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Denkmal

Zeugnisse von großer Macht und Pracht

Ob Architektur oder Kunstgeschichte: Vielfältige Aspekte gibt es in Amberg zum „Tag des offenen Denkmals“ zu erkunden.

Stadtarchivar Dr. Johannes Laschinger, Bürgermeister Martin J. Preuß, Kulturamtsleiter Thomas Boss (von links) stellten das Programm für den Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 10. September, im Großen Rathaussaal vor. Foto: Thomas Graml, Stadt Amberg
Stadtarchivar Dr. Johannes Laschinger, Bürgermeister Martin J. Preuß, Kulturamtsleiter Thomas Boss (von links) stellten das Programm für den Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 10. September, im Großen Rathaussaal vor. Foto: Thomas Graml, Stadt Amberg

Amberg.Der Tag des offenen Denkmals 2017 möchte die Besucher dazu anregen, sich mit den vielfältigen Ausdrucksformen von „Macht und Pracht“ bewusster auseinanderzusetzen – und zwar in allen relevanten Bereichen von Architektur- und Kunstgeschichte. Das Thema besticht durch sehr breite Interpretationsmöglichkeiten, dies findet sich auch beim Veranstaltungsprogramm der Volkshochschule Amberg in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Amberg wieder.

Am 10. September öffnen verschiedene Gebäude im Stadtgebiet, vom Landgericht über das Rathaus bis zum Frank’schen Palais, um „Macht und Pracht“ in Amberg zu präsentieren. Der Tag des offenen Denkmals will dazu beitragen, die Denkmale als Geschichtszeugnisse und Informationsquellen im Sinne ihrer Bauzeit richtig zu deuten. Denn jedes Denkmal erzählt viel über die sozialen und kulturellen Verhältnisse der Zeit seiner Entstehung und Nutzung. In einem prächtigen und mächtigen Gebäude, dem Rathaus, stellten Bürgermeister Martin J. Preuß, Volkshochschulleiter Thomas Boss und Stadtarchivar Dr. Johannes Laschinger die Angebote vor.

Zu Stein gewordener Bürgerstolz

Prächtig ist der Renaissancebau des denkmalgeschützten Justizgebäudes mit dem Erker. Foto: abl/Archiv
Prächtig ist der Renaissancebau des denkmalgeschützten Justizgebäudes mit dem Erker. Foto: abl/Archiv

Natürlich sind auch die Rathaussäle ein Thema beim Denkmaltag: „Zu Stein gewordener Bürgerstolz“ ist das Angebot betitelt. Seit mehr als 600 Jahren ist das Rathaus zusammen mit dem Marktplatz und der Basilika St. Martin nicht nur der geografische Mittelpunkt Ambergs, sondern auch Verwaltungs- und Repräsentationszentrum sowie vor allem Sitz des Rates.

In der Architektur und besonders durch die Gestaltung der historischen Säle spiegelt sich die Entwicklung der Stadt im Kontext zu ihrer wirtschaftlichen und politischen Entwicklung. So haben frühere Generationen über Jahrhunderte ganz bewusst gestalterische Zeichen gesetzt, die man heute leicht übersieht, weil sie selbstverständlich geworden sind, die aber gerade zum Thema „Macht und Pracht“ eine gezielte Betrachtung verdienen. Die Führung mit Hans-Georg-Schrüfer beginnt um 15 Uhr und dauert etwa 75 Minuten; Treffpunkt ist der Hochzeitsbrunnen am Marktplatz.

Die Pracht der höfischen Kleidung

Mit zwei Angeboten beteiligt sich das Stadtmuseum Amberg – beide rücken die Kleidung in den Mittelpunkt. „Prächtige Gewänder – Friedrich V. und Elizabeth Stuart“ heißt es mit Schneidermeisterin Helga Sichelstiel. Sie informiert über die detailgetreue Verarbeitung mit hochwertigen Seidenstoffen bei der Entstehung der Gewänder des Winterkönigpaares zur bayerischen Landesausstellung 2003. Das etwa 30-minütige Angebot beginnt um 14.30 Uhr, Treffpunkt ist das Stadtmuseum in der Zeughausstraße 18.

Alle zwei Jahre erinnert der Verein „Cantus Ferrum“ an die Hochzeit von Pfalzgraf Philipp und Margarete von Bayern-Landshut in ihrem prächtigen Gewand. Foto: age/Archiv
Alle zwei Jahre erinnert der Verein „Cantus Ferrum“ an die Hochzeit von Pfalzgraf Philipp und Margarete von Bayern-Landshut in ihrem prächtigen Gewand. Foto: age/Archiv

Beleuchtet wird auch „Das golddurchwirkte Brautkleid einer zukünftigen Kurfürstin“: Als Pfalzgraf Philipp und Margarete von Bayern-Landshut mit ihrer Hochzeit 1474 den Ambergern das größte Fest der Stadtgeschichte bescherten, dürften sie sich sehr modebewusst präsentiert haben. Margaretes Kleid rief bei den Berichterstattern große Bewunderung hervor. Gerühmt werden die wertvollen Materialien wie der „golddurchwirkte“ Stoff. Doch wie darf man sich heute ein Brautkleid im Stil der burgundischen Mode von damals vorstellen? Am lebenden Modell werden Eigenschaften höfischer Kleidung des Spätmittelalters dargestellt: um 14 Uhr (Dauer etwa 30 Minuten) durch die Stadtführerin Hannelore Zapf. Treffpunkt ist das Stadtmuseum.

Adelspalais für Dienstbotenstiftung

Über die Beletage des Frank’schen Palais informiert am 10. September Stadtarchivar Dr. Johannes Laschinger. Das von Regierungsrat Maximilian Freiherr von Wildenau 1730 errichtete Gebäude ging 1758 an den Freiherrn von Frank über. 1878 widmete Sabina Freiin von Frank das barocke Adelspalais ihrer zeitgleich gegründeten Stiftung für weibliche Dienstboten, die in dem Haus von 1911 bis 1995 von „Mallersdorfer Schwestern“ betreut wurden. Die Führung beginnt um 15.15 Uhr und dauert etwa 30 Minuten. Treffpunkt ist in der Herrnstraße 10.

Führungen im Landgericht

  • Denkmalgeschütztes Gebäude

    Auch das Landgericht Amberg in der Regierungsstraße 8-10, wird vorgestellt. Der denkmalgeschützte Komplex vereint Gebäude aus mehreren Epochen: Dazu gehören der Renaissancebau der Regierungskanzlei, die nördlichen Gebäudeteile stammen aus der Zeit des Barocks, ein weiterer aus der Zeit des Jugendstils.

  • Führungen mit Anmeldung

    Angeboten werden drei Führungen: um 10 Uhr mit Harald Riedl, Landgerichtspräsident, um 13.30 Uhr mit Dr. Wolfgang Schmalzbauer, Landgerichtspräsident a. D., und um 15.30 Uhr mit Josef Auer. Interessenten können sich bei der Präsidialkanzlei des Landgerichts, Tel. (0 96 21) 37 01 27, anmelden und in eine entsprechende Teilnehmerliste eintragen lassen. Die Teilnehmerzahl ist pro Führung auf 25 Personen begrenzt!

Besondere Messgewänder und Kelche

Auch zwei Kirchen in der Stadt Amberg werden zum Thema „Macht und Pracht“ beim Denkmaltag genauer beleuchtet. Unter dem Titel „Die Schönheit des Barock begreifen“ geht es in die Stadtpfarrkirche St. Georg, von den Jesuiten im Stil des Hochbarock besonders gefällig ausgeschmückt. Das erstreckt sich nicht nur auf Malerei und Fresken. Erhalten geblieben sind wertvolle Messgewänder und herausragende sakrale Gegenstände wie Monstranzen oder Kelche, die den besonderen Wert der Liturgie vor Augen führen wollen. In einer Führung durch die Sakristei von St. Georg mit Pfarrer Markus Brunner werden diese besonderen Kunstschätze des Barock für jedermann zugänglich gemacht. Beginn ist um 16 Uhr (Dauer etwa 45 Minuten), Treffpunkt ist in der Sakristei.

Gold und Marmor in der Schulkirche: Nicht alles ist echt, wie beim „Tag des offenen Denkmals“ aufgezeigt wird. Foto: Archiv/aon
Gold und Marmor in der Schulkirche: Nicht alles ist echt, wie beim „Tag des offenen Denkmals“ aufgezeigt wird. Foto: Archiv/aon

„Alles echt? Anmerkungen zu Gold, Marmor und Spiegeln in der Schulkirche“: Unter diesem Motto geht es in die Schulkirche. Teuerste Materialien bestimmen auch heute noch den Innenraum dieses Gotteshauses. . Größte Pracht entfalten vergoldete Stuckaturen, marmorne Altarbauten und eingelassene Spiegel. Das 18. Jahrhundert, in dem diese Kostbarkeiten entstanden, war aber eine Zeit des schönen Scheins. Was also ist echt? Die Führung um 17 Uhr übernimmt Kunsthistorikerin Beate Wolters (etwa 30 Minuten), Treff ist in der Schulkirche.

Objekte zeigen den Wohlstand

Interessierten können am 10. September auch „Macht und Pracht – im Kleinformat“ erleben. Es ist nicht nur die Architektur, die den Wunsch ihrer Erbauer ausdrückt, weltliche und religiöse Machtansprüche abzubilden. Ausgewählte Objekte aus dem Staatsarchiv Amberg belegen, dass es ebenso „kleinformatige“ Denkmäler gibt, in denen sich Machtansprüche manifestieren oder zeigen. Dass diese daneben hohen ästhetischen Ansprüchen genügen, dokumentiert den Wohlstand und das Selbstbewusstsein ihrer Auftraggeber. Die etwa einstündige Führung um 11 Uhr leitet Erwin Stoiber. Treff ist am Haupteingang des Staatsarchivs, Weißenburger Straße 3.

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