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Energie

Ladesäulen sind ein Standortfaktor

1400 Elektrofahrzeuge könnten künftig im Landkreis Amberg-Sulzbach fahren. Wichtig ist, die Ladeinfrastruktur zu schaffen.
Von Gerd Spies

Die Akzeptanz für E-Mobilität steigt durch eine gesicherte Lademöglichkeit – und genau dies will ein E-Mobilitäts-Konzept für den Landkreis Amberg-Sulzbach anpacken. Symbolfoto: dpa
Die Akzeptanz für E-Mobilität steigt durch eine gesicherte Lademöglichkeit – und genau dies will ein E-Mobilitäts-Konzept für den Landkreis Amberg-Sulzbach anpacken. Symbolfoto: dpa

Amberg.Das Interesse an der Informationsveranstaltung war groß, der König-Ruprecht-Saal im Landratsamt Amberg-Sulzbach war nahezu voll besetzt. Ob Kommunalpolitiker oder interessierter Bürger: Alle wollten von den beiden Fachleuten, Hardy Barth von der gleichnamigen Elektrofirma aus Schwend und Matthias Groher vom Institut Neue Mobilität, deren Konzept zum Ausbau der Elektromobilität im Landkreis Amberg-Sulzbach vorgestellt bekommen.

Eine euphorische Aufbruchsstimmung wollte aber bei der Diskussion im Anschluss an die Vorträge der beiden Fachleute zunächst nicht so recht aufkommen, stehen doch einige Fragezeichen hinter dem vorgestellten Konzept, wie die E-Mobilität im Landkreis Amberg-Sulzbach einmal ausschauen könnte.

Nur 86 E-Fahrzeuge im Kreis

Matthias Groher (links) und Hardy Barth (rechts) stellten auch eine Ladestation vor. Foto: age
Matthias Groher (links) und Hardy Barth (rechts) stellten auch eine Ladestation vor. Foto: age

Gerade mal 86 Fahrzeuge – allein in Hahnbach sind es zehn – sollen derzeit im Landkreis zugelassen sein. Nach der Prognose von Matthias Groher könnten in wenigen Jahren bereits 1400 dieser geräuschlosen und umweltfreundlichen Fahrzeuge auf unseren Straßen fahren.

Entscheidend wird natürlich die Ladeinfrastruktur sein. „Ladesäulen sind ein echter Standortfaktor“, ist auch Matthias Groher überzeugt. Der Fahrer eines E-Autos werde dorthin fahren, wo eine Ladestation steht und er sein Fahrzeug „auftanken“ kann. Die Akzeptanz für E-Mobilität steige durch eine gesicherte Lademöglichkeit, ist Groher überzeugt.

Bestandsaufnahme der erste Schritt

Hardy Barth (links) und Matthias Groher (rechts) stellen das Elektromobilitätskonzept für den Landkreis Amberg-Sulzbach vor. Foto: age
Hardy Barth (links) und Matthias Groher (rechts) stellen das Elektromobilitätskonzept für den Landkreis Amberg-Sulzbach vor. Foto: age

Um aber eine funktionierende Infrastruktur auf die Beine stellen zu können, müsse ein Konzept erstellt werden, bei dem viele Partner mit im Boot sitzen. Groher gab auch schon die Vorgehensweise in naher Zukunft vor. Nach einer Bestandsaufnahme mit einer Umfrage, wo bereits Ladestationen stehen, was in den kommenden Wochen passieren soll, müssen mit den unterschiedlichen Organisationen und Institutionen Gespräche geführt werden. Die Bürgermeister, der Zweckverband Nahverkehr, Verbände wie Caritas etc., aber auch gewerbliche Unternehmen müssten in das Gesamtkonzept eingebunden werden.

Natürlich wird der Besitzer eines E-Autos eine Lademöglichkeit zu Hause haben, 70 Prozent des notwendigen Strombedarfs wird er in der eigenen Garage anzapfen, zitierte Groher aus einer Studie. Aber der Einzelhandel sei schon aufgesprungen, Kundenwerbung mit Ladestationen zu betreiben. „Aldi und Lidl planen bereits die Ausstattung ihrer Parkplätze mit Ladestationen“, erklärte Groher.

Die beiden Initiatoren

  • Hardy Barth

    Hardy Barth hat sich mit seinem Elektro-Unternehmen in Schwend neben Elektroinstallation auch auf Photovoltaik, E-Mobilität und den Bau von Ladestationen spezialisiert. Das Unternehmen erhielt den Bundespreis 2017 für hervorragende innovatorische Leistungen im Handwerk.

  • Matthias Groher

    Matthias Groher, der zweite Initiator des Konzepts, stammt aus Sulzbach-Rosenberg, ist Leiter des „Instituts Neue Mobilität“ mit Sitz in Berlin. Diese Einrichtung hat sich zum Ziel gesetzt, für ihre Kunden im Wachstumsbereich Elektromobilität erfolgreich Geschäfte zu generieren. (age)

Auch Kommunen sind gefordert

Doch auch die Kommunen dürften sich dieser Chance nicht verschließen. „Tankstellen für E-Fahrzeuge gehören auf öffentliche Parkplätze, an Bahnhöfen, Schulen, Freizeiteinrichtungen der Kommunen“, fordert der Institutsleiter „Neue Mobilität“.

Hans-Jürgen Frey, der Vorsitzende des Solarfördervereins, der ebenfalls unter den Zuhörern war, sieht darin sogar für die Kommunen die Möglichkeit, touristische Werbung zu betreiben. „Die Gemeinden müssen ihre Ladestationen vermarkten“, riet Frey.

Doch da herrscht noch Skepsis, wie Diskussionsbeiträge zeigten. „Ich möchte als Kommune keine Tankstelle betreiben“, war aus dem Plenum zu hören. Mit bereits laufenden Konzepten des Landkreises wie dem Klimaschutz-Konzept solle außerdem das Elektromobilitätskonzept abgestimmt werden.

Einheitliche Standards wichtig

Der König-Ruprecht-Saal war bei der Informationsveranstaltung gut gefüllt. Foto: age
Der König-Ruprecht-Saal war bei der Informationsveranstaltung gut gefüllt. Foto: age

Einhellig gefordert wurde auch die Erarbeitung einheitlicher Standards. Welche Steckertypen, welche Ladeleistung, welches Bezahlsystem usw. sich am besten eignet, darauf versuchte Hardy Barth die richtige Antwort zu geben. Der Elektro-Fachmann aus Schwend, der erst jüngst mit seinem Betrieb den Bundespreis 2017 erhalten hat, erläuterte die Vielzahl der unterschiedlichen Details bei den Ladesäulen. Hier ein einheitliches Konzept zu erstellen mit gleichen Standards für alle Beteiligten im Landkreis Amberg-Sulzbach sehen alle Teilnehmer der Veranstaltung als besonders wichtige Voraussetzung für eine Umsetzung des Konzepts an.

Förderung durch den Staat

Der Staat unterstützt den Ausbau der E-Mobilität durch umfangreiche Förderprogramme. Aktuell mit 40 Prozent, ab Juli wahrscheinlich mit 60 Prozent bezuschusst er die Anschaffung einer Ladesäule, deren Preis bei einer Auslegung auf 22 kW rund 5000 Euro beträgt. Bedingung ist aber, dass es sich um Öko-Strom, also Strom aus erneuerbaren Energiequellen, handelt. Die Gemeinde Kümmersbruck hat erst jüngst für ihr Ortszentrum eine Ladestation bestellt, informierte Hardy Barth. Auch die Autofahrer kommen in den Genuss einer Förderung, wenn sie sich ein E-Fahrzeug anschaffen. 4000 Euro legt der Staat drauf, zusätzlich erhält man für zehn Jahre die Kfz-Steuer erlassen.

So mancher Autofahrer soll, so ergab zumindest eine Umfrage, mit der Anschaffung eines E-Fahrzeugs schon liebäugeln. „Pulchior ut sorgat“, auf Deutsch „sorgt dafür, dass es besser wird“ – dieser Herausforderung möchten sich die Initiatoren des Elektromobilitätskonzepts stellen.

Viele Informationen rund um die Elektromobilität vermittelte im Herbst 2016 der „Tag der E-Mobilität“ in Sulzbach-Rosenberg.

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