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Nachruf

Willi Bösl hat Hirschau immens geprägt

Wenige Wochen nach seinem 94. Geburtstag verstarb der Hirschauer Altbürgermeister. Auch die Entwicklung des Landkreises hat Willi Bösl mitgestaltet.

Wie kein Zweiter prägte Willi Bösl die Entwicklung Hirschaus in der Nachkriegszeit. Er verstarb am Samstag wenige Wochen nach seinem 94. Geburtstag.

Amberg-Sulzbach.Die Stadt Hirschau und ihre Einwohner sind um eine Persönlichkeit ärmer, die die Entwicklung Hirschaus in der Nachkriegszeit wie kein Zweiter geprägt und den Landkreis in hohem Maße mitgestaltet hat: Altbürgermeister Willi Bösl. Er verstarb wenige Wochen nach seinem 94. Geburtstag am frühen Samstagnachmittag. 26 Jahre (1958-1984) diente er als 1. Bürgermeister seiner Vaterstadt, 21 Jahre lang trug er als erster Stellvertreter des Landrats im Alt-Landkreis Amberg (1963-1972) bzw. im Landkreis Amberg-Sulzbach (1972-1984) an vorderster Stelle Verantwortung, zudem viele Jahre als stellvertretender Vorsitzender des „Regionalen Planungsverbandes“ sowie als Mitglied bzw. stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrates er Kreissparkasse. Dem Hirschauer Stadtrat gehörte er von 1956 bis 1958 als Sprecher der CSU-Fraktion und nochmals nach seinem altersbedingten Abschied aus dem Bürgermeisteramt von 1984 bis 1990 an, dem Kreistag von 1960 bis 1984.

Bei seiner Verabschiedung im Jahr 1984 stellte Regierungspräsident Karl Krampol fest: „Willi Bösl hat Hirschau liebens- und lebenswerter und zu einem kleinen Musterstädtchen gemacht.“ Die Stadtväter haben die Wertschätzung, die Bösl in der Kaolinstadt genießt, mehrfach zum Ausdruck gebracht: Sie zeichneten ihn 1978 mit der Goldenen Bürgermedaille aus, ernannten ihn 1984 zum Ehrenbürger und verliehen ihm 1985 den Ehrentitel „Altbürgermeister“. Seit 1995 trägt die Haupterschließungsstraße in der „Heidenau“ die Bezeichnung „Bürgermeister-Bösl-Straße“.

Der Kreistag würdigte seine herausragenden Leistungen 1984 mit der Verleihung des „Großen Ehrenringes“, der höchsten Auszeichnung, die der Landkreis zu vergeben hat. Sie wurde außer Willi Bösl nur den Landräten Dr. Raß und Dr. Wagner zuteil. Auch in Bund und Land fand seine Arbeit Anerkennung, wie die Verleihung des „Bundesverdienstkreuzes am Bande“ (1978) durch Bundespräsident Walter Scheel oder der „Kommunalen Verdienstmedaille“ (1968) belegen.

Am 6. Juli 1920 als erstes Kind des Schuhmachermeisters Georg Bösl und seiner Frau Margarete geboren, wuchs er mit fünf Geschwistern auf. Nach der Schule erlernte er im elterlichen Betrieb das Schuhmacherhandwerk und erwarb den Gesellenbrief. Als Ältester sollte er einmal den elterlichen Hof übernehmen.

Der Zweite Weltkrieg warf seine Lebensplanung über den Haufen. Als Wehrmachtsgefreiter war er mit der 6. Armee auf dem Marsch nach Stalingrad, als er am 26. Juni 1942 so schwer verwundet wurde, dass ihm der linke Arm abgenommen werden musste. Nach seiner Genesung besuchte er die Lehrerbildungsanstalt in Bayreuth und wurde nach bestandener Prüfung in Hirschau eingesetzt. Rasch entschied er sich für eine andere Laufbahn. Er absolvierte die Verwaltungsschule in Tutzing, kam ans Landratsamt und leitete dort das Sozialhilfeamt.

Sein kommunalpolitischer Weg begann 1956 mit der Wahl in den Stadtrat. 1958 wählten die Hirschauer mit Willi Bösl erstmals einen CSU-Bürgermeister an die Spitze ihrer Stadt. Bei vier weiteren Wahlen (1960, 1966, 1972 und 1978) wurde er eindrucksvoll in seinem Amt bestätigt.

Auch bei den Kreistagswahlen erzielte er jedes Mal Spitzenwerte. Als Kreistags-Neuling übernahm er 1960 den Vorsitz der CSU-Fraktion. 1963 wählte ihn der Kreistag zum ersten Stellvertreter von Landrat Dr. Hans Raß. Bis 1978 stand das Gespann Dr. Raß-Bösl, das über die gemeinsame Amtszeit hinaus eine herzliche Freundschaft pflegte, an der Spitze des Landkreises. Mit 47 786 Stimmen und damit dem besten Wahlergebnis aller Kreistagskandidaten ausgestattet, bestätigte ihn der Kreistag 1978 nochmals als Landratsstellvertreter.

Alle Maßnahmen aufzulisten, die in der Ära Bösl realisiert wurden, würde Bücher füllen. Nur einige Schwerpunkte seien skizziert: Der Aufbau einer funktionierenden Verwaltung war zu bewältigen. Bei seinem Amtsantritt gab es im Rathaus keinen ausgebildeten Beamten. Großprojekte waren unter anderem der Ausbau der Wasserversorgung samt Hochbehälter, Aufbereitungsanlage und zweier Tiefbrunnen. Beim Kläranlagenbau war man landkreisweit ebenso Vorreiter wie beim Turnhallenbau. Sie war die erste im Landkreis.

In der Aufzählung dürfen der Neubau von Feuerwehrhaus, BRK-Rettungsleitstelle oder Friedhofshalle nicht fehlen. Die Erschließung von Baugebieten wurde vorangetrieben, mit der Vergabe von Erbpachtplätzen Neuland in der Baulandpolitik betreten.

Zu den herausragenden Maßnahmen gehören der Bau der B-14-Teilortsumgehung, der Ausbau der Freizeitanlage Monte Kaolino, die Generalsanierung des Rathauses und schließlich der Bau des Josefshauses. Die Hirschauer Schule wurde mehrfach erweitert, der Bestand der Ehenfelder Schule gegen viele Widerstände gesichert. Dank des von ihm forcierten Neubaus des Antonius-Kindergartens gab es ausreichend Kindergartenplätze.

Beim Kampf um den Erhalt des Krankenhauses, das mehrfach modernisiert wurde, scheute Bösl nicht vor einem Prozess gegen den Freistaat zurück. Rechtzeitig schuf er mit Weitblick die Voraussetzung für den Anbau eines Pflegeheimes an das Krankenhaus. Dieser war die Grundlage für die Umwandlung des Krankenhauses in ein Alten- und Pflegeheim. Für dieses Projekt engagierte er sich auch nach seinem Abschied aus der aktiven Politik in besonderer Weise. Als Vorsitzender des „Förderkreises Altenhilfe“ half er maßgeblich mit, dass an die Pflegeeinrichtung über 400 000 Euro gespendet wurden.

Mit großem Erfolg kämpfte er für den Erhalt und die Schaffung von Arbeitsplätzen. Mit der Firma Grundig holte er erstmals Frauenarbeitsplätze in großer Zahl nach Hirschau. Als Grundig Hirschau verließ, wurde Conrad-Electronic auf dem Gelände angesiedelt. Auf Bösls Initiative ließ sich die Bekleidungsfirma Schildt mit 100 Frauenarbeitsplätzen nieder. Als diese schloss, fand er in Hosen-Hiltl einen Nachfolgebetrieb.

Sein Engagement in den Vereinen wird durch viele Ehrenmitgliedschaften dokumentiert. Ein Hobby, das er von Kindheit an pflegte, war die Imkerei. Trotz seiner Körperbehinderung betreute er bis 2009 noch immer 30 Bienenvölker. Die Imker in Hirschau wie im Landkreis, denen er 35 bzw. 20 Jahre als Vorsitzender gedient hatte, haben ihn zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Dass Bösl auch Ehrenvorsitzender des CSU-Ortsverbandes war, versteht sich fast von selbst.

Die Aussage Karl Krampols, dass „sich Willi Bösl stets in selbstloser Weise für das Gemeinwohl eingesetzt hat“ trifft den Nagel auf den Kopf. In seiner Gattin Betty, mit der er am 13. Januar 1947 den Bund der Ehe schloss, hatte er stets einen starken Rückhalt. Mit ihr trauern die beiden Töchter, vier Enkelkinder und sieben Urenkel um einen treu sorgenden Ehemann, Vater, Opa und Uropa. Der Trauergottesdienst findet am Donnerstag, 14. August, um 14 Uhr in der Hirschauer Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt statt. (asn)

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