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Fachtagung

Älter werden will jeder, alt sein wenige

Der Verein SEGA veranstaltete in Amberg seine 11. Fachtagung. Das Thema lautete „Schicksal Alter – Ende oder Wende?“.
Von Hans Babl

„Schicksal Alter – Ende oder Wende?“ war das Thema der diesjährigen Fachtagung des Vereins zur Förderung der Seelischen Gesundheit im Alter (SEGA). Foto: Julian Stratenschulte, dpa
„Schicksal Alter – Ende oder Wende?“ war das Thema der diesjährigen Fachtagung des Vereins zur Förderung der Seelischen Gesundheit im Alter (SEGA). Foto: Julian Stratenschulte, dpa

Amberg.Bei seiner gut besuchten 11. Fachtagung widmete sich der Vereine SEGA e.V. (Verein zur Förderung der Seelischen Gesundheit im Alter) am Mittwoch im König-Ruprecht-Saal des Landratsamts dem Thema „Schicksal Alter – Ende oder Wende?“.

„Sind im Alter Gebrechlichkeit und Leiden wirklich unausweichlich oder kann das Alter nach den Entbindungen von Pflichten des langen Berufslebens die Chance für einen erfüllenden, zufriedenen und lebenswerten Lebensabschnitt sein?“ Die 3. Vorsitzende von SEGA, Heidi Himmelhuber, brachte es mit ihrer Eingangsfrage auf den Punkt.

Grußworte sprachen neben Landrat Richard Reisinger und Ambergs OB Michael Cerny die Leitende Ministerialrätin Dr. med. Gabriele Hartl vom Staatsministerium für Gesundheit und Pflege sowie Dr. med. Benedikt Schreiner, Leiter der Sozialhilfeabteilung des Bezirks.

11. SEGA-Fachtagung

  • Die Fachtagung

    zeigte Möglichkeiten, Hilfen und therapeutische Ansätze, aber auch Grenzen „auf dem Weg zu einem möglichen erfolgreichen Altern“ auf.

  • Angesprochen waren

    insbesondere Pflegekräfte und Mitarbeiter von Einrichtungen der stationären Altenhilfe, von Krankenhäusern und ambulanten Diensten, Fachkräfte aus dem sozialen Bereich, Therapeuten, Sozialpädagogen, Seelsorger sowie Mitarbeiter von Behörden oder Institutionen, ehrenamtliche Helfer sowie alle Interessierten.

„Alter mit Verhaltenskrisen kann das Leben vermiesen“ war das Thema von Dr. med. Klaus Gebel, Neurologe und Psychiater in Sulzbach-Rosenberg und 1. Vorsitzender von SEGA. Er befasste sich auch mit Maßnahmen, wie der größten Krise des Alters, nämlich dement zu werden, entgegengewirkt werden kann. Gebel stellte psychotherapeutische Maßnahmen und psychosoziale Interventionsmöglichkeiten bei Verhaltenskrisen auf, insbesondere bei agitiertem Verhalten wie Sun-Downing (Unruhe bei Einbruch der Dunkelheit) und Herumlaufen, Wahn und aggressivem sowie hypersexuellem Verhalten. „Altern in Würde ist unser Ziel. Man muss lernen, damit umzugehen, was Gott uns mit der Natur mitgegeben hat“, so Dr. Gebel.

Bei ihrer Jubiläums-Fachtagung im vergangenen Jahr hatte SEGA das Thema „Krank und einsam im Alter – Herausforderungen für Pflege und Gesellschaft“ gewählt.

„Die Menschheit wird so alt wie noch nie in ihrer Geschichte“, stellte Dr. med. Jens Trögner, Chefarzt der Medizinischen Klinik III Geriatrie und Frührehabilitation am Klinikum St. Marien fest. „Alter Mensch und moderne Medizin – Chancen oder Risiko“ war sein Thema. Fortschritte in Hygiene, Arbeitssicherheit, Gesundheitsbewusstsein und der medizinischen Behandlung tragen zum Älterwerden bei. Ein Altern in relativer Gesundheit müsse das Ziel sein.

Mehr gesunde Jahre gewinnen

„Aktuelle Daten stützen die verbreitete Empfindung, dass es gelingt, mehr gesunde als kranke Lebensjahre zu gewinnen“, sagte Dr. Trögner. Dennoch werde das hohe Alter erkauft mit einem Anstieg chronischer Erkrankungen und Funktionseinschränkungen. Hochaltrige Patienten haben andere medizinische Bedürfnisse und Therapieziele als jüngere. Nicht Lebensverlängerung um (fast) jeden Preis steht im Vordergrund, sondern Erhalt von Autonomie, Würde und Wohlbefinden“, betonte der Chefarzt. Rehabilitation mit dem Ziel des Erhalts der Alltagskompetenz sei ein wichtiger Baustein in der Behandlung. Medizin-ethische Fragestellungen spielten eine zunehmende Rolle. „Es gilt Übertherapie zu vermeiden. Gleichzeitig darf es keinen Nihilismus geben, der bei alten Menschen zu Unter- oder Fehlversorgung führt.“

Auf dem Podium: Dipl.-Sozialpädagoge (FH) Georg Pilhofer von der Gerontopsychatrischen Koordinationsstelle Oberpfalz, SEGA-Vorsitzender Dr. Klaus Gebel und die 3. SEGA-Vorsitzende Heidi Himmelhuber. Foto: Babl
Auf dem Podium: Dipl.-Sozialpädagoge (FH) Georg Pilhofer von der Gerontopsychatrischen Koordinationsstelle Oberpfalz, SEGA-Vorsitzender Dr. Klaus Gebel und die 3. SEGA-Vorsitzende Heidi Himmelhuber. Foto: Babl

Der Nachmittag begann mit Informationen zur rechtlichen Seite des Alters. Katrin Rieger, Richterin am Amtsgericht Amberg, referierte zum Thema „Alter und Gericht – Bedrohung oder nicht?“ Sie stellte Möglichkeiten der Erstellung einer Vorsorgevollmacht und die Folgen, wenn dies unterbleibt, vor, zeigte Gemeinsamkeiten und Unterschiede eines Betreuers und eines Bevollmächtigten auf. Dann ging Katrin Rieger darauf ein, wann das Gericht überhaupt beteiligt wird, unter Umständen auch, obwohl eine Vorsorgevollmacht besteht. „ Das Gericht hat oft eine Kontrollfunktion wahrzunehmen. Die mag lästig sein, eine Bedrohung stellt sie aber nicht dar“, sagte die Richterin.

Schwerer Eingriff in die Rechte

Diplom-Soziologin Madeleine Viol vom Institut für angewandte Sozialforschung an der Evangelischen Hochschule Freiburg befasste sich mit „Technischen Hilfen, die Freiheit und Sicherheit geben“. Bettgitter, abgeschlossene Türen, ein Therapietisch am Rollstuhl, der das Aufstehen verhindert, oder Gurte seien Möglichkeiten, eine Person in ihrer Bewegungsfreiheit einzuschränken. „Diese freiheitsentziehenden Maßnahmen sind der schwerste Eingriff in die Rechte eines Menschen und stehen unter besonderer Beobachtung des Gesetzgebers“, betonte die Referentin. „Doch oft werden diese Maßnahmen aus Unwissenheit zu Alternativen ergriffen, aus Angst, es könnte ohne eine freiheitsentziehende Maßnahme etwas passieren, wie ein Sturz und aus Überforderung mit der Pflegesituation. Viol plädierte für eine „demenzfreundliche Wohnraumgestaltung“ und „technische Hilfen zur Reduzierung von freiheitsentziehenden Maßnahmen“. Mit Fallvorstellungen und Diskussion endete die SEGA-Fachtagung „Schicksal Alter – Ende oder Wende?“

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