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Integration

Berufsausbildung ist Entwicklungshilfe

Gerade Flüchtlinge aus Afghanistan brauchen eine Perspektive. Das Kolping-Bildungswerk Amberg bietet verschiedene Maßnahmen.
Von Gerd Spies

Eine Blume aus Metall, angefertigt von einem Flüchtling, bewundern MdL Reinhold Strobl, Franz Elsner und Norbert Ertl von der Erwachsenenbildung Kolping-Bildungswerk (von rechts).
Eine Blume aus Metall, angefertigt von einem Flüchtling, bewundern MdL Reinhold Strobl, Franz Elsner und Norbert Ertl von der Erwachsenenbildung Kolping-Bildungswerk (von rechts). Foto: age

Amberg.Reinhold Strobl, SPD-Abgeordneter im Bayerischen Landtag, war angetan von den Maßnahmen, die das Kolping-Bildungswerk Amberg im Rahmen der Integration von Flüchtlingen leistet. Politische Entscheidungen seien das eine, die praktische Umsetzung durch die Integrationsarbeit mit den Flüchtlingen aber das andere, meinte Strobl. Deswegen habe er die Einladung des Kolping-Bildungswerks gemeinsam mit Franz Elsner, dem Leiter der Agentur für Arbeit in Amberg, gerne angenommen, um sich ein Bild zu verschaffen und die Gelegenheit eines direkten Kontakts mit Flüchtlingen zu nutzen.

„Unsere Erfahrungen mit Flüchtlingen sind sehr positiv, auch wenn jeder Flüchtling sein Problem-Paket mitbringt“, informierte Christine Jäger, die Vorsitzende des Bildungswerks, die Gäste im Kolping-Haus an der Raigeringer Straße. Der Verein, der auf eine mehr als 40-jährige Erfahrung in der Aus- und Weiterbildung junger Menschen zurückgreifen kann, bietet seit 2015 Qualifizierungsmaßnahmen an und betreute allein im Schuljahr 2015/16 insgesamt 520 Flüchtlinge. Die ganze Bandbreite der sogenannten BAMF-Kurse, die im Auftrag des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge möglich sind, werde in Amberg angeboten wie Alphabetisierungs- und Integrationskurse, Berufs-Integrationsklassen oder B2-berufsbezogene Sprachkurse.

Afghanen sind nur geduldet

Lehrer Richard Ertl, Franz Elsner und Reinhold Strobl (von rechts) vor dem Kurs „Individuelle berufliche Perspektiven für Flüchtlinge und Migranten“ Foto: age
Lehrer Richard Ertl, Franz Elsner und Reinhold Strobl (von rechts) vor dem Kurs „Individuelle berufliche Perspektiven für Flüchtlinge und Migranten“ Foto: age

Die Situation mit Flüchtlingen aus Afghanistan sei aber derzeit sehr schwierig, stellte Christine Jäger fest, da dieses Land nicht zu den fünf unsicheren Regionen zählt, aus denen Flüchtlinge anerkannt werden. Junge Menschen aus diesem Land dürften daher keine Arbeitserlaubnis erhalten, seien nur geduldet. „Eine Berufsausbildung auch für diese Flüchtlinge wäre aber die beste Entwicklungshilfe für diese Regionen, wenn dann diese Menschen als qualifizierte Arbeitskräfte in ihr Land zurückkehren“, gab Franz Elsner, der Leiter der Amberger Arbeitsagentur, dem SPD-Politiker als Arbeitsauftrag mit auf den Weg.

Einen Einblick in die Arbeit des Kolping-Bildungswerks mit Flüchtlingen im Auftrag der Agentur für Arbeit und des Jobcenters gab Andrea Ziegler, die Leiterin der Amberger Einrichtung. Sieben BAMF-Kurse laufen aktuell im Kolping-Gebäude an der Kochkellerstraße. Täglich fünf Stunden Deutsch, wöchentlich 40 Stunden Unterricht, nach sechs bis neun Monaten eine Prüfung: Den jungen Flüchtlingen wird viel abverlangt. Um ein Bleibe-Recht zu erhalten, müssen sie ja Deutschkenntnisse der Qualifikationsstufe B1 nachweisen.

Lehrer für die Kurse fehlen

Jeder Kurs mit einer Teilnehmerzahl zwischen zehn und 20 Personen wird zudem sozialpädagogisch in Form einer Fachkraft begleitet. Ein großes Problem ist laut Ziegler aber der Lehrermangel. „Der Markt ist leer“, erklärte die Leiterin des Kolping-Bildungswerks.

„Fit for work“ heißt der Kurs, dem der Landtagsabgeordnete im Kolping-Haus an der Raigeringer Straße zusammen mit Franz Elsner einen Besuch abstattete. Neun Teilnehmer aus den Krisenregionen Irak, Syrien, Eritrea, die bisher nur geringe Deutschkenntnisse haben, erhalten in der Metallwerkstatt Grundkenntnisse im Metallbau mit berufsbezogenem Deutschunterricht. So mancher der Kursteilnehmer konnte da den Gästen bereits ein Ergebnis seiner handwerklichen Kunst präsentieren.

Kolping-Bildungswerk

  • Einrichtungen

    Sieben Kolping-Bildungswerke gibt es in Bayern, eines davon in Amberg. Dieses ist auf drei Häuser verteilt, zwei davon im Stadtgebiet (Raigeringer Straße, Kochkellerstraße), eines befindet sich in Sulzbach-Rosenberg. Neben dem Kolping-Bildungswerk gibt es auch die Kolping-Jugendhilfe.

  • Mitarbeiter

    120 Mitarbeiter sind derzeit im Kolping-Bildungswerk, einem eingetragenen Verein beschäftigt. Beide Vereine – Bildungswerk und Jugendhilfe in Amberg – beschäftigen zusammen 450 Mitarbeiter. Allein seit September vergangenen Jahres sind 50 neue Beschäftigte hinzugekommen. (age)

Einige helfen als Dolmetscher

Richard Bäumler, der Leiter des sogenannten Alphabetisierungskurses, versucht zwölf jungen Flüchtlingen Grundkenntnisse in der deutschen Sprache beizubringen. Ursprünglich 22 Teilnehmer saßen zu Beginn des freiwilligen Kurses jeweils an einem mit Computer ausgestatteten Arbeitsplatz, inzwischen sind es nur noch zwölf. Die Deutschkenntnisse der Kurs-Teilnehmer sind so unterschiedlich, dass einige bereits als Dolmetscher im Unterricht helfen können. Jeder Teilnehmer erhält nach drei Monaten einen sogenannten Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein.

Erst vor einer Woche fand am Amberger Beruflichen Schulzentrum unter Federführung von Franz Elsner von der Agentur für Arbeit die sogenannte Job-Messe statt, mit dem Ziel, Kontakte zwischen Firmen und arbeitssuchenden jungen Flüchtlingen herzustellen. Es zeigt sich, dass die große gesellschaftliche Aufgabe der Integration von Flüchtlingen von vielen Händen angepackt wird.

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