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Garten

Wilde Drinks aus der Oberpfalz

Gabriele Bräutigam aus dem Hirschbachtal ist erfolgreiche Werbetexterin und zertifizierte Kräuterführerin. Jetzt hat sie ein Genießerbuch geschrieben.
von Isolde Stöcker-Gietl, MZ

  • Alles, was sie für ihre grünen Smoothies braucht, findet Gabriele Bräutigam rund um ihre historische Mühle Fotos: Gabi Schönberger
  • Bitteschön: Dieser Smoothie vertreibt die Frühjahrsmüdigkeit
  • Alles im grünen Bereich: Letzte Vorbereitungen für die Vitaminbombe
  • Eine Schüssel Kräuter und Blüten – Basis für einen Frühlings-Smoothie
  • Gänseblümchen zupft Gabriele Bräutigam direkt vor dem Haus
  • Das Buch Wilde Grüne Smoothies ist seit April auf dem Markt.

Oedmühle.In ihren Kuhfell-Clogs schlappt Gabriele Bräutigam über den verwitterten Holzbalken in ihren Kräutergarten. Dort hat der Winter Spuren hinterlassen. Die Beete sind von Unkraut überzogen. Doch was für Hobbygärtner ein schrecklicher Anblick ist, ist für die Oberpfälzerin ein gedeckter Tisch. Denn der Giersch, der sich hier als einer der ersten Frühlingsboten so frech ausbreitet, gehört zu den wichtigsten Wildkräutern, die die zertifizierte Kräuterführerin in ihrer Küche verwendet. Er bildet die Basis für Smoothies, verfeinert den Spinat oder sorgt für Würze in Aufläufen. „Man müsste sich keine Nahrungsergänzungsmittel kaufen, wenn man in der Küche Wildkräuter verwenden würde“, sagt Gabriele Bräutigam, die jetzt ein Buch über den Genuss aus der Natur geschrieben hat. „Wilde Grüne Smoothies“ ist seit wenigen Tagen auf dem Markt.

Landleben entschleunigt

Gabriele Bräutigam hat sich nicht immer für dieses naturbezogene Leben interessiert. Nach dem Studium der Soziologie, Germanistik und Philosophie zog es sie zunächst in die Werbebranche. Als Texterin war sie erfolgreich – betreute große Kunden wie Quelle oder Otto. Doch als die zwei Söhne geboren wurden, wollte sie weg aus ihrer schicken Stadtwohnung in Nürnberg und das Landleben ausprobieren. Entschleunigen und zu sich selbst finden. In der baufälligen Oedmühle, an der Grenze der Oberpfalz zu Franken, fand die Familie eine Herausforderung, der sie sich stellen wollte. Heute bildet das historische Gebäude, in dem neben der Mühle früher ein Gasthaus und eine Bäckerei untergebracht waren, die Kulisse für Gabriele Bräutigams Wildkräuterführungen und Kochkurse.

Mit einer Schüssel Gierschblätter in der Hand läuft die Naturgärtnerin mit wachen Augen über den Rasen. „Da, der Spitzwegerich.“ Das Wildkraut ist als Hustenlöser bekannt. „Auch bei Raucherhusten bewährt“, sagt die Expertin. Junge Brennnesselblätter („sorgen für volles Haar bis ins hohe Alter“), Gänseblümchen („schleimlösend“), Löwenzahn („die Nummer 1 der Kräuter für eine Frühjahrskur“), einige Schlehen- und Ahornblüten vervollständigen die Frühjahrsmischung, die uns Gabriele Bräutigam gleich als grünen Smoothie vorsetzen wird.

Sie selbst sieht sich nicht als Gesundheitsapostel. Sie wolle in ihren Gerichten keinen „heroischen“ Wildkräutergeschmack, den man nur im Vertrauen auf seine gesundheitsförderliche Wirkung aushalten könne. „Ich will, dass es gut schmeckt und freue mich, dass ich dabei auch noch gesunde Nährstoffe zu mir nehme.“ Deshalb dosiert sie die Wildkräuter wohlüberlegt. Wer die grünen Smoothies ausprobieren will, dem rät die Expertin zunächst zu drei Komponenten. Eine Hälfte sollte aus Frucht (z. B. Bananen, Melonen, Äpfel) bestehen, 30 Prozent aus Kulturgut (z. B. Salat, Spinat oder Giersch) und 20 Prozent aus Wildkräutern. Tierisches Eiweiß wie Joghurt oder Milch oder Süßungsmittel wie Zucker haben in einem grünen Smoothie nichts verloren. Ebenso wie Öle und Speisefette würden sie den Darm unnötig belasten, sagt die Wildkräuterexpertin.

In einem Hochleistungsmixer püriert Gabriele Bräutigam Äpfel, Bananen und die Wildkräuter mit Eis zu einem cremigen Drink. Mit einem Schuss Zitronensaft kommt der „Winter ade“-Smoothie auf den Tisch. Ihre Söhne, sagt die Oberpfälzerin, kämen auch langsam auf den Geschmack, vor allem deshalb, weil deren Kampfsportlehrer sich mit den grünen Drinks gerade auf einen wichtigen Wettkampf vorbereite. „Dass er das mit grünen Smoothies statt mit Proteindrinks macht, beeindruckt sie.“

Keine Rezepte aus der Oberpfalz

Die Oberpfälzerin nimmt auf ihrer Sonnenterrasse vor dem Haus Platz, wo sie die jungen Rhabarberpflänzchen, frisch austreibenden Oregano und Rosmarin im Blick hat. Narzissen und Stiefmütterchen sorgen für Farbtupfer. Wild darf es also nicht nur im Glas, sondern auch in den Blumenbeeten zugehen. Für ihr Buch hat sich die Werbetexterin auch nach alten Wildkräuterrezepten in der Oberpfalz umgehört. Doch sie hat so gut wie nichts gefunden. „Wahrscheinlich weil die Menschen, die die Zeit der Armut noch miterlebt haben, darüber nicht mehr sprechen wollen“, lautet ihre Erklärung. Auch vor diesem Hintergrund will Bräutigam nicht nur Rezepte liefern, sondern auch das alte Wissen wieder aufleben lassen. Den 50 Rezepten von „Stress-Relief“ bis zur „Sieben-Kräuter-Vitaminbombe“ schließt sich ein großer Praxisteil mit 50 Wildpflanzenporträts, Tipps zur Kräutersammlung und einem Sammelkalender an.

Gabriele Bräutigam schlappt in ihren Kuhfellclogs zurück in ihre Wildkräuterküche. Dort begrüßt sie am Wochenende die ersten Gäste der diesjährigen Wildkräuterführungen. Und der bei Gärtnern so unbeliebte Giersch darf auch in diesem Programm eine Hauptrolle übernehmen.

Das 205 Seiten starke Buch „Wilde Grüne Smoothies“ von Gabriele Bräutigam ist im Hans-Nietsch-Verlag (ISBN 978-3-86264-252-6) erschienen.

Es beinhaltet 50 Rezepte, Tipps zur Wildkräutersammlung und -verwendung und 50 Pflanzenporträts.

Der Preis beträgt 18,90 Euro. Gabriele Bräutigam betreibt auch einen Kräuterblog und beantwortet dort Fragen rund um Wildkräuter.

Ab April finden wieder die Wildkräuterführungen mit Gabriele Bräutigam im Hirschbachtal statt.

www.herbalista.eu

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