Weltkriegs zum 100. Mal jährt, sollen in mindestens zehn Ländern Europas Schriftstücke und Objekte gesammelt sein.

Neben den Fachleuten aus dem Stadt-, dem Staats-, dem Kriegsarchiv und von der Provinzialbibliothek war auch Dieter Dörner, Stadtführer und Vorsitzender der hiesigen Regionalgruppe des Historischen Vereins, einen Tag lang dabei, die Daten über die Erinnerungsstücke festzuhalten.

Er selbst brachte eine Glocke mit, die seinen Angaben folgend im ersten Weltkrieg im Schützengraben aus Metallresten hergestellt wurde. Dörner: „Der Hersteller dieser Glocke betrieb später ein Café in Weiden. Mit dieser Glocke hat er die Bedienung gerufen, wenn die Speisen fertig waren.“

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