MyMz
Anzeige

Die Sanierung stinkt und wird teurer

Ein Großteil der Sanierung der Parkplätze an der Emailfabrikstraße in Amberg ist geschafft. Riechen wird es bis Mitte Mai.
Von Mariele Schön

  • Walter Pirner von der „Protect Umwelt“, der leitende Ingenieur der Sanierungsbaustelle, vor seiner zwölf Meter hinab reichenden „Tiefbohrung“; rechts im Hintergrund die Sparkasse an der Marienstraße Foto: Schön
  • Zur Sicherheit der Menschen und zum Nachweis, dass der Geruch gesundheitlich unbedenklich sei, seien stets Messgeräte im Einsatz gewesen, erklärt Walter Pirner. Foto: Schön
  • Auch jetzt noch ein beeindruckendes Bild – wenn mal gerade keine schweren Lastwagen die Sicht verdecken Foto: Schön

Amberg.Alle, die in der Marienstraße einen Arztbesuch machten, die einkauften oder hier arbeiten, rochen den teilweise bestialischen Gestank von weitem. Walter Pirner von der „Protect Umwelt“ winkte ab. Der leitende Ingenieur der Sanierungsbaustelle erklärte im Gespräch mit der MZ, so schlimm es auch gerochen habe – gefährlich sei das nicht gewesen. Es habe sich nicht um Gase gehandelt. Der Geruch sei vielmehr von Feststoffen ausgegangen. Zur Sicherheit der Menschen und zum Nachweis, dass der Geruch gesundheitlich unbedenklich sei, seien stets Messgeräte im Einsatz gewesen.

Pirner sagte, die Psychologie spiele bei der Wahrnehmung dieser Gerüche eine große Rolle. „Die Nase ist empfindlicher als die Messgeräte“. Manche Leute hätten angerufen und ihre Ängste geäußert. Ihnen habe er im Büro die Ergebnisse der Messgeräte gezeigt. „So haben wir die Leute beruhigen können“, betonte Pirner. Wegen der geruchsintensiven Erde wurde sehr großes Augenmerk auf Arbeits- und Immissionsschutz gelegt. Das Konzept haben unter anderem das Umweltamt, die Gewerbeaufsicht, das Wasserwirtschaftsamt, die Berufsgenossenschaft und die Protect Umwelt erstellt.

Bewusst bei kaltem Wetter

Jetzt ist die schlimmste Kontamination aus dem Boden entfernt. Für etwa drei Wochen, Ende April bis Mitte Mai, wird es noch einmal übel riechen. Dann werden die restlichen Schadstoffe aus dem Boden beseitigt, der aktuell noch Parkplatz ist. Man kann momentan die verbliebenen Schadstoffe gut sehen, wenn man in das riesige Loch schaut. Die belastete Erde hebt sich schwarz ab. Jetzt wird das ausgehobene Loch zugefüllt. Erde und Schotter werden so befestigt, dass Autos darauf parken können. Ist der Parkplatz provisorisch fertig, können die Arbeiten an der nördlichen Fläche beginnen.

Sanierung im Blickpunkt

  • Abschnitte

    Die Bauarbeiten wurden in zwei Bauabschnitte aufgeteilt, damit zu jeder Zeit eine Fläche als Parkplatz erhalten werden konnte.

  • Zukunft

    Nach der Bodensanierung sollen wieder Parkplätze gebaut werden. Durch das abschüssige Gelände können zwei Parkdecks übereinander entstehen. Die Parkdecks haben jeweils eigene Einfahrten.

  • Nutzung

    Entlang der Emailfabrikstraße sind Gebäude für Dienstleistungsfirmen geplant.

  • Finale

    Die Bodensanierung ist im Mai abgeschlossen.

  • Bauherr

    Die Gewerbebau Amberg ist Entwickler des Areals. (aon)

Von Dezember 2014 bis jetzt, im März 2015, wurde der südliche Teil der Gesamtfläche entkontaminiert. Die Zeit wurde bewusst gewählt, weil bei kalter Witterung die leichtflüchtigen Bestandteile nicht so leicht ausgasen.

Auf dem im ersten Bauabschnitt sanierten Gebiet lag auch die Hauptverseuchung. 63 Tonnen belasteter Boden wurde hier abtransportiert. Das waren 2500 Lkw-Ladungen voll. Die Erde war unterschiedlich verseucht, weshalb alle 500 Kubikmeter der Belastungsgrad der Erde neu gemessen wurden. Kaum belaste Erde wurde dann zur Schlackenhalde der Luitpoldhütte gefahren. Dort wird sie rekultiviert. Stark belaste Erde, immerhin der Großteil, wurde dann zu einer Bodenbehandlungs- oder Bodenbeseitigungsanlage innerhalb und außerhalb Bayerns gefahren.

Bis zum Grundwasser hinab wurde hierbei zwölf Meter in die Tiefe ausgegraben. Das Grundwasser ist bereits belastet. „Das Grundwasser gehört der Allgemeinheit, keiner Firma, nicht der Stadt und nicht der Gewerbebau. Es zu schützen, ist das oberste Ziel der Sanierung“, hob Pirner dieses oberste Sanierungsziel hervor. Nach der Sanierung können dann auch keine Schadstoffe mehr ins Grundwasser gelangen.

„Es läuft alles gut“

Überraschungen wie Teertanks, wie sie bei der Sanierung der Parkfläche zwischen Marienstraße und Bahngleisen gefunden wurden, fanden die Arbeiter nicht. „Es läuft alles gut“, sagte Pirner. Nur, dass 10 000 Tonnen stark kontaminiertes Material mehr als im Gutachten geplant abtransportiert werden mussten. Pirner sagte, der gesteckte finanzielle Rahmen könne nicht eingehalten werden. Die Entsorgung würde ja 70 Prozent der Sanierungskosten ausmachen. Die 10 000 Tonnen merke man da gewaltig.

4,2 Millionen Euro waren für die Schadstoffsanierung insgesamt veranschlagt, Walter Pirner rechnet jetzt mit Kosten von fünf Millionen Euro.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht