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Zuflucht

„Integrationslotsen“ helfen Flüchtlingen

Der Malteser Hilfsdienst in Amberg startet ein neues Ehrenamtsprojekt – das Ziel sind hier individuelle Wege zur Integration.

Mit Integrationslotsen wollen die Malteser in Amberg sowohl Hilfe für geflüchtete Menschen bieten als auch Möglichkeiten zum besonderen ehrenamtlichen Engagement. Hilfe bieten die Malteser auch für 160 Flüchtlinge in einer eigenen Zentralen Unterbringungseinrichtung in Rees (Bild). Foto: Franke Luetke/Malteser
Mit Integrationslotsen wollen die Malteser in Amberg sowohl Hilfe für geflüchtete Menschen bieten als auch Möglichkeiten zum besonderen ehrenamtlichen Engagement. Hilfe bieten die Malteser auch für 160 Flüchtlinge in einer eigenen Zentralen Unterbringungseinrichtung in Rees (Bild). Foto: Franke Luetke/Malteser

Amberg.Die Integration von Flüchtlingen ist eine gesellschaftliche Aufgabe, deren Bewältigung ohne ehrenamtliche Arbeit kaum denkbar wäre. Auch in unserer Region sind viele Freiwillige in unterschiedlichen Helferkreisen aktiv. Mit einem neuen Angebot will der Malteser Hilfsdienst (MHD) die Begleitung und Integration von geflüchteten Menschen unterstützen: „Integrationslotsen“ heißt das neue Projekt, das der MHD bundesweit bereits an über 70 Standorten mit rund 1750 ehrenamtlich engagierten Menschen anbietet. In der Oberpfalz gibt es die Malteser-„Integrationslotsen“ bereits in Regensburg und Neumarkt, jetzt startet der MHD diesen Dienst auch in Amberg und sucht Menschen, die hier ehrenamtlich tätig werden wollen.

Der Stadt- und Kreisbeauftragte der Malteser, Carsten-Armin Jakimowicz, stellt den besonderen Ansatz des Projekts heraus: „Glücklicherweise gibt es in unserer Stadt schon viel ehrenamtliches Engagement im Bereich Migration und Asyl. Die Herausforderungen sind aber weiterhin groß. Die Malteser haben in ihrer über 900-jährigen Geschichte immer flexibel und, wenn nötig, auch unkonventionell auf die Nöte und Notwendigkeiten der Zeit reagiert. Daher haben wir uns entschlossen, mit dem Projekt Integrationslotsen zu starten und somit neben der Hilfe für geflüchtete Menschen auch die Begleitung der Ehrenamtlichen besonders in den Blick zu nehmen.“

Projektarbeit – hier auch interkulturell

Ein Kernaspekt, so Jakimowicz, die kompetente Schulung der Ehrenamtlichen und die Begleitung durch eine eigens zuständige, hauptamtliche Ehrenamtskoordinatorin in der Flüchtlingshilfe. Diese Stelle wurde bei den Amberger Maltesern nun geschaffen, und sie ist seit dem 1. Februar 2017 mit Astrid Knab besetzt, die viel Erfahrung in der Projektarbeit – auch im interkulturellen Bereich – und in der Arbeit mit Ehrenamtlichen mitbringt.

„Durch eine Ehrenamtskoordinatorin in der Flüchtlingshilfe wollen wir Malteser ehrenamtliches Engagement besonders fördern.“

Carsten-Armin Jakimowicz

Knab freut sich auf die neue Aufgabe, hofft, dass sich viele für dieses ehrenamtliche Engagement begeistern lassen. „Wer Integrationslotse werden möchte, erhält bei den Maltesern eine eigens für das Projekt konzipierte Basisschulung, die auf die Tätigkeit vorbereit. Zukünftige Lotsen erhalten für ihren Dienst hier wichtige Grundlagenkenntnisse, zum Beispiel im Bereich Interkulturelle Kommunikation“, sagt sie. Nach der Schulung wird der Einsatz der Integrationslotsen von Knab koordiniert und begleitet. Bei regelmäßigen Reflexionstreffen besteht die Möglichkeit zum Austausch.

Konkurrenzdenken wäre fehl am Platz

Hauptamtliche Ehrenamtskoordinatorin in der Flüchtlingshilfe ist bei den Amberger Maltesern seit dem 1. Februar 2017 Astrid Knab. Foto: Malteser Hilfsdienst Amberg
Hauptamtliche Ehrenamtskoordinatorin in der Flüchtlingshilfe ist bei den Amberger Maltesern seit dem 1. Februar 2017 Astrid Knab. Foto: Malteser Hilfsdienst Amberg

„Durch eine Ehrenamtskoordinatorin in der Flüchtlingshilfe wollen wir Malteser ehrenamtliches Engagement besonders fördern und dafür Sorge tragen, dass die Ehrenamtlichen nicht alleingelassen oder überfordert werden“, sagt Jakimowicz. Des weiteren ist ihm wichtig, dass das neue Angebot eine Bereicherung und Ergänzung zum bestehenden Engagement darstellt: „Ein Konkurrenzdenken wäre hier ja auch total fehl am Platze. Dafür sind die Erfordernisse im Bereich der Flüchtlingshilfe zu wichtig und umfangreich. Als Fachverband sind wir zudem mit der Caritas – die die Asylsozialarbeit und Migrationsberatung durchführt – eng vernetzt. Und darüber hinaus ist gerade in diesem Bereich eine gute Zusammenarbeit mit anderen Akteuren und Institutionen unabdingbar.“

„Konkrete christliche Nächstenliebe ist gefragt. Diese Arbeit macht große Freude.“

Dr. Constantin von Brandenstein-Zeppelin

Kürzlich stellte der MHD das Projekt „Integrationslotsen“ bei Staatsministerin Aydan Özoguz vor. Sie ist Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration – und stellt Fördermittel für die Integrationslotsen bereit: „Flüchtlinge haben viele Herausforderungen: Deutsch lernen, Wohnungssuche, Behördengänge, Wege zur Arbeit und in die Ausbildung finden. Nichts davon ginge ohne Unterstützung der vielen Ehrenamtlichen hierzulande. Auch die Integrationslotsen der Malteser leisten hier unverzichtbare Arbeit. Sie erklären, übersetzen, vermitteln und sind für die Geflüchteten ein persönlicher, vertrauter Kontakt in der neuen Umgebung.“

Flüchtlinge auf dem Weg in den Alltag

Sie weiß, was die Malteser leisten: Staatsministerin Aydan Özoguz (SPD) bei der Verleihung von Integrationsmedaillen anlässlich des Internationalen Tags der Migranten 2016. Foto: Maurizio Gambarini, dpa
Sie weiß, was die Malteser leisten: Staatsministerin Aydan Özoguz (SPD) bei der Verleihung von Integrationsmedaillen anlässlich des Internationalen Tags der Migranten 2016. Foto: Maurizio Gambarini, dpa

Des Weiteren freute sich die Ministerin, dass durch die finanzielle Hilfe für das Projekt durch den Bund bis Ende 2016 deutschlandweit bereits mehr als 12 000 Geflüchtete erreicht werden konnten. Dr. Constantin von Brandenstein-Zeppelin, Präsident des MHD, dankte den Integrationslotsen dafür, dass sie täglich Flüchtlingen auf ihrem Weg in den Alltag in Deutschland zur Seite stehen. An Menschen, die oft in großer Not aus ihrer Heimat geflohen seien, seien die Malteser „nah dran“.

Von Brandenstein-Zeppelin weiter: „Konkrete christliche Nächstenliebe ist gefragt. Diese Arbeit macht große Freude. Frau Özoguz hat unser Konzept seit März 2016 zum Pilotprojekt der Bundesregierung gemacht. Vielen Dank dafür!“ Als katholische Hilfsorganisation setzen sich die Malteser – neben dem Projekt „Integrationslotsen“ – vielfältig für geflüchtete Menschen ein. So betreuen sie deutschlandweit derzeit täglich rund 33 000 Asylbewerber in über 100 Einrichtungen von Ländern und Kommunen.

„Wir wollen versuchen, dass wir in Amberg auch ganz gezielt Migranten – auch Flüchtlinge, die schon einige Zeit hier sind – als Integrationslotsen gewinnen können.“

Carsten-Armin Jakimowicz

In Amberg wird das Projekt nach dem schon bewährten Malteser-Konzept durchgeführt. Astrid Knab erläutert mögliche Aufgabenfelder: „Wo es Flüchtlingen darum geht, Deutsch zu lernen, eine Wohnung und Arbeit zu finden, Kinder in der Schule anzumelden, sollen die Integrationslotsen helfen. Sie können beim Ausfüllen von Formularen helfen oder zu Behörden begleiten, geben Tipps, wie man ein Bus- oder Bahn-Ticket kauft, wo man am besten einkauft. Sie können Ratgeber bei vielen Fragen des Alltags sein.“

Dabei ist es den Maltesern wichtig, sagt Knab, dass das Projekt bewusst Raum bietet, die individuellen persönlichen Vorlieben und Stärken des Lotsen einzubringen: „Der eine hat vielleicht die Fähigkeit, besonders die Bereiche Sprache oder auch Kultur näherzubringen, ein anderer kennt vielleicht mögliche Praktikumsstellen.“

Lesen Sie viele Artikel zum Thema im großen „MZ Spezial Flucht und Asyl“ unseres Medienhauses – hier klicken!

Flüchtlinge als Integrationslotsen gewinnen

Freiwillige Helfer vom Malteser Hilfsdienst sind überall gefragt – in unserer Zeit vor allem auch in der Betreuung von Flüchtlingen. Foto: Malteser Hilfsdienst Amberg
Freiwillige Helfer vom Malteser Hilfsdienst sind überall gefragt – in unserer Zeit vor allem auch in der Betreuung von Flüchtlingen. Foto: Malteser Hilfsdienst Amberg

Zudem soll es laut Jakimowicz eine Besonderheit geben: „Wir wollen versuchen, dass wir in Amberg auch ganz gezielt Migranten – auch Flüchtlinge, die schon einige Zeit hier sind – als Integrationslotsen gewinnen können. Es gibt immer mehr Flüchtlinge, die unsere Sprache schon recht gut beherrschen und sich auch aktiv einbringen wollen.“ So könne – mit Einheimischen – Flüchtlingshilfe auf Augenhöhe passieren, meint dazu der Malteser-Beauftragte, und konkretisiert: „Wer kennt die Probleme besser als jemand, der sie selbst schon erlebt hat? Im Team mit Einheimischen ist der Austausch sicherlich dann auch besonders fruchtbar. Denn es braucht nicht nur Dolmetscher, sondern Menschen, denen es gelingt, Brücken zu schlagen und Verständnis zu schaffen.“

Lesen Sie hier den Bericht unseres Medienhauses über die Integrationslotsen in Regensburg!

Informationsabend am Mittwoch, 15. März 2017

Um bald mit der Schulung der Integrationslotsen starten zu können, veranstalten die Malteser für Interessierte einen Informationsabend. Er findet statt am Mittwoch, 15. März 2017, ab 18 Uhr in den Räumen der Amberger MHD-Geschäftsstelle, Sulzbacher Straße 15A. Astrid Knab: „Interessenten aller Nationen und jeden Alters sind herzlich eingeladen, sich unverbindlich über das neue Projekt zu informieren und Gleichgesinnte zu treffen.“ Bereits am 22. März soll dann auch schon das erste Treffen mit den zukünftigen Integrationslotsen stattfinden, um die weiteren Schritte zu planen.

Job-Messe für Flüchtlinge

  • Termin

    Agentur für Arbeit und Jobcenter Amberg veranstalten mit Industrie- und Handelskammer und Handwerkskammer am Dienstag, 14. März 2017, eine Job-Messe zur Vermittlung von Flüchtlingen mit günstiger Bleibeprognose. Firmen können sich potenziellen Bewerbern präsentieren und sich über Unterstützungsangebote bei Einstellung und Integration in den Arbeitsmarkt beraten zu lassen. Bewerber können mögliche Arbeitgeber kennenlernen und Gespräche führen. Sie erhalten vielfältige Informationen rund um die Job-Suche in der Region Amberg-Sulzbach.

  • Angebot

    Firmen aus verschiedenen Branchen bieten einen eigenen Infostand. Anwärter mit einem Mindestmaß an Deutschkenntnissen wurden von den Berufsschulen, der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter sowie von Ehrenamtlichen im Vorfeld angemeldet. Sie können sich an Informationsständen der Akteure beraten lassen. Die Veranstaltung findet statt im Beruflichen Schulzentrum Amberg, Raigeringer Straße 27. Der Ablaufplan sieht dann so aus: 15.00 bis 16.00 Uhr Informationsveranstaltung für Unternehmen, 16.00 bis 18.00 Uhr Job-Messe.

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