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Tradition

Die Ebermannsdorfer Kohle ist erntereif

In Ebermannsdorf produzieren Köhler noch heute Kohle wie vor hundert Jahren. Bei den Kunden kommt das gut an.
Von Christine Wendl

Die Köhlergesellen bei der Ernte der klingenden Kohle am Meilerplatz Foto: Christine Wendl
Die Köhlergesellen bei der Ernte der klingenden Kohle am Meilerplatz Foto: Christine Wendl

Ebermannsdorf.„Die Nachfrage nach unserer Holzkohle ist groß“, sagt der Ebermannsdorfer Bürgermeister und Köhlerchef Josef Gilch und räumt ein, dass der Verein eigentlich viel mehr produzieren müsste, um die Nachfrage für eine ganze Grillsaison zu decken. Das enorme Interesse beruhe vor allem auf der hervorragenden Qualität der Holzkohle. „Wer sie einmal verwendet hat, holt sich nie wieder eine andere“, schmunzelt er. Der Grund liege auf der Hand: Die Ebermannsdorfer Köhler hätten zwischenzeitlich so große Erfahrung in ihrem Handwerk – genau wie die Altvorderen und Berufskollegen vor hunderten von Jahren – dass nur beste Ware, also „klingende“ Holzkohle geerntet werde.

Verwendet wird ausschließlich Buchenholz aus den Wäldern des Naturparks Hirschwald. Zunächst muss dieses beschafft und herantransportiert werden. Dann schichtet das „SEK“ – das Senioren Einsatz Kommando – um Rudi Götz, Klaus Scheibel und Josef Höllriegl den Meiler auf. Gemeinsam mit einem weiteren Dutzend Köhlern verdichten sie ihn mit Heu und Lösche. Eine schwere und schweißtreibende Arbeit, zu der jeder Mann gebraucht wird. Fast zwei Wochen schwelte der Meiler auf dem zwischen Ebermannsdorf und Schafhof gelegenen Köhlerplatz, bis aus dem Holz die begehrte Holzkohle entstanden war. Dabei musste der Meiler Tag und Nacht bewacht werden. Eine Arbeit, die man sich dank der vielen Mitglieder aufteilen konnte. Dann wurde der Meiler gekühlt und die Holzkohle konnte geerntet werden.

Die Köhlerei

  • Geschichte:

    Die Herstellung von Holzkohle ist eine der ältesten Handwerkstechniken der Menschheit, wird heute aber nur noch selten nicht-industriell betrieben.

  • Auszeichnung:

    Im Jahr 2014 hat die Kultusministerkonferenz das deutsche Köhlerhandwerk in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Deutschland aufgenommen.

„Das Geheimnis einer guten Holzkohle beginnt bei der Art und Stärke des verwendeten Holzes. Dünneres Holz ist besser als dickeres“, verrät Gilch. Von entscheidender Bedeutung seien auch die richtige Luftzufuhr, der richtige Erntezeitpunkt und eine nicht zu große, aber natürlich auch nicht zu kleine Kühlwassermenge. „Je feuchter die geerntete Holzkohle ist, umso schlechter. Sie muss klingeln, wenn man sie aneinanderreiht oder schüttelt. Der Köhler wurde und wird nach der Qualität bezahlt“, informiert der „Chef“-Köhler. Dieses Jahr hatten sie das Glück, dass die langanhaltende Hitze und Trockenheit die Kohle nachdem sie ausgebreitet war richtig ausgedörrt hat.

Die Ebermannsdorfer Köhler bauen ihre Meiler vor allem, um die alte Tradition in der Region nicht aussterben zu lassen und den Raubbau am Tropenholz zu minimieren. „Das, was früher zum Broterwerb vieler Menschen diente, ist heute ein Stück gelebte Nostalgie – Romantik pur“, so Gilch. Während Köhler früher ihre Meiler dort rauchen ließen, wo eben gerade Holz geschlagen wurde, etablierten die Ebermannsdorfer einen festen Standort. Das Buchenholz transportieren sie aus einem Umkreis von mehreren Kilometern heran. Gilch ist überzeugt, dass die kleine Kohleproduktion jedes Mal „mindestens einen Urwaldriesen in Südamerika vor dem Verkohlen rettet“.

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