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Justiz

Wegen Beziehung zu Mädchen verurteilt

Ein Schwandorfer ist von seinem Bruder angezeigt worden, weil er mit 18 eine intime Beziehung mit einer Minderjährigen hatte.
Von Johannes Hartl

Wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes musste sich ein 19-Jähriger vor dem Amtsgericht verantworten. Foto: Friso Gentsch/dpa
Wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes musste sich ein 19-Jähriger vor dem Amtsgericht verantworten. Foto: Friso Gentsch/dpa

Schwandorf.Das Delikt, das am Dienstag vor dem Amtsgericht Schwandorf verhandelt wurde, ließ Schlimmes vermuten. Zumindest auf den ersten Blick. Auf sexuellen Missbrauch eines Kindes lautete nämlich die Anklage, die die Staatsanwaltschaft Amberg gegen einen jungen Mann aus dem Landkreis Schwandorf erhoben hat. Doch der heute 19-jährige war niemand, der auf grausame Weise Kinder missbraucht hätte. Im Gegenteil. Die Sachlage stellte sich deutlich differenzierter dar.

Sein Vergehen war demnach die Beziehung zu einem damals 13-jährigen Mädchen aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach. Zwischen dem 20. Oktober und dem 17. November 2018 habe das Verhältnis mit dem damals 18-jährigen bestanden. Währenddessen habe der Angeklagte die 13-Jährige mindestens zwei Mal „in sexueller Motivation über der Kleidung im Genitalbereich“ berührt, so der Vorwurf; im Gegenzug hätte sie ihn im Intimbereich berührt.

Der Angeklagte hatte eine Beziehung mit dem Mädchen

Das alles geschah offensichtlich einvernehmlich, ohne Druck oder Zwang. Wie das inzwischen 14-jährige Mädchen vor Jugendrichterin Petra Froschauer erklärte, hätten sich die beiden geliebt. Es habe sich um eine Beziehung gehandelt. Von gelegentlichem Küssen und Kuscheln war die Rede, außerdem hätten sie manchmal nebeneinander im Bett gelegen.

Nur ein- oder zweimal habe er sie dabei über der Hose und dem T-Shirt berührt, konkret im Bereich der Brust. Und: „Wenn ich es nicht mehr wollte“, so das Mädchen, „hat er aufgehört.“ Sie selbst habe ihn dagegen „eigentlich gar nicht berührt“, erklärte sie der Richterin und widersprach damit ihrer Aussage, die sie 2018 bei der Polizei gemacht hat. Dort hieß es noch, sie sei mit der Hand unter seine Hose gegangen.

„Ich vergesse sehr schnell Sachen, die für mich nicht relevant sind.“

14-jähriges Mädchen

Ob das so war, daran könne sie sich nicht mehr erinnern. „Ich vergesse sehr schnell Sachen, die für mich nicht relevant sind“, sagte die Geschädigte. Richterin Froschauer wiederum fand das „erstaunlich“, schließlich sei das für ein 13-jähriges Mädchen nichts Alltägliches. Doch die Zeugin blieb bei ihrer Version – auch wenn sie betonte, bei der Polizei nicht gelogen zu haben. Zum Geschlechtsverkehr jedenfalls sei es nie gekommen; der Angeklagte habe auch niemals mehr verlangt.

Angeklagter prahlte vor seinem älteren Bruder

Am Ende wurde dem 19-Jährigen ausgerechnet seine Prahlerei zum Verhängnis, als er vor seinem älteren Bruder mit seinen angeblichen sexuellen Erfahrungen angegeben hat. Erst hätten er und seine Freundin das noch ganz witzig gefunden und es nicht ernst genommen, erinnerte der sich. Als er aber erwähnte, dass er das Opfer „gefingert“ und sie ihm „einen geblasen“ habe, da sei ihm mulmig geworden. Zumal er „Knutschflecken“ hatte und sogar behauptet habe, dass demnächst Sex geplant sei. „Da blieb mir nichts anderes übrig, als zur Polizei zu gehen.“ Er habe so seinen Bruder, aber auch das Opfer schützen wollen.

Paragraf 176 StGB

  • Paragraf:

    Das Gesetz stellt sämtliche sexuelle Handlungen mit Personen, die unter 14 Jahre sind, unter Strafe. Möglich ist eine Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu zehn Jahren.

  • Jugend:

    Bei Jugendlichen oder jungen Erwachsenen, die noch dem Stand eines Jugendlichen entsprechen, wird das Jugendstrafrecht angewendet. Dort steht der Erziehungsgedanke im Mittelpunkt.

Nicht alles, was er da behauptet hatte, entsprach tatsächlich der Wahrheit, manches war schlicht jugendliche Angeberei. Lediglich die beiden Berührungen haben es deshalb in die Anklage geschafft. In diesen Punkten sah die Staatsanwältin die Vorwürfe allerdings „vollumfänglich bestätigt“. Negativ falle zudem auf, dass er bereits einmal verurteilt wurde, weil er pornografische Schriften und Videos per Handy an Minderjährige verbreitete.

120 Arbeitsstunden für den heute 19-Jährigen

Daher forderte sie 120 Arbeitsstunden, auch, weil der 19-Jährige zum Tatzeitpunkt einem Jugendlichen gleichstand und aus schwierigen Verhältnissen stammt. Der 19-Jährige, der ohne Anwalt erschien und keine Angaben machte, lebte etliche Jahre in einem Pflegeheim, hat mehrere Suizidversuche hinter sich und leidet an einer Borderline-Störung, hieß es.

„Es mag die große Liebe sein, aber man muss eben beachten, dass sie nicht zu haben ist.“

Jugendrichterin Petra Froschauer

Richterin Froschauer folgte schließlich dieser Forderung, das Urteil wurde gleich im Gericht akzeptiert. „Wenn man sich eine Freundin sucht, sollte man schauen, ob die alt genug ist“, betonte sie. „Es mag die große Liebe sein, aber man muss eben beachten, dass sie nicht zu haben ist.“ Nun hat der 19-Jährige bis zum 1. November Zeit, um seine 120 Arbeitsstunden abzuleisten.

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