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Wald

Der Borkenkäfer schlägt grenzenlos zu

Die lange Hitze war für die Fichten zu viel: Zwischen Wolfsbach und Leidersdorf wurden schon befallene Bäume gefällt.

Sämtliche Entwicklungsstadien des Buchdruckers, von den weißen Larven bis hin zu den nahezu ausflugfertigen Käfern, zeigt dieses Bild einer Baumrinde – samt dem charakteristischen Fraßbild.
Sämtliche Entwicklungsstadien des Buchdruckers, von den weißen Larven bis hin zu den nahezu ausflugfertigen Käfern, zeigt dieses Bild einer Baumrinde – samt dem charakteristischen Fraßbild. Foto: Staatsforsten

Ensdorf.Maschinengeräusche hallen seit einigen Tagen zwischen Wolfsbach und Leidersdorf über das Vilstal. Der aufmerksame Autofahrer konnte den Grund auf seinem Weg von der Vilstalstraße aus über das Schauspiel der Baumkronenverfärbung miterleben. Erst ein punktuell matter werdendes Grün, das dann innerhalb weniger Tage in ein weithin sichtbares, größerflächiges Rot umschlug.

Wer verursacht diesen „Indian Summer“? Der Borkenkäfer gab den dürstenden Fichten den Todesstoß. Die Bayerischen Staatsforsten und der Amberger Forstbereich des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) schlagen deshalb gemeinsam Alarm. Alle Waldbesitzer sind aufgerufen, ihre Wälder auf den Befall hin zu überprüfen. Revierleiter Fritz Bieber von den Bayerischen Staatsforsten war wachsam genug, um die Schadholzaufarbeitung bei Leidersdorf sofort zu initiieren. Im sogenannten Wassertal mussten in ganzen Hangteilen vom Borkenkäfer befallene Fichten eingeschlagen werden.

An diesem „abgeräumten Hang“ im Wassertal bei Leidersdorf ist die Verjüngung mit Buchen schon zu erkennen. Foto: Bayerische Staatsforsten
An diesem „abgeräumten Hang“ im Wassertal bei Leidersdorf ist die Verjüngung mit Buchen schon zu erkennen. Foto: Bayerische Staatsforsten

„Die lange Sommerhitze ohne nennenswerte Regenfälle war einfach zu viel für die Fichten auf den sonnseitigen, flachgründigen Hangstandorten. Die Geschwindigkeit der aktuellen Schadensentwicklung habe ich so noch nicht erlebt“ – so beschreibt Forstbetriebsleiter Thomas Verron Ursache und Wirkung. Obwohl über langjährige Berufserfahrung und aktuelle Borkenkäferwarnmeldungen der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft aus Freising vorgewarnt, überrasche diese Entwicklung doch. Die derzeitige Problematik beschränke sich keineswegs nur auf diesen Raum, sie sei aktuell in vergleichbaren Standortslagen aller Orten zu sehen, weiß Verron.

Auf dem kurzen Weg über den Abendbrottisch verbündete man sich zum gemeinsamen Weckruf. Forstoberrätin Helga Verron vom AELF Amberg, zuständig für das Borkenkäfermonitoring im Privat- und Körperschaftswald, hat jetzt mit ihren Revierleitern die schwierige Aufgabe, alle Waldbesitzer zu aktivieren. Nicht jeder hat aus beruflichen Gründen immer sofort Zeit, seine Schadflächen notwendigerweise gleich aufzuarbeiten. „Der Borkenkäfer kennt keine Grenzen, überall muss zum Schutz der jeweiligen Nachbarwälder unumgänglich aufkeimendes Borkenkäferholz eingeschlagen und aus dem Wald gebracht werden“, weist Helga Verron auf die Solidargemeinschaft hin. Nur gemeinsam könne man einer sich neu aufschaukelnden Borkenkäfer-Massenvermehrung begegnen. Sollte es 2016 nochmals ein Trockenjahr geben, sei der Trend dazu erheblich hoch.

Schädlingsbefall

  • Der Beginn

    Die Fichten werden als Folge des Trockenstresses auf besonders flachgründigen Standorten zunächst von der Kronenspitze her vom kleineren Borkenkäfer, dem Kupferstecher, befallen.

  • Weitere Entwicklung

    Dieser schwächt die Bäume weiter und bereitet sie quasi für den tödlichen Buchdruckerbefall vor. Der Buchdrucker schädigt die grüne Lebensschicht des Baumes direkt unter der Rinde, das Kambium.

  • Zeichen

    Kronenverfärbungen, Harzausfluss als Abwehrreaktion der Bäume und Rindenbohrmehl, das an den Stammfuß herabrieselt, sind nach Angaben der Experten die besten „Zeiger“ für einen Borkenkäferbefall.

In den befallenen Bäumen sind laut Thomas Verron alle Entwicklungsstadien zu finden, von weißen Larven bis hin zu hellbraunen, nahezu ausflugfertigen Käfern. Das an der Waldstraße liegende Holz müsse also sofort weiterbehandelt werden. Eine schnelle Abfuhr aus dem Wald, eine sofortige Entrindung oder im äußersten Notfall eine spezielle Insektizidbehandlung seien die Eskalationsstufen. Das Gipfelmaterial sollte am besten gehackt werden.

Die Verfärbung der Kronen in diesem Wald bei Leidersdorf zeigt den beginnenden Befall. Foto: Bayerische Staatsforsten
Die Verfärbung der Kronen in diesem Wald bei Leidersdorf zeigt den beginnenden Befall. Foto: Bayerische Staatsforsten

Derzeit gilt es laut Thomas Verron, besonders auf den kritischen Standorten Fichten auf etwaigen Befall zu kontrollieren. Kronenverfärbungen, Harzausfluss als Abwehrreaktion der Bäume und an den Stammfuß herabrieselndes braunes Rindenbohrmehl nennt der Experte als die besten Zeiger. Die Befallsstandorte würden deutlich darauf hinweisen, dass die Fichte auf den flachgründigen Böden nicht standortsgemäß sei.

„Der Borkenkäfer zeigt die vieldiskutierte Notwendigkeit des Waldumbaus hinsichtlich des Klimawandels, also überhaupt kein unnatürlicher Prozess“, so Helga Verron. Im Wassertal bei Leidersdorf sehe man in den Hangbereichen, in denen keine alten Fichten mehr stehen, schon die nachwachsende neue Waldgeneration – aus standortsangepasster Buche.

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