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Glaube

„Wonach riecht Christsein?“

Pfarrer Werner Sulzer sprach beim Patrozinium in der Pfarrei St. Ägidius über Wohlgerüche und die Aufgabe der Kirche.
Von Johann Bauer

Pfarrer Werner Sulzer feierte das Patrozinium in Schmidmühlen. Foto: Johann Bauer
Pfarrer Werner Sulzer feierte das Patrozinium in Schmidmühlen. Foto: Johann Bauer

Schmidmühlen.Pfarrer Werner Sulzer feierte mit der Pfarrgemeinde mit Festgottesdiensten das Kirchweihfest. Am Samstag umrahmte den Gottesdienst der Kirchenchor und am Sonntag die kirchliche Blaskapelle „St. Ägidius“ und die Kirwapaare.

Die Pfarrkirche „St. Ägidius“ steht im Mittelpunkt des Marktes Schmidmühlen. Die Kirche wurde in den zurückliegenden Jahrhunderten immer wieder umgebaut und renoviert. Im Jahre 1933 wurde die alte Kirche abgerissen und neu aufgebaut, bereits 1972 wurden ein Teilabbruch und ein Erweiterungsbau vorgenommen. Die Kirche ist dem heiligen St. Ägidius geweiht. Am Hauptaltar ist eine Figur des Heiligen mit einer Hirschkuh. Ägidius ist einer der Vierzehn Nothelfer. „In diesem Jahr ist der Gedenktag des Heiligen genau am Sonntag, 1. September“, sagte der Pfarrer

In seiner Predigt fragte Werner Sulzer die Kirchbesucher „Wonach riecht Kirche?“ So pauschal kann man diese Frage gar nicht beantworten, da jede Kirche ihren ganz eigenen Geruch hat. Manchmal, wenn nicht genug gelüftet wird, riecht sie nach abgestandener, verbrauchter Luft. Und wenn das Gemäuer auch noch feucht ist, zudem etwas modrig. Was so ziemlich dem Vorurteil entspricht, das viele von der Kirche haben.

Vor allem nach dem Wochenende liegt noch der Weihrauchduft in der Luft, wobei die Duftnote von herb-harzig bis lieblich-süßlich reicht. Italienische Kirchen duften oft nach Lilien, da diese dort der bevorzugte Blumenschmuck sind. Und schließlich riechen Kirchen oft – bedingt durch vieles altes Holz – heimelig wie eine alte Bauernstube. So riechen Kirchen – wie aber riecht Christsein? „Wir sind Christi Wohlgeruch für Gott.“ hieß es in der Lesung. Wonach riecht Christsein? Die Grundnote ist ein frischer Duft, denn Christus hat etwas Neues, Erfrischendes in die Welt gebracht. „Seine Worte sind heute noch neu und unerhört“, beten wir im Hochgebet. So wie er hat noch nie jemand von Gott gesprochen, so unerhört vertraut und nahe. Die Grundnote ist erfrischend, aber – das wird bisweilen heute gern vergessen – es hat durchaus auch eine herbe Note. Es ging ja Jesus in allem Ernst um das Leben.

Das sollte kein flüchtiger Duft sein, der sich gleich wieder verflüchtigt, sondern nachhaltiger Duft, der in die Tiefe wirkt und jede Pore unseres Lebens durchdringt. Dementsprechend konnte Jesus sehr wohl auch harte, fordernde Töne anschlagen. Auch diese herbe Note in der Botschaft Jesu braucht es. Kirche als Ganzes wie auch jeder einzelne kann diesen Duft nur verbreiten, wenn wir uns immer wieder mit seinen Worten auseinanderzusetzen, sie in uns aufsaugen, uns ihrer Wirkung aussetzen. Nur dann können wir seinen Duft in uns aufnehmen und verbreiten. Andernfalls verflüchtigt sich unser Christsein. Auf der anderen Seite erinnert uns unser Papst daran, dass der Hirt nach seinen Schafen riechen muss. Jesus war den Menschen ganz nahe und hat dementsprechend das angenommen, was die Menschen verbreitet haben. Was ihm seine Gegner ja auch vorgeworfen haben.

Wichtiger als seine eigene makellose Reinheit war ihm die Nähe zu den Menschen. Kirche muss den Menschen nahe sein, gerade auch dort, wo es nicht angenehm riecht: Wo die Angst den Menschen den Schweiß auf die Stirn treibt. Wo Menschen sich abrackern und dennoch auf keinen grünen Zweig kommen. Wo Pflegebedürftige ihren ganz eigenen Geruch verbreiten. Wo es nach Vergänglichkeit und Tod stinkt.

Kirche muss sich mit den Nöten der Menschen auseinandersetzen, sich in diese Situationen hineinbegeben, auch auf die Gefahr hin, dass dies auf sie abfärbt und sie unweigerlich auch den Geruch der Menschen annimmt. „Auf der einen Seite muss die Kirche, müssen wir als einzelne nach dem Leben der Menschen, insbesondere nach dem Leben der Benachteiligten und Verängstigten riechen, erdig, bodenständig, angstgeschwängert. Auf der anderen Seite sind wir berufen, in diesen Duft eine himmlische Note hineinzubringen, die Kirche muss eine Verheißung verströmen, eine Verheißung, die diese Welt übersteigt, so Pfarrer Sulzer in seiner Predigt.

Patrozinium

  • Einzug:

    Am Sonntag zog Pfarrer Sulzer mit den Ministranten und den 29 Kirwapaaren feierlich in die Pfarrkirche ein.

  • Mitarbeit:

    Die Kirwapaare hatten auch die Gestaltung des Gottesdienstes mit übernommen. Pfarrer Werner Sulzer dankte dem Kirchenchor, der den Gottesdienst am Samstag umrahmte und der Blaskapelle „St. Ägidius“ für die Umrahmung am Sonntag.

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