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Geschichte

Eine außergewöhnliche Kirche

St. Martin in Amberg war mal protestantisch, mal katholisch, wurde beschädigt und erneuert und schließlich zur Basilika ernannt.

Der Hauptaltar der Kirche von der Rückseite gesehen. Foto: Pressedienst Wagner
Der Hauptaltar der Kirche von der Rückseite gesehen. Foto: Pressedienst Wagner

Amberg.Die katholische Pfarrkirche St. Martin in Amberg hat eine lange Geschichte. Besonders gut kennt diese Doris Völkl, die den Bau und die Entwicklung der heutigen „Basilika minor“ bei Führungen den Menschen immer wieder nahebringt – nicht nur Auswärtigen, sondern auch Ambergerinnen und Ambergern.

Die Vorgängerkirche hatte den Rang einer Reichs- und Stiftskirche. Das Archiv bestätigt, dass bereits im Jahr 1182 ein dreischiffiger, romanischer Bau mit einem Chorturm samt Wächterstube bestand. Die Archivare gehen davon aus, dass diese Kirche noch zwei weitere Türme und eine Empore hatte. Im 14. Jahrhundert wurde auf das Ossarium (= Beinhaus) die Kapelle St. Leonhard gebaut. Dem „Eisenherren“ wurde ein Benefizium zu Ehren gestiftet. Im Jahre 1421 begann der erste Bauabschnitt. Die romanische Kirche blieb vorerst stehen, um Gottesdiensten und Stiftsverpflichtungen nachkommen zu können. Der Friedhof wurde durch den Neubau geteilt. Der Neurichter Bruch und der Mariahilfberg dienten für die Steinversorgung.

Die Stadt übernahm das Gerüst zur Einwölbung. Mit dem Abbruch der alten Kirche wurde im Jahr 1456 begonnen. 1461 hatte man sich endgültig entschieden, dass nur ein Turm am Ufer der Vils die Kirche schmücken solle. Die Vollendung des damals gigantischen Baus fand im Jahr 1522 statt. Der Amberger Rat bekannte sich 1538 zur Lehre Luthers und die Kirche St. Martin wurde ab 1544 für den evangelischen Stadtrat und deren Geistlichen zur Verfügung gestellt. Kurfürst Otto-Heinrich (1556-59) gab das Kommando zur Ausräumung der Martinskirche im calvinistischen Stil.

Viele historische Figuren und Gemälde, ein Weihkessel am Mittelaltar sowie sämtliche Nebenaltäre und vieles mehr fielen der Beseitigung zum Opfer. Kurfürst Friedrich (1559-76) setzte die Zerstörung fort und die restlichen Bilder sowie der Hochalter wurden beseitigt. Sogar Wandgemälde schabte man in einer nächtlichen Bildersturmaktion ab. 1576 schuf Kurfürst Ludwig IV. wieder ein herzlicheres Verhältnis zu den Bürgern und veranlasste die Erlaubnis, dass wieder Bilder und Figuren in der Kirche angebracht werden dürfen.

St. Martin heute

  • Führungen:

    Doris Völkl entführt interessierte Besucher in die Geschichte der Kirche. Auf Anfrage gibt es auch spezielle Dachstuhlführungen sowie eine Orgelführung.

Vier seiner Kinder ließ Ludwig in der Kirche begraben. In dieser Zeit wurde alles getan – ob unter evangelischer oder calvinischer Obrigkeit¨ – um St. Martin in bestem Zustand zu halten. Am 6. Oktober 1596 wurde im noch heute originalen Taufbecken der spätere Winterkönig Friedrich V. getauft.

Durch den Einzug der Truppen von Herzog Max I. in Amberg begann die Rekatholisierung. Im Jahr 1625 überließen die calvinistischen Geistlichen den Jesuiten die Kirche. Nach 81 Jahren wurde im Oktober wieder eine Messe gelesen. Offiziell zur Pfarrkirche wurde St. Martin 1628 gemäß den oberpfälzischen Rezessen. Die Planung um eine erneute Ausgestaltung ganz im katholischen Sinne begann. Allerdings konnten größere Anschaffungen durch den 30-jährigen Krieg und die Pestzeit 1634 nicht gemacht werden.

Das Taufbecken des Winterkönigs Friedrich V. – hier ist er am 6. Oktober 1596 getauft worden.  Foto: Pressedienst Wagner
Das Taufbecken des Winterkönigs Friedrich V. – hier ist er am 6. Oktober 1596 getauft worden. Foto: Pressedienst Wagner

Im Jahre 1656 begann die Barockisierung mit einem Zuschuss von 1500 Gulden für den Hochaltar. 1669 wurde St. Martin zu einer vielbesuchten Wallfahrtskirche. Im Jahr 1700 stattete man alle Kapellen mit Altären aus. Schwere Beschädigungen erlitt St. Martin durch die Belagerung Ambergs im Spanischen Erbfolgekrieg durch die kaiserlich-österreichischen Truppen .

Papst Johannes Paul II. ernannte St. Martin am 27. September 1980 zur päpstlichen Basilika minor. Grund waren die geschichtliche Bedeutsamkeit, hohe Kunstwerke aus der Gotik bis zum Klassizismus und nicht zuletzt die „außergewöhnliche Frömmigkeit“ der Amberger.

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