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Kulturverein

Winnetou grüßt Schwandorf

Stephan Karl und Helmut Haider lasen aus dem Erstlingswerk von Eugen Oker. Für die beiden waren es Paraderollen.
Von Josef Popp

Helmut Haider und Stephan Karl schlüpften beim Lesen aus „Winnetou in Bayern“ in Paraderollen.  Foto: Josef Popp
Helmut Haider und Stephan Karl schlüpften beim Lesen aus „Winnetou in Bayern“ in Paraderollen. Foto: Josef Popp

Schmidmühlen.Die Lesung von Eugen Okers „Winnetou in Bayern“ im Schmidmühlener Schlossstadel war ein Schmankerl, keinesfalls ein Schmarrn-kerl. Der Heimat- und Kulturverein hatte dazu eingeladen. Es war eine Zeitreise, bald 100 Jahre zurück, zu der Eugen Oker in seinem Erstlingswerk „Winnetou in Bayern“ einlud. Der gelungene Abend fügte sich bestens in das Jahresprogramm des Heimat- und Kulturvereins.

Man braucht schon einen besonderen Humor, und den hatte Eugen Oker ohne Zweifel, um Karl Mays Winnetou in die Oberpfalz zu holen: Eine skurrile Idee, aber Gott sei Dank, hatte Eugen Oker diese Idee. Die Geschichte spielt in der Phantasiestadt „Söllach“. Tatsächlich lässt sie sich nach Schwandorf verorten, seiner Geburtsstadt. Immer wieder tauchen in der Geschichte Örtlichkeiten auf, die Schwandorf in den Mittelpunkt rücken, was dem Zuhörer plastisch die Örtlichkeiten vor Augen führt und so der Geschichte Lebendigkeit und Authentizität verschafft. Eugen Oker schafft es in seiner Art, die Geschichte aus der Prärie mit Bisons und Indianern in die Oberpfalz zu verpflanzen mit disziplinversessenen Lehrern und Gendarmen.

Western oder Krimi?

„Winnetou in Bayern“ ist eine Geschichte, schulisch würde man sie als Erlebniserzählung einordnen, bei der man sich nicht sicher sein kann, ob es mehr ein Krimi oder mehr ein Karl- May-Western ist. Sie erzählt von der Stammbildung Oberpfälzer Apachen – Old Shatterhand, Old Firehand und Sam Howkens dürfen da nicht fehlen –, dem Ringen Jugendlicher um eine Gruppe, um eine Rangordnung und um den Zusammenhalt und die Freundschaft – wie im richtigen Leben. Eugen Oker lässt sie ein großes Abenteuer erleben, die Gefangennahme von Klopfgeistern, die in ein großes Kellersystem eindringen, um dort zu stehlen – Schwandorf lässt grüßen. Mit einem gewissen Augenzwinkern lässt Eugen Oker alte Zeiten aufleben.

So wie Eugen Oker ein Glücksfall für die Oberpfalz war, sind dies Helmut Haider und Stephan Karl. Dies zeigte die Lesung einmal mehr – bravourös und ohne Schnörkel, echt oberpfälzisch von den beiden Protagonisten dargeboten, einfach, aber nicht langweilig – wie das Leben in den 1920er und 30er Jahren halt eben war. Viele Pointen erinnerten die etwas älteren Zuhörer „an damals“, als man noch einfache Kinderspiele spielte, mit dem Rohrstock gezüchtigt wurde und vor dem Gendarm noch Respekt hatte. Immer wieder blitzte die Ironie eines Eugen Okers auf, für die er weit über seine Oberpfälzer Heimat bekannt wurde. Ganz im Sinne eines Ludwig Thoma oder Karl May projizierten Haider und Karl Bilder in die Köpfe der Zuschauer, beispielsweise, wie Indianer laufen. Es waren Paraderollen für Stephan Karl und Helmut Haider, man kam selbst ins Schwitzen. Selbstverständlich durften die passenden Lieder nicht fehlen: „Da sprach der alte Häuptling der Indianer“, „Brauner Bär und weiße Taube“ oder „Schnucki, ach Schnucki“. Perfekte Mimik und Gestik mit Wortwitz und Wortspiel ließen den Abend zu einem feinen Abend werden.

Mehrwert für das Leben

Eugen Oker hätte seine Freude gehabt. Mit seinem „Winnetou in Bayern“ setzte er sich ab von dem ewigen Lamentierern, die über die schlechte Zeit jammerten. In einem Interview für die Mittelbayerische Zeitung ordnete er diese Zeit als Lebensabschnitt ein , quasi mit einem Mehrwert für das Leben: „Die Zeiten waren unsicher, meine Eltern, Hafnermeisterseheleute, konnten sich über Mangel an Geldknappheit nicht beklagen, und so erhielten die kleinen Dinge des Lebens ihre Bedeutung.“

Eugen Oker

  • Tätigkeiten:

    „Spielekritiker“ der ZEIT, Mitarbeit für Frankfurter Rundschau und für den BR. Zu seinen bekanntesten Werken gehört sein Erstlingswerk, das Buch „Winnetou in Bayern“. Die Presse würdigte es als „Geschichte im besten Ludwig-Thoma-Stil“. (ajp)

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