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Fasching

Schmidmühlener Hexen sind eine Schau

Wild wirken die närrischen Schmidmühlener Frauen. Doch sie sind eine nette Truppe, die im Markt überall willkommen ist.
Von Paul Böhm

Gemeinsam machten sich die Hexen auf zu einer der ersten Einkehrstationen, dem Rathaus in Schmidmühlen, zu Bürgermeistervertreter Martin Bauer, denn Peter Braun hatte sich schon vorsorglich in wärmere Urlaubsgefilde abgesetzt.  Foto: Paul Böhm
Gemeinsam machten sich die Hexen auf zu einer der ersten Einkehrstationen, dem Rathaus in Schmidmühlen, zu Bürgermeistervertreter Martin Bauer, denn Peter Braun hatte sich schon vorsorglich in wärmere Urlaubsgefilde abgesetzt. Foto: Paul Böhm

Schmidmühlen.Mit der Masse der Amberger Hexen und ihrem närrischen Treiben am Marktplatz kann die illustre Hexenschar aus Schmidmühlen nicht mithalten, aber dafür ist ihre Geschichte um ein ganzes Stück längr als die der närrischen Frauen vilsaufwärts. Am Hexenfreitag waren sie im Markt wieder eine tolle Bereicherung für das ausgeprägte Schmidmühlener Faschingsleben mit all seinen Facetten.

Oberhexe ist Martina Vierl (links), sie führt schon seit 15 Jahren das Regiment bei der wilden Schar. Seit Februar 1969 machen die närrischen Frauen am Faschingsfreitag den Markt unsicher. Aus einem Dutzend Hexen von damals sind es gut 50 geworden, die sich auch heuer wieder diesem Brauchtum angeschlossen haben. Foto: Böhm
Oberhexe ist Martina Vierl (links), sie führt schon seit 15 Jahren das Regiment bei der wilden Schar. Seit Februar 1969 machen die närrischen Frauen am Faschingsfreitag den Markt unsicher. Aus einem Dutzend Hexen von damals sind es gut 50 geworden, die sich auch heuer wieder diesem Brauchtum angeschlossen haben. Foto: Böhm

Der „gschmalzne“ Freitag, wie dieser Tag im Volksmund genannt wird, ist in Schmidmühlen der ganz große Auftritt für die Hexen. Eine schriftliche Einladung braucht man dazu nicht extra, erzählt Oberhexe Martina Vierl. Die Hexenschar nutzt natürlich schon lange moderne Kommunikationstechniken. „Da wird über den Hexenkanal gesimst oder eine WhatsApp abgesetzt.“ Nicht einmal einen Rundruf braucht es, dass „frau“ zu diesem Spektakel zusammenkommt.

Premiere war im Februar 1969

Traditionell „alt“ geblieben ist nur der Besen – oder heuer besser gesagt die Regenschirme, denn beide brauchten die närrischen Damen: den Besen, um widerspenstigen Herren der Schöpfung zu sagen, wo der Bartel den Most holt, und den Schirm als Schutz vor dem Regen

„So alt wie der große Kollege Fischzug ist unsere Hexentreiben nicht, aber genauso schön wie Zug der Männer am Aschermittwoch“, erzählt Martina Vierl. „Mit dem Unterschied, dass man bei uns immer reden, tanzen und lustig sein kann, während das alles beim Fischzug mit einer Strafe von fünf Euro belegt wird.“

Impressionen vom Hexentreiben in Schmidmühlen

Am Freitag um „Oans“ kommen sie beim „Zöllist“ in der Langbruck – so hieß früher die untere Hauptstraße – zusammen. Die Frauen sammeln sich dort und machen sich zu Fuß auf den Weg zum Rathauschef, um sich zuerst einmal fürstlich bewirten zu lassen. Heuer war Peter Brauns Stellvertreter Martin Bauer der Gastgeber.

In früheren Jahren ist man freilich noch mit einem Ladewagentross durch den Markt zu den ersten Wirkungsstätten getuckert, aber das hat man aus Sicherheitsgründen wegfallen lassen.

Seit dem ersten Hexentreiben 1969 läuft es immer gleich ab, nur die Einkehrstationen haben sich geändert: Neue sind dazugekommen, manche alte Einkehr ist verschwunden. Aber die Zahl der Stationen ist trotzdem recht ansehnlich: Etwa ein Dutzend waren es in diesem Jahr – und natürlich wurden die Hexen überall freundlich aufgenommen. Foto: Böhm
Seit dem ersten Hexentreiben 1969 läuft es immer gleich ab, nur die Einkehrstationen haben sich geändert: Neue sind dazugekommen, manche alte Einkehr ist verschwunden. Aber die Zahl der Stationen ist trotzdem recht ansehnlich: Etwa ein Dutzend waren es in diesem Jahr – und natürlich wurden die Hexen überall freundlich aufgenommen. Foto: Böhm

Das Hexentreiben in Schmidmühlen war einst die Idee der damaligen Faschingsprinzessin Barbara Wein und Komiteemitglied Brigitte Schneider. „Die Männer haben den Fischzug – und wir machen jetzt einen Umzug als Hexen!“ Die Schmidmühlener Hexengeschichte feierte am 14. Februar 1969 ihre gelungene Generalprobe. Beim ersten Hexentreiben waren damals Brigitte Schneider, Barbara Wein, Erna Rubenbauer, Dorothea Heinke, Waltraud Schmid, Annemarie Pöhlmann, Anni Leitz, Elfriede Speier, Anni Wein, Hannelore Jebautzke, Justine Rudolf und Anita Kricke mit dabei.

„Seit dieser Zeit sind alljährlich die Schmidmühlener Hexen unterwegs“, erzählen die beiden „Gründungshexen“ Brigitte Schneider und Barbara Wein aus ihrer Jugendzeit. Mit schauerlichem Geheul haben sie damals die Hochzeitsgesellschaft Frankerl gestürmt und den armen Brautvater durch den Saal gezerrt, um ihm schließlich einen nahrhaften Orden umzuhängen. „Wir hätten es uns nicht träumen lassen, dass sich aus dieser Schnapsidee von damals dieses schöne Brauchtum entwickelt“, so die Gründerinnen. Nur der „Desert Storm“ im Jahr 1991 hatte sie zu einer Notlandung gezwungen.

Bis spät in die Nacht geht’s rund

Ein Tänzchen in Ehren kann auch der Bankdirektor nicht verwehren. Foto: Böhm
Ein Tänzchen in Ehren kann auch der Bankdirektor nicht verwehren. Foto: Böhm

Dass die selbstbewussten Damen überall zuvorkommend bedient und hofiert werden, ist natürlich bei dieser geballten Hexenmacht selbstverständlich, denn anlegen sollte man sich mit ihnen nicht. „Wir haben Prinzipien und die halten wir ein.“ Nur ein Mann durfte heuer wieder mitgehen, und das war der Musikant Florian Gröninger aus Pirkensee, der am Donnerstag auch schon den Hexen in Amberg den Takt vorgegeben hat.

Auch wenn sie versuchen, grimmig zu schauen – es war wieder ein liebevoller, lustiger und netter Hexenhaufen, den man am Freitag durch Schmidmühlen ziehen sah. Stationen waren neben den „heiligen Hallen“ des Bürgermeisters im oberen Schloss die Raiffeisenbank, verschiedene Geschäften, die Autowaschanlage und andere Adressen, wo Menschen leben, die den Hexen gut gesonnen sind, um Kraft für den spätabendlichen Show-down zu sammeln. Zu später Stunde verbrennen sie nämlich noch eine Strohhexe zum Zeichen des Winteraustreibens am Hammerplatz. Dann machen sie meist noch einen Schlenkerer bei der Schwarzen Nacht der CSU beim Ochsenwirt.

Alles rund um den Fasching in Amberg lesen Sie hier.

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