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Natur

Der Wagrainer Wald als „Multitalent“

Bei einer Waldbegehung zeigte das Forstamt seine Arbeit. Die in Wagrain dominierende Fichte wird langfristig Opfer des Klimawandels.

Gelungene Beispiele des ökologischen Umbaus im Wagrainer Wald zeigte Forstamtsleiter Martin Seits (Mitte) bei einer Waldbegehung mit dem Vorstand der Aktionsgemeinschaft Wagrain-Ammersricht auf. Foto: M. Lehner
Gelungene Beispiele des ökologischen Umbaus im Wagrainer Wald zeigte Forstamtsleiter Martin Seits (Mitte) bei einer Waldbegehung mit dem Vorstand der Aktionsgemeinschaft Wagrain-Ammersricht auf. Foto: M. Lehner

Amberg.Der Wald ist ein „Perpetuum mobile“ der Natur und Waldschutz eine klassische Aufgabe der Daseinsvorsorge. Darin stimmten der Leiter des städtischen Forstamts, Martin Seits, und der Vorstand der Aktionsgemeinschaft Wagrain-Ammersricht (AWA) bei einer gemeinsamen Begehung des Wagrainer Walds überein.

Wie Trinkwasser- oder Bodenschutz sei der Schutz des Waldes deshalb nicht nur Daseinsvorsorge, sondern eine Art Lebensversicherung für die Stadt Amberg, stellte AWA-Vorsitzender Manfred Lehner eingangs dar. Natürlich müssten auch betriebswirtschaftliche Aspekte einfließen, „im Vordergrund forstwirtschaftlichen Handelns steht aber stets die langfristige, generationenübergreifende Verantwortung“, so Seits.

Als Planungsgrundlage und Leitfaden diene der sogenannte Forstwirtschaftsplan, der alle 20 Jahre neu erstellt werde. Dazu gehöre auch die Standorterkundungskarte, mit deren Hilfe das Forstamt ermitteln könne, welche Baumart am richtigen Ort gepflanzt werden müsse. Dies sei vor allem angesichts der auch im Amberger Stadtwald deutlich spürbaren Klimakrise wichtig. Seits zeigte dies an verschiedenen Standorten, an denen das Forstamt bereits mit der künstlichen und natürlichen Verjüngung des Waldbestands begonnen habe – mit dem Ziel diesen zu stabilen, strukturreichen und standortgemäßen Mischwäldern umzubauen.

„Im Vordergrund der Handlungen in der Forstwirtschaft steht aber stets die langfristige Verantwortung.“

Martin Seits, Leiter des städtischen Forstamt

Die im Wagrainer Wald noch immer dominierende Fichte werde in den nächsten Jahrzehnten sukzessive tiefwurzelnden Baumarten wie der Flatterulme, der Eiche oder der Douglasie weichen müssen. Die Kiefer bekomme immer häufiger „Sonnenbrand“ und werde langfristig Opfer des Klimawandels.

Seits betonte die unschätzbare Bedeutung des Waldes als „Multi-Funktionstalent“: Er sei Sicht- und Emissionsschutz, diene der Luft- und Wasserreinhaltung und sei Ambergs größter CO2-Speicher; die 2100 Hektar Forst im Besitz der Stadt binden jährlich weit über 20 000 Tonnen CO2 – eine Bilanz, für die auch Hartwig Dorsch vom Naturschutzbeirat ein dickes Lob aussprach.

Gleichzeitig biete gerade der Wagrainer Wald einen idealen Erholungsraum als „Auftankstation für die Seele“; ein Rückbau des Langangerwegs könnte hier durchaus förderlich sein, ergänzte er. Der Forstamtsleiter brach aber auch eine Lanze für die Bewirtschaftung der Wälder, denn die Pflege und Durchforstung speichere mehr Kohlenstoff als unbewirtschaftete Flächen. Bei Privatwäldern sei das schon manchmal ein Problem. Gerne würde das Forstamt deshalb weitere Flächen ankaufen – kein leichtes Unterfangen, wie Seits betonte. Auch das heikle Thema Jagd sprach Seits an. Grundsätzlich gelte im kommunalen Wald das Prinzip „Wald vor Wild“, man propagiere die sogenannte „saubere Jagd“ und werbe für heimisches Wildpret.

Im Hinblick auf den „Hunger“ nach weiteren Flächen im Industriegebiet Nord machte Martin Seits klar: Ja zur Verdichtung – dann aber mit aufzuforstenden Ausgleichsflächen – Nein zur Erweiterung über den bestehenden bebauten Raum hinaus. (alm)

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