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Abschlussabend

Das „Wundernetz“ ist wundervoll

Drei Jahre lang hat das Projekt „Gemeinsam unterwegs – das Wundernetz“ Inklusion in Stadt und Landkreis voran gebracht.
Von Andreas Brückmann

  • Ein kleines Dankeschön und Applaus gab es zum Abschluss von den Gruppen- und Projektleitern für Wundernetz Initiatorin Hildegard Legat (rechts), hier überreicht von KEB-Vorsitzendem Hans Bauer zusammen mit seinem Gruppenmitglied Philipp Kraus.Foto: Brückmann
  • Für den musikalischen Rahmen des sehr gut besuchten Abschlussabends sorgten Franz Badura (Trompete) und Bernhard Müllers am Keyboard. Foto: Brückmann
  • Die Mitglieder des Trommelkurses von EBW und KEB luden das Publikum ein, bei ihrem Stück kräftig mitzumachen. Foto: Brückmann
  • Franziska Lottner (Mitte) hat den Song „Ich bin besonders“ geschrieben und in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe der Volkshochschulen ein Musikvideo dazu erstellt: „Ich habe den Song geschrieben, um die Vorurteile und Barrieren in den Köpfen der Menschen abzubauen.“ Foto: Brückmann

Amberg.Inklusion leben. Menschen mit Behinderung nicht ausschließen, sondern teilhaben lassen. Drei Jahre lang hat das Projekt „Wundernetz“ dieses in Stadt und Landkreis vorgelebt. In Zusammenarbeit und -wirken mit sechs Partnern in der Region die Möglichkeit gegeben, dass sich Mitmenschen mit einem Handicap in verschiedenste Bereiche einbringen können. Für alle eine großartige Erfahrung, wie sich bei der Abschlussveranstaltung im ACC gezeigt hat.

Hildegard Legat hat das Projekt „Wundernetz“ vor mehr als drei Jahren initiiert. Sie arbeitet bei der Offenen Behindertenarbeit der Lebenshilfe Amberg-Sulzbach e. V. und sorgt für die gute Zusammenarbeit von Menschen mit und ohne Behinderung. Jetzt moderierte sie die Abschlussveranstaltung. Gebärdensprachdolmetscherin Kathleen Entrich übersetzte die Präsentation für Menschen mit Hörbehinderung.

Irmgard Badura (rechts), Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung, war aus München gekommen. Zusammen mit Hildegard Legat (Mitte) und Gebärdensprachdolmetscherin Kathleen Entrich beantwortete sie die Fragen: Wie weit ist die Inklusion in Bayern gediehen und gibt es Impulse, die sie von dieser Veranstaltung mit nach München nehmen kann. Foto: Brückmann
Irmgard Badura (rechts), Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung, war aus München gekommen. Zusammen mit Hildegard Legat (Mitte) und Gebärdensprachdolmetscherin Kathleen Entrich beantwortete sie die Fragen: Wie weit ist die Inklusion in Bayern gediehen und gibt es Impulse, die sie von dieser Veranstaltung mit nach München nehmen kann. Foto: Brückmann

Für Hildegard Legat hat das entstandene Netzwerk gezeigt, dass das Thema Inklusion in der Region einen hohen Stellenwert habe. „Sieben Partner haben in regelmäßigen Arbeitsgruppen mit Menschen mit Behinderung geplant, getüftelt, überlegt und umgesetzt – um dem Ziel der Inklusion ein Stück näher zu kommen“, fasste Legat die Grundidee der Zusammenarbeit zusammen.

Das Wundernetz wurde auch mit dem Inklusionspreis ausgezeichnet.

Mit den Partnern, den Volkshochschulen Amberg und Amberg-Sulzbach, dem Sender Oberpfalz TV, der OTH Amberg-Weiden, dem Evangelischen Bildungswerk Sulzbach-Rosenberg sowie der Katholischen Erwachsenenbildung Amberg-Sulzbach, wurden Arbeitsgruppen gebildet, eine weitere Gruppe unter dem Namen „Infowerk“ angeschlossen, die keiner bestimmten Organisation zugeordnet wurde, sondern bei der Planung mithalf und mit dem Inklusionsbündnis Amberg-Sulzbach zusammenarbeitete.

Applaus in Gebärdensprache

Für Oberbürgermeister Michael Cerny war die Arbeit am „Wundernetz“ eine tolle Zeit: „Ich glaube, es war nicht nur eine wunderbare Zeit der Zusammenarbeit. Wir haben das Thema Inklusion mit diesem Projekt ein ganz großes Stück nach vorne gebracht. Den Applaus heute dürfen sich viele zu eigen machen, die dazu beigetragen haben, dass aus einem Projekt so eine erfolgreiche Geschichte geworden ist.“ Für die Grußworte von OB Cerny gab es Applaus in Gebärdensprache von seiner Stellvertreterin Brigitte Netta.

Für die Grußworte von Ambergs Oberbürgermeister Michael Cerny (rechts) gab es Applaus in Gebärdensprache von seiner Stellvertreterin Brigitte Netta (Mitte). Foto: Brückmann
Für die Grußworte von Ambergs Oberbürgermeister Michael Cerny (rechts) gab es Applaus in Gebärdensprache von seiner Stellvertreterin Brigitte Netta (Mitte). Foto: Brückmann

Auch Eduard Freisinger, Vorstandsvorsitzender der Lebenshilfe Amberg-Sulzbach e.V., zog eine positive Bilanz: „Begeisterung und hohes Engagement aber auch unterschiedlichste Sorgen begleiteten die ersten Gespräche, Schritte und Stunden des Wundernetzes. Sie haben sich der Herausforderung gestellt. Und es ist ein wunderbares Netzwerk entstanden. Ein Netz mit vielen engagierten Partnern.“

Leichte Sprache. Monika Ehrenreich (am Mikro) betreute das Projekt bei der Öffentlichkeitsarbeit und arbeitete mit ihrer Gruppe an der leichten Sprache: „Leichte Sprache ist ein Hilfsmittel. Das besonders Menschen mit Lernbehinderung hilft, schriftliche Dinge selbst.bestimmt in die Hand zu nehmen.“ Foto: Brückmann
Leichte Sprache. Monika Ehrenreich (am Mikro) betreute das Projekt bei der Öffentlichkeitsarbeit und arbeitete mit ihrer Gruppe an der leichten Sprache: „Leichte Sprache ist ein Hilfsmittel. Das besonders Menschen mit Lernbehinderung hilft, schriftliche Dinge selbst.bestimmt in die Hand zu nehmen.“ Foto: Brückmann

Was für das „Wundernetz“ geleistet wurde, präsentierten die Arbeitsgruppen im ACC auf der Bühne, die an diesem Abend ihnen gehörte. Die OTH zeigte, wie die Webseite des Netzwerks mit Audiodateien ausgestattet wurde, OTV produzierte extra 14 „Wundernetz-Magazine“. Die KEB und das EWB lieferten mit zwei Trommelstücken einen der musikalischen Höhepunkte des Abends. Neben den Trommlern sorgten Franz Badura an der Trompete und Bernhard Müllers am Keyboard für den musikalischen Rahmen.

Monika Ehrenreich betreute das Projekt bei der Öffentlichkeitsarbeit und arbeitete mit ihrer Gruppe an der leichten Sprache: „Leichte Sprache ist ein Hilfsmittel. Das besonders Menschen mit Lernbehinderung hilft, schriftliche Dinge selbstbestimmt in die Hand zu nehmen.“

Daniel Slepitschka, VHS Arbeitsgruppe (Mitte): „Ganz wichtig für uns war natürlich mitzuhelfen, dass Menschen ohne Behinderung uns kennenlernen können. Wir sind nicht anders, wir sind nur besonders.“ Foto: Brückmann
Daniel Slepitschka, VHS Arbeitsgruppe (Mitte): „Ganz wichtig für uns war natürlich mitzuhelfen, dass Menschen ohne Behinderung uns kennenlernen können. Wir sind nicht anders, wir sind nur besonders.“ Foto: Brückmann

Die Arbeitsgruppe der Volkshochschulen Amberg und Amberg-Sulzbach begleiteten über die drei Jahre eine Vielzahl von Projekten. Janine Franceschini erzählte beispielsweise vom Projekt Blumenbeet in Amberg, das gemeinsam mit der Stadtgärtnerei angelegt wurde. Daniel Slepitschka, VHS-Arbeitsgruppe, betonte: „Ganz wichtig für uns war natürlich mitzuhelfen, dass Menschen ohne Behinderung uns kennenlernen können. Wir sind nicht anders, wir sind nur besonders.“

Das Amberger Congress Centrum bot mit viel Freiraum zwischen den Stühlen und Gängen die besten Voraussetzungen, dass auch Menschen mit Gehbehinderung der Veranstaltung beiwohnen konnten.

Barrierefreier Nahverkehr

Neben dem Rückblick kam auch der politische Aspekt nicht zu kurz. Irmgard Badura, Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung, war aus München gekommen. „Bayern. Barrierefrei. Bildung. Alles große Themen. Wenn alle in Bayern so tatkräftig und fleißig wären, wie sie hier im Landkreis, dann wären wir bestimmt schon ein großes Stück weiter“ dankte sie.

Alexandra Lang aus der Arbeitsgruppe Infowerk: „Nicht gut ist: Ein behinderter Mensch. Weil man da nur die Behinderung sieht. Gut ist: Ein Mensch mit Behinderung. Weil das heißt: Das ist ein Mensch, der auch eine Behinderung hat. Und noch viele andere Eigenschaften.“ Foto: Brückmann
Alexandra Lang aus der Arbeitsgruppe Infowerk: „Nicht gut ist: Ein behinderter Mensch. Weil man da nur die Behinderung sieht. Gut ist: Ein Mensch mit Behinderung. Weil das heißt: Das ist ein Mensch, der auch eine Behinderung hat. Und noch viele andere Eigenschaften.“ Foto: Brückmann

„Wir kämpfen für vieles, Horst Seehofer hat ausgegeben, Bayern wird im öffentlichen Bereich bis 2023 barrierefrei. Und – hört, hört – nach seinen Worten auch der öffentliche Nahverkehr“, so ihre Vorschau. Doch augenzwinkernd fügte Irmgard Badura an: „Hierbei wären wir froh, wenn wir denn überhaupt einen guten öffentlichen Nahverkehr im Landkreis hätten. Ich bin selbst in Ammerthal groß geworden, und mich ärgert es immer noch maßlos, wenn es nicht einmal einen gescheiten Bus von dort nach Amberg gibt.“ Zusammen mit Hildegard Legat und Gebärdensprachdolmetscherin Kathleen Entrich beantwortete Irmgard Badura Fragen.

Markus Blaschek, Studienrat im Förderschuldienst, bei seinem Impulsvortrag Inklusion in einer exklusiven Welt: „Ich könnte meinen Trainingsabzug ablegen. Aber eine Behinderung? Die ist sozusagen der Trainingsanzug, den man von der Gesellschaft jeden Tag des Lebens angezogen bekommt.“ Foto: Brückmann
Markus Blaschek, Studienrat im Förderschuldienst, bei seinem Impulsvortrag Inklusion in einer exklusiven Welt: „Ich könnte meinen Trainingsabzug ablegen. Aber eine Behinderung? Die ist sozusagen der Trainingsanzug, den man von der Gesellschaft jeden Tag des Lebens angezogen bekommt.“ Foto: Brückmann

Die abschließenden Worte des Abends fand Prälat Johannes Neumüller, der zunächst einmal für einen ungewollten Lacher sorgte: „Ich habe mich bemüht am Ende dieses Gottesdienstes, äh – am Ende dieses Abends ein kurzes Gebet zu sprechen.“ Er war voll des Lobes:. Das was ihr hier vollbracht habt, ist einfach wundervoll.“

Weitere Informationen gibt es unter www.wundernetz.org.

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