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Ausstellung

Ideenwirbel und Gedankenstürme

Das Amberger Luftmuseum wird zehn Jahre alt. Zum Jubiläum zeigt sein Gründer Wilhelm Koch wieder eigene „Luft-Bildhauerei“
Von Peter Geiger, MZ

Wilhelm Koch hat sich extra zur Eröffnung seiner Werkschau „Luft-Bildhauerei“ ein Pneu-Sakko schneidern lassen. Ob es aufblasbar ist, wollte er noch nicht verraten. Foto: Geiger
Wilhelm Koch hat sich extra zur Eröffnung seiner Werkschau „Luft-Bildhauerei“ ein Pneu-Sakko schneidern lassen. Ob es aufblasbar ist, wollte er noch nicht verraten. Foto: Geiger

Amberg.Luftmuseums-Gründer Wilhelm Koch ist eigentlich Werbegrafiker. Die Handschrift eines Angehörigen dieses Berufsstands lässt sich entweder an der Klarheit seiner Entwürfe erkennen oder an seinem Humor und seiner Verspieltheit. Dass Wilhelm Koch definitiv beiden Spezies zuzurechnen ist, davon zeugt ein kleines Straßenschild. Er hat es für jene Verkehrsteilnehmer entworfen, die eigentlich schon im Begriff sind, Amberg auf der B 85 in Richtung Regensburg zu verlassen.

Alle Wege führen ins Luftmuseum

Auf eindeutig verschlungene Weise appelliert es mit Pfeilen und Kreisen an potenziell Kunstinteressierte, doch nochmal umzukehren an der nächsten Ampel, sodann direttissima ins Stadtzentrum zurückzukehren, im Kreisel an der zweiten Ausfahrt abzubiegen und dann den Ring entlang bis zum Stadtschloss zu fahren, um dort, nach zwei neuerlichen Rechtswendungen an einem Nebengebäude eben jener kurfürstlichen Gesamtanlage zu landen, in der sich seit bald zehn Jahren das von ihm gegründete Luftmuseum befindet, am Eichenforstplatz.

Der Luftbildhauer Wilhelm Koch

  • Der Künstler:

    Wilhelm Koch, Jahrgang 1960, begann schon während seines Studiums in Würzburg, München und Frankfurt, pneumatische Skulpturen aus Gummischläuchen zu entwickeln. In Kallmünz betrieb er bis zum Jahr 2000 das „Gummeum“ im Raitenbucher Schloss und zeigte dort seine Objekt und Installationen, seine Luftmaschinen, Saugbläser, Lufttypographie und mehr.

  • Der Ermöglicher:

    Nahe seinem Heimatdorf Etsdorf hat Koch die Asphaltkapelle wiederaufgebaut, die er ursprünglich für die Oberbayerischen Kulturtage 2001 auf den Kapellplatz in Altötting gestellt hatte. 2002 wurde die Kapelle geweiht. Neben dem Luftmuseum betreibt Koch die Pläne für eine Glyptothek in Etsdorf.

  • Der Preisträger:

    Ausgezeichnet wurde Wilhelm Koch sowohl als Künstler wie als Kunstvermittler, unter anderem mit dem Kulturpreis des Bezirks Oberpfalz (2003), dem E.ON Kulturpreis Bayern (2208) und dem Förderpreis der Internationalen Bodenseekonferenz für Innovative Kulturvermittlung (2010).

  • Die Werkschau:

    Die Ausstellung „Luft-Bildhauerei“ wird am Samstag, 30. Januar, um 19.30 Uhr im Luftmuseum eröffnet. Eine Einführung gibt Prof. Dr. Volker Fischer, Frankfurt/M. Zu sehen ist die Werkschau bis 22. Mai 2016.

Das Luftkreuz „Ruáh“ entstand 2010 für den Ökumenetag in München. Foto: Koch
Das Luftkreuz „Ruáh“ entstand 2010 für den Ökumenetag in München. Foto: Koch

Und was verrät diese kleine Geschichte über Wilhelm Koch? Dass er ein Menschenfischer ist, ein unermüdlicher Arbeiter, der auch um jene Besucher wirbt, die längst auf Abwegen unterwegs sind. Dass er mit seiner Kreativität – denn selbstredend ist auch dieses Schild Teil des Gesamtkunstwerks „Luftmuseum“ – den Alltag pflastert. Dass er Ideenwirbel und Gedankenstürme auszulösen vermag. Und: Dass er keine Gelegenheit auslässt, mit seinem Publikum in Kontakt zu treten und zu kommunizieren.

Wilhelm Koch erläutert im Amberger Luftmuseum u.a. den Ego-Sauger:

Kommunikation ist überhaupt ein Stichwort dafür, wie sehr sich Amberg durch das Luftmuseum verändert hat. Die alte Hauptstadt der Oberpfalz hat sich eingelassen auf dieses Experiment. Auch die Verwaltungschefs haben erkannt: Das ist ja gar kein Ufo, das herbeigeflogen kam aus fremden Galaxien und mitten im Oval der Altstadt gelandet ist. Nein, Wilhelm Koch, der Luftbildhauer mit Wohnsitz im 13 Kilometer östlich gelegenen Dörfchen Etsdorf, der meint es ernst mit seinen Ambitionen und seinen künstlerischen Beatmungsversuchen. Er pumpt mehr als nur heiße Luft ins – wegen seiner Form so genannte – „Amberger Ei“.

Lufttypographie konnten schon die Besucher des 2000 geschlossenen „Gummeums“ in Kallmünz bewundern. Foto: Koch
Lufttypographie konnten schon die Besucher des 2000 geschlossenen „Gummeums“ in Kallmünz bewundern. Foto: Koch

Möglicherweise verfügt Wilhelm Koch selbst ein bisschen über die Eigenschaften von Luft, seinem Lieblingselement schon seit Meisterschülertagen an der Städelschule in Frankfurt. Kaum hatte sich vor zehn Jahren die Chance eröffnet, dass das Vor- und Frühgeschichtsmuseum auszog und das „Klösterl“– als Teil der Schlossanlage beherbergt es auch das Kleinod der pfalzgräflichen Kapelle – frei wurde, da hatte er schon ein Konzept aus dem Hut gezaubert. Er unterbreitete den Verantwortlichen den Vorschlag, wie’s denn wäre, wenn er einzöge und das Gebäude fluten würde mit seiner Idee vom Luftmuseum?

Ein Video von Kochs „Luftkreuz“, das für den Münchner Ökumenetag 2010 entstanden ist:

Dass auch historisch wertvolle Städte wie Amberg originelle Marketingideen so notwendig brauchen wie das tägliche Brot respektive die Luft zum Atmen – das liegt auf der Hand. Beim heutigen Kulturreferenten Wolfgang Dersch läuft Wilhelm Koch mit seinen Anregungen stets offene Türen ein. Spätestens, seit im Jahr 2012 die ebenfalls von Wilhelm Koch erdachte „Luftkunstnacht“ mit dem Bayerischen Stadtmarketingpreis bedacht wurde, ist auch von Verwaltungsseite die Bereitschaft groß, dem Luftmuseum noch etwas mehr Luft unter die Flügel zu pusten. Deshalb nennt sich Amberg mittlerweile auch ganz offiziell „Luftkunstort“ und hat für die Kommunikationswissenschaftlerin Johanna Foitzik einen Arbeitsplatz als Volontärin im Luftmuseum geschaffen. Bei Neubauten in der Altstadt soll künftig darauf geachtet werden, dass die Architektur um luftkünstlerische Aspekte bereichert wird.

Ein 3D-Modell der Glyptothek, die Wilhelm Koch in seinem Heimatdorf Etsdorf plant:

Wenn am Samstag Wilhelm Koch im Luftmuseum wieder eine Ausstellung eröffnet, dann ist das eine ganz besondere. Nicht, dass er nicht auch sonst Außergewöhnliches und Merkwürdiges präsentieren würde – erinnert sei nur an den japanischen Architekten Kengo Kuma oder die Weltpremiere einer Lochausstellung. Nein, diesmal hat der Museumsgründer selbst sein Archiv geplündert und präsentiert unter dem Titel „Luft-Bildhauerei“ riesenhafte Arbeiten vornehmlich aus aufgeblasenen Bulldog-Schläuchen.

Ego-Sauger, Saugbläser und andere eigenwillige Maschinen gehören zur Grundausstattung des Museums. Foto: Koch
Ego-Sauger, Saugbläser und andere eigenwillige Maschinen gehören zur Grundausstattung des Museums. Foto: Koch

Was die Besucher da zu sehen bekommen, ist eine Kunst aus Reifengummi, die einerseits so künstlich ist, wie man sich das nur vorstellen kann. Und die andererseits so natürlich und körperhaft wirkt in ihrer Aufgeblasenheit, dass man als Besucher und Gast unweigerlich lachen muss – und auf diese Weise Teil hat an der künstlerischen Beatmung der Stadt Amberg.

Lage des Luftmuseums in Amberg

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