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Wissen

Einsamkeit das schlimmste Los für Ältere

„Eine Herausforderung für die Gesellschaft“ war in Amberg Thema des Vereins zur Förderung der seelischen Gesundheit im Alter.
Von Christian Danzer

  • Kompetenz und Engagement beim „Verein zur Förderung der seelischen Gesundheit im Alter“ im Landratsamt in Amberg; von links: Anna Margin, Psychiatriekoordinatorin des Bezirks Oberpfalz, Dr. Benedikt Schreiner, Leiter der Bezirkssozialverwaltung Regensburg, Prof. Dr. Erwin Dirscherl, Lehrstuhl Diagnostik Universität Regensburg, Dr. med. Klaus Gebel, 1. Vorsitzender SEGA e.V., Heidi Himmelhuber, 3. Vorsitzende, 1. Vorsitzende des regionalen Steuerungsverbundes Amberg-Sulzbach, Dr. phil. Barbara Romero, freiberufliche Diplompsychologin und klinische Neuropsychologin, Georg Pilhofer, Gerontopsychiatrische Koordinationsstelle Oberpfalz, Diplom-Sozialpädagoge, und Katja Nübler, Organisatorin; erkrankt war Christian Krötsch, Organisatorin. Foto: kcd

Amberg.Jubiläum für den „Verein zur Förderung der seelischen Gesundheit im Alter“ (SEGA). Zum zehnten Mal trafen sich vor allem Ärzte und Krankenpfleger im König-Ruprecht-Saal des Landratsamts. Thema heuer: „Krank und einsam im Alter – Herausforderungen für Pflege und Gesellschaft“. Ein Kernproblem der demografischen Entwicklung, was auch die Anmeldungen zeigten – 30 Interessenten blieben auf der Warteliste.

Vorsitzender Dr. Klaus Gebel sagte, dies zeige, „dass wir Themen auswählen, die etwa Pflegern und Sozialarbeitern wichtig sind, die noch stärker an der Basis arbeiten als wir Ärzte“. Heidi Himmelhuber (3. Vorsitzende) arbeitet im Sozialdienst einer geriatrischen Reha-Einrichtung: „Ich treffe Menschen, die gegen Ende ihres Lebens Bilanz ziehen, die kein funktionierendes soziales Umfeld haben und durch ihre Befindlichkeit sehr eingeschränkt sind.“ So entstehe oft Einsamkeit – mit seelischen Krisen und Erkrankungen.

Dreimal umsteigen – für die Enkel

Kompetenz und Engagement beim „Verein zur Förderung der seelischen Gesundheit im Alter“ im Landratsamt in Amberg; von links: Anna Margin, Psychiatriekoordinatorin des Bezirks Oberpfalz, Dr. Benedikt Schreiner, Leiter der Bezirkssozialverwaltung Regensburg, Prof. Dr. Erwin Dirscherl, Lehrstuhl Diagnostik Universität Regensburg, Dr. med. Klaus Gebel, 1. Vorsitzender SEGA e.V., Heidi Himmelhuber, 3. Vorsitzende, 1. Vorsitzende des regionalen Steuerungsverbundes Amberg-Sulzbach, Dr. phil. Barbara Romero, freiberufliche Diplompsychologin und klinische Neuropsychologin, Georg Pilhofer, Gerontopsychiatrische Koordinationsstelle Oberpfalz, Diplom-Sozialpädagoge, und Katja Nübler, Organisatorin; erkrankt war Christian Krötsch, Organisatorin. Foto: kcd
Kompetenz und Engagement beim „Verein zur Förderung der seelischen Gesundheit im Alter“ im Landratsamt in Amberg; von links: Anna Margin, Psychiatriekoordinatorin des Bezirks Oberpfalz, Dr. Benedikt Schreiner, Leiter der Bezirkssozialverwaltung Regensburg, Prof. Dr. Erwin Dirscherl, Lehrstuhl Diagnostik Universität Regensburg, Dr. med. Klaus Gebel, 1. Vorsitzender SEGA e.V., Heidi Himmelhuber, 3. Vorsitzende, 1. Vorsitzende des regionalen Steuerungsverbundes Amberg-Sulzbach, Dr. phil. Barbara Romero, freiberufliche Diplompsychologin und klinische Neuropsychologin, Georg Pilhofer, Gerontopsychiatrische Koordinationsstelle Oberpfalz, Diplom-Sozialpädagoge, und Katja Nübler, Organisatorin; erkrankt war Christian Krötsch, Organisatorin. Foto: kcd

Themen waren medizinische sowie ethische Ansätze, die Behandlung von Menschen mit Demenz und herausforderndem Verhalten. Dr. Gebel, Neurologe und Psychiater aus Sulzbach-Rosenberg, verglich Gleichaltrige: Einer ist wegen seiner Einschränkungen einsam, der andere gestaltet sein Leben. „Er besuchte seine Enkel, auch wenn er dafür dreimal umsteigen musste.“ Ein Auto hatte er nie. „Durch diese Besuche hat er wirklich ein lebenswertes Leben“, sagte Gebel. Das Beispiel zeige, dass Alter nicht Isolation sei. Vereinsamung im Alter habe es stets gegeben, nun nehme sie mehr und mehr überhand. „Es liegt an uns, den Kreis derer, denen das blühen könnte, zu verkleinern.“ Denn das Schicksal des Alterns blühe – hoffentlich – jedem. „Alt werden will jeder, alt sein aber keiner.“

Gebel stellte depressive Erkrankungen und Angsterkrankungen im Alter dar. Raum gab er dem Schwindel und Gangstörungen. Er stellte therapeutische und präventive Maßnahmen vor, um eine Fragilität und Vereinsamung im Alter verhindern zu können.

Die Demenzwochen waren ein großer Erfolg: 2016 hatte es wieder zahlreiche Angebote für die Region gegeben – lesen Sie hier den Bericht unseres Medienhauses!

„Von der Kunst, sich zu verlassen“

Prof. Dr. Erwin Dirscherl stellte die Frage: „Sind wir einsam angesichts des nahenden Todes? Von der Kunst, sich zu verlassen.“ Spannend sei hier die Doppeldeutigkeit: „Von-sich-weg-Gehen“. Abstand finden zu sich selbst, sich verlassen können, geliebte Menschen, seine Freunde. Dirscherl zitierte aus dem „Brandner-Kasper“, der der Freund des Todes werde, so dass er sein Leben verlassen könne. „Verlassen“, das sei auch: „Kann ich mich auf jemanden verlassen, auf andere, auf Gott?“ Er sprach von voller Kontrolle, die viele heute übers Leben haben wollten, Terminkalender, Smartphones, Überwachungskameras. Doch wer alles kontrolliere, der verliere „am Schluss sein Leben“.

Die Balance sei nötig zwischen Vorsicht und Wagnis, „zwischen Sicherheit, um Leben zu schützen, und Risiko, um das Leben nicht erstarren zu lassen“. In einer Gesellschaft permanenter Kontrolle könne sich kein freies, lebenswertes Leben mehr entfalten. Nur so aber könnten Freunde und liebende Menschen gefunden werden, so dass man hoffen könne, im Alter nicht einsam zu sein, in seiner Pflegebedürftigkeit nicht alleingelassen zu werden.

Das Foyer des Landratsamts verwandelte sich auch schon 2016 in eine „Kleine Fachmesse“ in Sachen Demenz, organisiert von SEGA – lesen Sie hier den ausführlichen Bericht unseres Medienhauses!

Strategien und Methoden

  • Verstehen

    Prof. Dr. Sabine Engel sprach schließlich über „Herausforderndes Verhalten bei Menschen mit Demenz“. Sie stellte die „Verstehende Diagnostik“ vor. Vor der Frage, wie man sich verhalten soll, frage man, ob man mit Strategien und Methoden Verhalten und Hintergründe verstehen könne.

  • Verantworten

    Erst auf dieser Basis könne eine vernünftige Entscheidung getroffen werden, wie ein bedürfnisorientierter und verantwortungsvoller Umgang damit aussehen könnte. Schritte und Überlegungen für die Entscheidung wurden vorgestellt, hilfreich für Pflegende, Betreuende, Versorgende. (kcd)

Praxiswissen „von draußen“ nutzen

Dr. Barbara Romero (Berlin) berichtete über „Selbsterhaltungstherapie – die Kunst der Begleitung von Menschen mit Demenz“, Erfahrung mit Dementen und Angehörigen, Einsamkeit: „So lange ein Mensch nur alt und dement ist, ist es möglich, für ihn zu sorgen. Wenn er aber vereinsamt, wird es sehr schwierig.“ Angehörige würden oft durch Erfahrung Experten im Verstehen von Demenzfolgen. „Der Weg zum Expertenwissen führt aber oft über leidvolle und konfliktreiche Versuche und Fehltritte.“ Man lerne besser aus vorhandenen Erfahrungen. „Sowohl Fachwissen als auch Erfahrung von Therapeuten und von anderen betroffenen Familien können die selbst gewonnenen Erkenntnisse erweitern.“ In der Hilfe für Demenzerkrankte geschehe schon einiges, aber es sei sicher noch nicht ausreichend.

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