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Geschichte

Erhalt historischer Bauten ist Kraftakt

Was entstehen kann, wenn Sanierungen gemeinsam angepackt werden, zeigen Beispiele aus Amberg-Sulzbach beim Denkmaltag.
Von Michaela Fichtner

  • Groß war die Resonanz, als beim Tag des offenen Denkmals 2002 die Sanierungsarbeiten am Hammerschloss Schmidmühlen vorgestellt wurden. Auch 2016 ist das Schloss wieder ein Thema. Foto: Archiv/ajp
  • Von 1998 bis 2003 wurde das barocke Hammerschloss in Schmidmühlen saniert. Foto: Archiv/ajp
  • Beim „Tag des offenen Denkmals“ im Jahr 2002 erfuhren die Menschen mehr über die laufenden Sanierungsarbeiten im Schmidmühlener Hammerschloss. Foto: Archiv/ajp
  • So sah das Ockerbergwerk bei Neukirchen einst aus (Aufnahme aus dem Jahr 1966). Foto: Walter Schraml

Schmidmühlen.Prächtig ausgestattete Kirchen, schöne Schlösser oder mächtige Burgen: Solche Bilder haben die meisten Menschen zuerst im Kopf, wenn die Rede auf Denkmäler kommt. Kirchen und Schlösser bilden auch einen großen Teil der Angebote beim „Tag des offenen Denkmals“ im Landkreis Amberg-Sulzbach. Elf sind es insgesamt – dazu kommen zehn in der kreisfreien Stadt Amberg –, die am Sonntag, 11. September, vor allem mit Führungen örtlicher Heimatpfleger und Fachleute zu entdecken sind. Sie zeigen sowohl die Geschichte der Gebäude, als auch deren Sanierung und neue Zukunft, steht doch der Aktionstag unter dem Motto „Gemeinsam Denkmale erhalten“.

Lange Diskussionen gingen voraus

Im südlichen Landkreis Amberg-Sulzbach werden dabei zwei Denkmäler vorgestellt, die deutlich machen, wie durch eine öffentliche Nutzung einem Stück des historischen Erbes in der Region eine neue Zukunft, neues Leben eröffnet wurde – mitten in den Orten: Zum einen ist es das um 1700 erbaute barocke Hammerschloss in Schmidmühlen, das seit 2003 als Pfarr- und Gemeindezentrum genutzt wird, zum anderen das Rathaus Hohenburg.

So sah das Hohenburger Rathaus vor der Sanierung aus (Foto von 1981).
So sah das Hohenburger Rathaus vor der Sanierung aus (Foto von 1981). Foto: Archiv/Uschald

Beide Maßnahmen können auch als Beispiele dafür stehen, wie sehr um den Erhalt historischer Gebäude, um den Denkmalschutz, vor Ort oft gerungen wird, wie umstritten solche Projekte sind – und sowieso, wie teuer und aufwändig sie sind. Sowohl in Hohenburg als auch in Schmidmühlen, gingen den Sanierungsmaßnahmen lange Diskussionen voraus. Von 1986 bis 1993 dauerte die Restaurierung des städtebaulich bedeutenden ehemaligen Hofkastens in Hohenburg, die Einweihung des Rathauses 1993 fiel zusammen mit der Wiedererlangung der Selbstständigkeit des Markts, der vorher in einer Verwaltungsgemeinschaft mit Schmidmühlen verbunden war.

Viele haben mit angepackt

Das Hammerschloss Schmidmühlen zu Beginn der Sanierung um 1999/2000
Das Hammerschloss Schmidmühlen zu Beginn der Sanierung um 1999/2000 Foto: Archiv/ajp

1998, unter dem damaligen Bürgermeister Manfred Puchta, hat der Markt Schmidmühlen begonnen, das Hammerschloss zu sanieren – es war wohl eines der am heißesten umstrittenen Projekte, das nach Jahre langen Debatten nur mit einem denkbar knappen Abstimmungsergebnis im Gemeinderat eine Mehrheit gefunden hatte. Ein zentrales Gebäude ist es für die Geschichte Schmidmühlens, steht es doch für die Blütezeit des Markts als Industrie- und Handelszentrum. Und baukulturell höchst bedeutend, denn Bauherr Johann Hector von Vischbach ließ es im Stil des italienischen Barocks nach dem Vorbild italienischer Adelspaläste erbauen: Stuckdecken oder auch Fresken von Hans Georg Asam, dem Vater der Gebrüder Asam, zeugen davon.

Mehr als drei Millionen Euro wurden in die Sanierung des Schmidmühlener Hammerschlosses gesteckt. Foto: Archiv/ajp
Mehr als drei Millionen Euro wurden in die Sanierung des Schmidmühlener Hammerschlosses gesteckt. Foto: Archiv/ajp

Aber gleichzeitig war es eine immense Aufgabe, denn damals war das Schloss eigentlich nur noch eine Ruine. Ein Kraftakt waren einmal die vielfältigen Arbeiten: Vier Jahre lang dauerte die Sanierung des Schlosses. Und nicht nur das Hauptgebäude wurde saniert, sondern auch weitere prägende Gebäude im direkten Umfeld: das Fochtneranwesen, das seit 2002 die Heimat des Trachtenvereins ist, und der ehemalige Meiersaal, Heim der Blaskapelle St. Ägidius. Beide Vereine haben selbst fleißig die Ärmel hochgekrempelt – auch das sind Beispiele für das Motto des Aktionstages „Gemeinsam Denkmale erhalten“.

Mit dem Schlossstadel gegenüber dem Hauptgebäude packt der Markt Schmidmühlen nun das letzte Stück des Areals an. Ebenso heiß und ebenso lange umstritten – bis schließlich ein Bürgerentscheid 2015 den klaren Auftrag brachte, dem Stadel als Kultur- und Veranstaltungszentrum eine neue Zukunft zu geben.

Das Hammerschloss wird übrigens nicht zum ersten Mal beim „Tag des offenen Denkmals“ vorgestellt: Gerade in den Zeiten der Sanierung, 2001 und 2002, wurde anlässlich dieses Aktionstags der Öffentlichkeit die Möglichkeit gegeben, sich über den Fortgang der Arbeiten und Entdeckungen zu informieren, was auf große Resonanz stieß.

Motivierte Menschen sind wichtig

Vorgestellt wird beim „Tag des offenen Denkmals“ auch die Stadtpfarrkirche St. Jakobus der Täufer in Auerbach. Foto: agg
Vorgestellt wird beim „Tag des offenen Denkmals“ auch die Stadtpfarrkirche St. Jakobus der Täufer in Auerbach. Foto: agg

Die – allseits als gelungen gerühmte – Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes Hammerschloss war aber auch ein finanzieller Kraftakt: 3,2 Millionen Euro wurden investiert, trotz Zuschüssen und der Beteiligung der Pfarrei musste der Markt Schmidmühlen 1,2 Millionen Euro stemmen. So ist es kein Wunder, wenn Kreisheimatpfleger Dieter Dörner, der die Angebote für den „Tag des offenen Denkmals“ in der Region wieder koordiniert hat, auch die finanzielle Leistungsfähigkeit als unverzichtbar für den Erhalt historischer Gebäude hervorhebt.

Doch: Vor allem brauche es natürlich ein Bewusstsein für die Bedeutung des baukulturellen Erbes. „Motivierte Menschen“, wie der Kreisheimatpfleger sagt. Solche stehen auch hinter den Veranstaltungen am 11. September im Landkreis, ob es sich nun um öffentliche Maßnahmen bzw. Sanierungen von Kirchenverwaltungen handelt oder private Initiativen.

Das Modell eines Ockerbergwerks: Ortsheimatpfleger Walter Schraml zeigt in Neukirchen die Ockerstube, die er in Erinnerung an den Ockerbergbau in der Region Neukirchen einrichtet. Foto: Walter Schraml
Das Modell eines Ockerbergwerks: Ortsheimatpfleger Walter Schraml zeigt in Neukirchen die Ockerstube, die er in Erinnerung an den Ockerbergbau in der Region Neukirchen einrichtet. Foto: Walter Schraml

Neben dem Hammerschloss Schmidmühlen und dem Rathaus Hohenburg werden die Stadtpfarrkirche St. Johannes der Täufer in Auerbach und die Kirche St. Magdalena im Auerbacher Stadtteil Ranna vorgestellt. Mit dabei ist wieder das Freilandmuseum Goglhof in Eberhardsbühl von Margarete Jäkel. Zu den Privatinitiativen gehören auch der Illschwanger Hopfenstadl, ein kleines Museum, das vom örtlichen OGV unterhalten wird, und das Schloss Kirchenreinbach (Gemeinde Etzelwang). Vorgestellt wird auch die Ockerstube in der „Alten Post“ in Neukirchen, mit der Ortsheimatpfleger Walter Schraml an die Blütezeit des Ockerbergbaus in der dortigen Region erinnert. In Vilseck kann man das Zielbauer-Haus aus dem 16. Jahrhundert entdecken, eines der ältesten Gebäude der Stadt. Schließlich gibt es zwei Angebote in der Stadt Sulzbach-Rosenberg: Vorgestellt werden die „Alte Hofapotheke“ und die Pfarrkirche St. Marien am Luitpoldplatz

Veranstaltungen im Landkreis

  • Auerbach

    Die Stadtpfarrkirche St. Johannes der Täufer (Pfarrstraße) wird bei einer Führung um 15 Uhr durch Willi Schelz vorgestellt. Eine einst dreischiffige romanische Holzkirche wurde nach der Stadterhebung 1314 durch eine romanische Steinkirche ersetzt. Ende 1600 erfolgte der Neubau einer Barockkirche. Besonderheiten sind die Akanthusaltäre vom Auerbacher Bildhauer Michael Doser und der Altar aus heimischem Eisenerz.

  • Auerbach-Ranna

    Bei der Kirche St. Magdalena, an der Staatsstraße 2162 gelegen, handelt es sich um eine 1743 erbaute Barockkirche mit einem Hochaltar von Michael Doser. 2008 und 2015 erfolgten Außen- und Innensanierung. Eine Führung wird um 16 Uhr durch Marianne Mimler-Hofmann angeboten.

  • Edelsfeld

    Das Freilandmuseum Goglhof in Eberhardsbühl ist geprägt von Meisterstücken des Handwerks: Fenstergewölbe vom Maurer, profilierter Unterzug mit optischer Täuschung vom Zimmermann, handgeschmiedetes Scharnier vom Schmied und seltenes altes bäuerliches Gerät. Geöffnet ist es von 13 bis 18 Uhr, Führungen gibt es um 14.00, 15.00, 16.00 Uhr durch Ortsheimatpflegerin Margarete Jäkel

  • Etzelwang

    Führungen durch das Schloss Kirchenreinbach werden von 14 bis 18 Uhr laufend durch Ortsheimatpfleger Leonhard Ehras und Karl Lehnerer angeboten.

  • Hohenburg

    Einst hochherrschaftlicher Hofkasten, durchlebte das Rathaus am Marktplatz Jahrhunderte wechselvoller Geschichte, deren Spuren es zu entdecken gilt. Dieses „Denkmal mit Charme und Geschichte“ stellt Ortsheimatpflegerin Ines Kämmler bei Führungen um 14.00, 15.00 und 16.00 Uhr vor.

  • Illschwang

    Der Hopfenstadl (Ulrichstraße) wurde 1897 als Hopfenlager und -handelsplatz erbaut. Er beherbergt heute ein kleines Hopfenmuseum. Führungen gibt es von 14.30 bis 17 Uhr mit Frieda Dehling und Lorenz Geitner.

  • Neukirchen

    Neukirchen war einst Zentrum des Ockerbergbaus mit einer der größten Farbmühlen der Region. Entdeckt wurde der 1859 beim Bau der Ostbahn. In der Ockerstube, die Ortsheimatpfleger Walter Schraml in der Alten Post gegenüber dem Bahnhof aufbaut, sind eine fotografische Dokumentation des Ockerbergbaus und eine Sammlung von Gerät und Werkzeug zu sehen, erzählt wird die Geschichte des Bergbaus. Erläuterungen gibt es von 14 bis 16 Uhr durch Walter Schraml.

  • Schmidmühlen

    Vorgestellt wird das um 1700 erbaute Hammerschloss in der Hammerstraße. Das Eisenhammerwerk und die Papiermühle waren ehemals Mittelpunkt einer intakten „industriellen“ Ansiedlung. Führungen gibt es von 10.30 bis 11.30 und 13 bis 16 Uhr durch Ortsheimatpfleger Josef Popp.

  • Hofapotheke Sulzbach-Rosenberg

    Zu sehen ist die „Alte Hofapotheke“ am Luitpoldplatz, ein ehemaliges Landrichterhaus, das ab 1823 Hofapotheke war. Geöffnet ist sie von 14 bis 16 Uhr, Führungen gibt es stündlich durch Dr. Markus Lommer oder Frau Koch.

  • St. Marien Sulzbach-Rosenberg

    Der Bau der Pfarrkirche St. Marien am Luitpoldplatz wurde nach 1355 begonnen, das dreischiffige Langhaus entstand ab 1412. Geöffnet ist sie von 10 bis 18 Uhr, Führungen gibt es um 13, 14, 15 und 16 Uhr durch Mesner Dietmar Meiser, Kirchenmusiker Steffen Kordmann und Stadtheimatpfleger Markus Lommer. Um 10 Uhr ist Gottesdienst, gegen 11.15 Uhr Auftakt durch Stadtpfarrer Dekan W. Hellauer, ab etwa 11.30 Uhr Bewirtung auf dem Pfarrplatz hinter der Kirche und um 17 Uhr gibt es ein kirchenmusikalisches Abendlob.

  • Vilseck

    Das Zielbauer Haus, errichtet im 16. Jahrhundert, zählt zu den ältesten Gebäuden der Stadt. Es prägt mit dem Nachbaranwesen den Marktplatz weitgehend mit. Führungen gibt es um 10.30 Uhr und 14.30 Uhr durch Dorothee Schulze-Zumhülsen und Architekt Josef Götz.

Noch viel zu tun wäre in der Region

Erfreuliche und schöne Initiativen – aber für Kreisheimatpfleger Dieter Dörner ist der „Tag des offenen Denkmals“ auch ein Anlass, auf Problemfälle hinzuweisen, auf bedeutende Gebäude, bei denen Sanierungen drängen, die teilweise sogar langsam, aber sicher, zu Ruinen werden. Das Schloss in Hohenkemnath beispielsweise: In dem Haus sei er vor einigen Jahren noch über Treppen in den ersten Stock gegangen, erzählt Dörner. Inzwischen seien sie eingestürzt – und der Verfall gehe weiter. Nach Ansicht Dörners sei es für Privatleute bzw. einen Investor kaum nutzbar: „Die Autos würden ja quasi fast durchs Schlafzimmer fahren“, drückt er es drastisch aus. Die öffentliche Hand hätte es einer Nutzung zuführen können; die Idee für ein Gemeindezentrum habe einmal bestanden, sei aber nicht weiterverfolgt worden, bedauert er.

Und er fragt auch: „Was wird mit der Klosterburg Kastl? Was mit dem Pflegschloss in Hohenburg?“ Gerade letzteres verfalle auch zusehends. Eine Sanierung bzw. künftige Nutzung sei nicht in Sicht, weiß Dörner, der aber auch die schwierige Situation des Markts Hohenburg kennt.

Denkmal – das ist noch viel mehr

Denkmäler – das sind nicht nur Schlösser und Kirchen, sondern auch Gräber, wie hier im Dreifaltigkeitsfriedhof Amberg. Foto: M. Fichtner
Denkmäler – das sind nicht nur Schlösser und Kirchen, sondern auch Gräber, wie hier im Dreifaltigkeitsfriedhof Amberg. Foto: M. Fichtner

Doch nicht allein um große Gebäude geht es ihm, sondern auch ganz andere, kleinere Dinge gehören dazu, die man wohl nicht in erster Linie mit Denkmalschutz verbinde. Dörner nennt als Beispiel Gräber – auch ein wichtiger Teil der Geschichte, was aber nicht vielen bewusst sei, vor allem in ländlichen Regionen, bedauert er. In Städten habe man die geschichtliche und kulturelle Bedeutung von Friedhöfen eher erkannt, wie er am Beispiel Ambergs deutlich macht: Im Dreifaltigkeitsfriedhof gibt es 117 denkmalgeschützte Grabstätten von Amberger Ehrenbürgern – Dörner wird sie übrigens selbst bei einer der Führungen in Anberg zum „Tag des offenen Denkmals“ vorstellen.

Zahlreiche Orts- und Heimatpfleger, engagierte Privatleute und Vereinsmitglieder sowie Vertreter von Sanierungsträgern stehen mit Dieter Dörner am 11. September im Landkreis Anberg-Sulzbach und der Stadt Amberg bereit, um Menschen für Denkmäler und damit für ihre Heimat und die Heimatgeschichte zu sensibilisieren. Und sie hoffen auch, dass der eine oder andere das Bewusstsein für den Erhalt des Erbes neu entdeckt – und sich vielleicht sogar selbst in seinem direkten Umfeld für den Denkmalschutz engagiert.

Auf dieser Karte finden Sie eine Übersicht über die Angebote zum „Tag des offenen Denkmals“ in der Region!

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